Digitale Assistenten: Helfer oder Spitzel?

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Digitale Assistenten: Helfer oder Spitzel?

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Eigentlich wollte Facebook einen smarten Lautsprecher auf den Markt bringen, so einen wie Amazon ihn mit Echo/Alexa hat – und Google mit Google Home, Microsoft mit Invoke (Cortana) und Apple mit dem HomePod. Mark Zuckerberg hat verstanden: Hier liegt die Zukunft. Und für ein Datensammelunternehmen ist so ein Digitaler Assistent für zu Hause ganz was Feines. Nur: Der Datenskandal rund um Cambridge Analytica und Co. hat die Leute misstrauischer gemacht. Deshalb hat Facebook die Markteinführungen seiner Interpretation eines „Digitalen Assistenten“ erst mal auf ungewisse Zeit verschoben.

Die Alexa App verrät, welche Anfragen wir gestellt haben; Rechte: WDR/Schieb

Die Alexa App verrät uns, welche Anfragen wir gestellt haben

Nutzer vertrauen den Digitalen Assistenten blind

Vermutlich eine kluge Entscheidung. Denn eins sind die Digitalen Assistenten ganz gewiss: ein Datenschutzproblem. Schon aus psychologischen Gründen: Wer mit einer Maschine spricht, also nicht irgendwas eintippt oder auf dem Display wischt, der denkt noch weniger darüber nach, ob er vertrauliche Informationen preisgibt als ohnehin schon. Sprechen ist etwas ganz Natürliches. Und da man mit einer Maschine spricht, spricht man fast zu sich selbst. Vertrauen garantiert.

Aber haben die Digitalen Assistenten das Vertrauen verdient? Die Erfahrungen der Vergangenheit lehren uns: Wohl eher nicht. Alles, was nicht völlig undenkbar ist, das geschieht auch. Das hat uns die NSA gelehrt. Also müssen wir davon ausgehen, dass es möglich ist, dass das eingebaute Mikro in solchen smarten Lautsprechern von Hackern (oder Geheimdiensten) gekapert werden kann. Zwecks Lauschaktion. Oder dass durch Pannen Gesprächsfetzen aufgezeichnet werden, die eigentlich gar nicht aufgezeichnet werden sollen.

Die Onlinedienste merken sich genau, was wir unsere Assistenten gefragt haben – der Beweis

Wir brauchen klare Regeln, was mit den Daten passieren darf

Google Home reagiert(e) auf „OK Kuchen“, Amazons Alexa auf „Alexandra“ – nur zwei bekannte Beispiele. Und schon landen die nachfolgend gesprochenen Worte auf den Servern der Anbieter. Kann man sogar selbst überprüfen: Die Alexa App spielt einem auf Wunsch Gesprächsfetzen vor, die nicht richtig verstanden wurden. Bei mir sind das teilweise Telefongespräche.

Alles schon bedenklich genug. Dann kommen noch die Sachen dazu, die keine Unfälle sind, sondern geplant. Jedes Gespräch mit unserem Assistenten verrät etwas über uns. Ob wir zu Hause sind, in welchem Raum wir uns befinden, in welcher Stimmung wir sind (Kuschelrock, Jazz oder Hardrock angefordert?), wann wir ins Bett gehen(„Alexa: Licht aus“) und vieles andere mehr. Ein Eldorado für Onlinedienste, die uns mit Vorliebe durchleuchten.

Man muss kein Hysteriker sein, um sich vorzustellen, welche Konsequenzen all das haben kann. Digitale Assistenten können sehr praktisch sein. Aber es braucht klare Regeln, was da überhaupt von verarbeitet werden darf. Die Standardeinstellung sollte laut Gesetzgeber lauten: NICHTS. Nur wenn ich unbedingt will und zustimme, sollte sich der Onlinedienst die ein oder andere Sache merken dürfen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Wer sich allen Ernstes tatsächlich immer noch sog. „digitale Assistenten“, Smartphones oder asoziale Netzwerke ins Haus oder in die Tasche holt und obendrein allen Ernstes annimmt, ein „Nutzer“ bzw. eine „Nutzerin“ zu sein – der oder die hat den Schuß nicht gehört.
    Denn „assistieren“ tun diese Geräte allenfalls ihren Herstellern und Betreibern beim Ausspionieren und Überwachen, und die vermeintlichen „Vorteile“ dieser Apparate sind genau das, was der Zucker bei den Alkopops ist, mit dem deren Hersteller Menschen in die Alkoholabhängigkeit treiben wollen, was ihnen ja auch gelingt.
    Demzufolge gibt es auch keine „Nutzerinnen und Nutzer“, sondern vielmehr ausschließlich BENUTZTE, so, wie es auch keine „sozialen“ Netzwerke gibt, sondern ausschließlich ASOZIALE.
    Alles dieses sollte an sich doch allerspätestens durch den m.E. menschenrechtswidrigen Verkauf persönlich(s)ter Daten von Menschen durch das asozialste der asozialen Netzwerke, nämlich dieses „Facebook“, auch der und die allerletzte mitbekommen haben.
    Daß sich die Zahl der AussteigerInnen dennoch in Grenzen hält, ist ebenso bedrückend wie erklärlich: Nämlich mit der SUCHTERKRANKUNG vieler hunderttausend Opfer weltweit, wenn nicht schon Millionen (s. statt aller die jüngste Studie der DAK unter dak.de).
    Sucht bedeutet ja auch, daß die Zuführung des Suchtmittels vermeintliche Vorteile vorgekaukelt werden, die Menschen am Erkennen der schlimmen Selbstschädigung hindert.
    Aufklärung wie die von Jörg Schieb, so verdienstvoll sie gewiß auch ist, wird da wenig helfen.
    Ausstiegshilfen und Suchtprävention wie es sie bei anderen Süchten auch gibt (Nikotin, Alkohol pp. )täten hier not.

  2. Es sei für alle Interessierten am Thema Datenschutz erlaubt zu sagen, dass Apple-Geräte die persönlichsten Daten ausschließlich auf dem Gerät speichert. Es lässt sich auf diesen zudem einstellen, dass keine Daten, seien es Fotos, Passwörter etc., das Gerät verlassen.

    • Nur bei abgeschaltetem iCloud Drive, oder?
      Zitat (*):
      „…Seit iOS Version 8 übertragen Apples Mobilgeräte automatisch die Liste der Telefonanrufe in die Apple-Cloud (Telefonnummer, Datum/Uhrzeit, Dauer), sobald ein iCloud-Konto eingerichtet wurde. Die Datenspeicherung kann man nur verhindern, wenn man das iCloud Drive komplett abschaltet. Mit iOS Version 10 hat Apple diese Datenspeicherung ausgeweitet und überträgt die Metadaten der Kommunikation von allen Apps in die Apple Cloud, die mit CallKit-Unterstützung eingehende Anrufe auf dem Lockscreen anzeigen. Das betrifft neben Telefonie und SMS auch iMessage, WhatsApp, Skype und verschlüsselten VoIP Telefonate des Messengers Signal. Die Kommunikationsdaten werden für 4 Monate im iCloud-Konto des Benutzers gespeichert und können dort ggf. von Behörden abgegriffen und für die Kommunikationsanalyse genutzt werden. Die Firma Elcomsoft bietet Geheimdiensten die nötigen Tools, um diese Daten zu erschließen. …“

      (*) Quelle: https://privacy-handbuch.de/handbuch_70a.htm

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