Digitales Erbe: Facebook muss Daten rausrücken

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Digitales Erbe: Facebook muss Daten rausrücken

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Das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eine Erleichterung: Jetzt ist höchstinstanzlich geklärt, dass Facebook den Eltern eines verstorbenen Mädchens Zugang zu ihrem Konto gewähren muss. Genau das hatte Mark Zuckerbergs Konzern den Eltern jahrelang verwehrt. Nun ist klar: Nicht Facebook bestimmt die Regeln, wie sonst immer, sondern der Anstand und der gesunde Menschenverstand.

Facebook bereitet entscheidende Veränderungen vor; Rechte: dpa/Picture Alliance

Facebook muss Daten verstorbener User an die Erben herausgeben

Sonst spielt Datenschutz keine große Rolle

Ausgerechnet ein Konzern wie Facebook, der das Sammeln, Auswerten und Monetarisieren persönlicher Daten zur Perfektion getrieben hat, verwehrt Eltern eines minderjährigen(!) Kindes den Zugang zu den Facebook-Daten ihrer auf tragische Weise ums Leben gekommenen Tochter – aus Gründen des Datenschutzes? Aus  meiner Sicht eine nachgerade zynische Haltung. Ein Missbrauch.

Mark Zuckerbergs Netzwerk ist ansonsten Weltmeister darin, das Recht so zu interpretieren, dass maximaler Ertrag möglich ist. Der Datenschutz selbst spielt nicht die geringste Rolle. Facebook macht, was es will. Wird der Konzern dann tatsächlich bei millionenfacher Veruntreuung von Daten erwischt, soll ein “Sorry guys, war ein Versehen” des Konzernchefs reichen.

https://vimeo.com/279632679

Erben haben Anspruch auf digitale Daten

Aus wirtschaftlichen Gründen geweigert

Facebook hat sich nicht aus Datenschutzgründen geweigert, den verzweifelten Eltern zu helfen und ihnen die Daten rauszugeben, sondern weil das Unternehmen auf diese Weise so tun kann, als ob Privatsphäre eine Rolle spielt. Wären die Eltern zahlende Werbekunden, hätten sie so ziemlich alle Daten erhalten (bitte im übertragenen Sinn verstehen).

Weiterer Aspekt: Facebook wollte den Anspruch auf ein digitales Erbe lieber vermeiden. Denn es macht natürlich Mühe und bedeutet Aufwand, die Konten verstorbener Kunden, die kein Geld mehr einbringen, da sie den Dienst nicht mehr nutzen können, aufwändig manuell zu verwalten und den rechtmäßigen Erben auszuhändigen. Das lässt sich nicht einfach so automatisieren.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat klug entschieden – im Sinne der Menschlichkeit und in jedem Fall auch verantwortungsvoll. Nun ist klar, dass Erben das Recht haben, Chats und Messenger-Nachrichten zu lesen, so wie sie auch Briefe lesen dürfen. Mir ist es schleierhaft, wieso Facebook ununterbrochen davon ausgeht, dass für das Unternehmen Sonderrechte gelten. Immer nur Rechte, aber keine Pflichten.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Ich finde das gut. Bei Videospielen ist es ja auch so. Das man die ganzen Spiele nur leiht und eigentlich nicht der Besitzer der Spiele ist. Man sollte auch digitale Daten die man erwirbt oder in Sozialen Netzwerken das eigene Profil besitzen.

  2. Dieses Urteil ist ein Highlight der Justiz und sendet eindeutige Signale in den digitalen Orbit auch Internet genannt.
    Jetzt können die Erben Facebook -in persona Zuckerberg- wie ein Tanzbär durch die Manege führen.
    Dieser Rollentausch ist schon lange überfällig.

    Freund Schieb hat meine Wellenlänge, guter Beitrag

  3. Da macht FB einmal was richtig und gleich wieder alle am Meckern, wenn ich mit dem Mädel befreundet wäre würde ich jetzt versuchen per Einstweiliger verfügung den Chatverlauf und verlinkungen löschen zu lassen… es gibt dinge die gehen die Eltern nix an imo.

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