Digitalpakt Schule: Computer und Breitband allein helfen auch nicht

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Digitalpakt Schule: Computer und Breitband allein helfen auch nicht

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Das Bild oben stammt aus dem Jahr 2000. Lene, Theresa und Arne erledigten damals am PC ihre Hausaufgaben. Ein dpa-Fotograf hat diesen Moment festhalten, um die schlechte digitale Ausstattung von Schulen zu bebildern. Im dpa-Text dazu hieß es, “die Schulen sind noch nicht flächendeckend auf die Herausforderungen der Zukunft, speziell auf diesem Gebiet, vorbereitet und mit Computern und Internetanschlüssen ausgestattet.”

18 Jahre sind vergangen, der Text wäre selbst heute noch aktuell. Am Freitag nun hat sich die Politik auf den “Digitalpakt Schule” geeinigt. Fünf Milliarden Euro will der Bund in die Digitalisierung der Schulen investieren. Sie sollen Laptops und Tablets erhalten. Gefördert werden sollen auch WLAN, Lern- und Kommunikationsplattformen sowie Schulserver und interaktive Tafeln. Vorausgesetzt, der Bundesrat stimmt noch zu.

Das ist alles schön und gut – und längst überfällig. Was allerdings verdächtig ist: Wie sehr es in der Debatte um den Digitalpakt Schule vor allem um Hardware geht – und wie wenig darüber gesprochen wird, wie diese Hardware denn überhaupt genutzt werden soll. Als wäre der Unterricht plötzlich digital und als würde man Schülerinnen und Schüler auf die digitale Welt vorbereiten, nur weil an jedem Platz ein Tablet liegt.

https://www.youtube.com/watch?v=rKiSFMz1xFI
Mit einer Grundgesetzänderung darf die Digitalisierung von Schulen auch vom Bund gefördert werden – die tagesthemen über den Digitalpakt Schule.

Der Digitalpakt Schule lässt genau die Fragen offen, die mindestens (!) genauso wichtig: Wie genau machen wir aus analogen Lehrern digitale? Wie genau weisen wir Schülerinnen und Schülern den Weg durch ein Netz, in dem Hass, Fälschungen und Datenlecks zu Problemen geworden sind? Wie genau machen wir junge Menschen fit für das Internet?

Es gibt Lösungsansätze für diese Fragen. Die Digitalen Helden zum Beispiel entwickeln Onlinekurse und Workshops und betreiben ein ganzes Mentorenprogramm. Beim Digital Education Day in Köln haben sich erst am Wochenende digital engagierte Lehrerinnen und Lehrer getroffen. Und unter dem Hashtag #EDchatDE diskutieren sie bei Twitter jeden Dienstagabend über digitale und andere Themen.

Digitale Bildung ist keine Hardwarefrage. Ob sie sich bewährt, entscheiden Software und Konzepte. Es entscheiden Lehrer, die sich in der digitalen Welt auskennen und Eltern, die eine digitale Bildung unterstützen – statt Manfred-Spitzer-Bestseller herumzureichen. Fünf Milliarden Euro sind nur die nötige Grundlage. Was jetzt stattfinden muss, ist eine Debatte darüber, wie der Digitalpakt Schule inhaltlich gefüllt werden kann.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

4 Kommentare

  1. Eine gemeinsame Entwicklung von Lernprogrammen ist schön und sinnig, aber der zweite (oder mehr) Schritt vor dem ersten.
    Dass Lehrkräfte nicht in der Lage sind, das nötige Wissen zu vermitteln, Unterricht mit sinnvollem Einsatz aktueller Medien und Inhalte zu gestalten und auch mit dem wichtigen angesprochenen Punkt zum Umgang mit Hass, Falschmeldungen etc. umzugehen, das ist aus meiner Sicht das dringendere Problem.
    Und, ganz ehrlich, das Bild, welches Lehrkräfte nach meiner Erfahrung zum Thema Kompetenz in der digitalen Welt abgeben, ist einfach nur grauenhaft, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Ganz platt gesprochen können unsere Kinder von denen wirklich nix lernen.

  2. Lernprogrammen können gut sein, wenn sie je nach Vorwissen des Schülers angepasste Lektionen anbieten.

    Die Software-Entwickler von Lernprogrammen sollten mit Pädagogen zusammen diese Programme erstellen, weil Informatiker ihre Matheaufgaben in der Regel mühelos lösen konnten. Was leider bedeutet, dass sie sich nicht in unbegabte oder desinteressierte SchülerInnen hinein versetzen können.
    Damit Informatiker und Pädagogen zusammen arbeiten können, sollte es einen empathischen Vermittler geben.

    Was die “Digitalen Helden” angeht: Die Helden (SchülerInnen der 8. und 9. Klassen) werden für ihre Arbeit nicht bezahlt (nur 22,50 € für einen Einsatz). Ältere Menschen werden nicht rekrutiert.

    Was die Hardware angeht: Diese sollte unbedingt funktionieren, darum ist es grundlegend genügend Administratoren einzustellen. Sonst endet es wie damals mit den Sprachlaboren, die zu Rumpelkammern wurden, weil sie nicht funktionieren.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    “…Eltern, die eine digitale Bildung unterstützen – statt Manfred-Spitzer-Bestseller herumzureichen. ..”:
    Wenn derlei hetzerische Polemik in einem Kommentar zu einem Ihrer Artikel auftauchen würde, dann würde der ganze Kommentar vermutlich von Ihnen als dem löschwütigsten Digitalistan-Zensor gelöscht.
    Aber Eltern könnten nichts besseres tun als nicht nur Spitzer, sondern auch Alexander Markowetz, Bert te Wildt und – JÖRG SCHIEB zu lesen, der gerade eben erst (am 23.11.) an dieser Stelle völlig zu recht vor den immensen SUCHTGEFAHREN gewarnt hat:
    Es ist journalistisch unverantwortlich, nun auch im Bildungsbereich alles Digitale in den Himmel zu heben und zur Ersatzreligion zu machen, statt auf DIE GEFAHREN aufmerksam zu machen, die die Verdigitalisierung aller Lebensbereiche mit sich bringt:
    => SUCHT (jeden Tag überall zu beobachten – lies nochmals JÖRG SCHIEB 23.11.!)
    => VERBLÖDUNG durch durch Gehirnbenutzungsverweigerung (sehe ich jeden Tag in der Hochschule, an der ich lehre)
    => MANIPULATION UND FERNSTEUERUNG der Menschen bis hin zur Demokratiegefährdung (Wahlbeeinflussung und Volksverhetzung durch “Bots” und “Fake News”)
    => LETZTENDLICH ENTMENSCHLICHUNG durch Zunahme von KI und “Versmartung” in allen Lebensbereichen (Wollen SIE von Ihrem Kühlschrank vorgeschrieben bekommen, was Sie zu essen haben, anderenfalls die Daten über den Kühlschrank an Ihre Krankenkasse gesendet werden…?)

    Ein MENSCHENFREUNDLICHER Trend würde uns sagen:
    Lasst uns nicht auch shcon unsere Kinder digital verseuchen, sondern davor BEWAHREN!
    Und lasst uns alle unsere Versuchtungs- und Verblödungs- und Manipulationsapparate (Suchtphones) wegwerfen und CLEAN werden!

    So, und nun löschen Sie mal diesen Kommentar, weil er angeblich nichts mit dem Artikelthema zu tun hat:
    Wenn Sie DAS tun, stellen Sie sich ein weiteres und noch traurigeres Armutszeugnis aus.

    • Dennis Horn am

      @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Danke für Ihren Kommentar. Es bleibt jedoch dabei: Wir haben Blogregeln, die unter jedem Kommentarfeld verlinkt sind und die eine fruchtbare Debatte für alle Nutzerinnen und Nutzer möglich machen sollen. Leider stören Sie diese Diskussion immer wieder, weil Sie mit Ihren Kommentaren ständig die gleichen Punkte ansprechen oder sich nicht mit dem Thema des jeweiligen Beitrags beschäftigen. Kommentare, die unseren Blogregeln widersprechen, löschen wir gegebenenfalls.

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