Durchbruch durch Quantencomputer

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Durchbruch durch Quantencomputer

Kommentare zum Artikel: 9

Glauben wir den Forschern bei Google, dann hat ein neuer Quantencomputer Unglaubliches geschafft: Nach nur drei Minuten und 20 Sekunden (3:20) eine komplexe Aufgabe ausgerechnet, für die konventionelle Supercomputer angeblich 10.000 Jahre gebraucht hätten. Für alle Kopfrechner unter uns: Das ist 175 Millionen Mal schneller. Ich denke, man kann sagen: Das ist schon was.

Google Chef Sundar Pichai vor Quantencomputer; Rechte: WDR/Google/Schieb

Google Chef Sundar Pichai vor Quantencomputer

Super schnell rechnen dank Physik

Quantencomputer sind nicht einfach eine Weiterentwicklung heutiger Computer (kleiner, smarter, schneller), sondern etwas grundlegend Neues. Quantencomputer arbeiten auf der Basis der Quantenphysik. Bei dem Thema haben die meisten im Physikunterricht sicher gefehlt, weil zu kompliziert. Die Systeme arbeiten mit quantenmechanischen Zuständen. In der Theorie braucht man weniger Platz, es geht schneller – aber es ist unheimlich kompliziert.

Google forscht schon lange an Supercomputern – und eben auch an Quantencomputern. Der Konzern hat einen Sycamore getauften Quanten-Prozessor entwickelt. Damit ist den Forschern dieser Coup gelungen. Eine seriöse Sache, denn im Fachmagazin Nature wurde der Versuch jetzt ausführlich beschrieben.

Aber es gibt auch Skeptiker. IBM forscht auch an Supercomputern und meint, ein entsprechender gepimpter Supercomputer hätte die Aufgabe nicht in 10.000 Jahren, sondern in 2,5 Tagen gelöst. Das sei noch kein Beleg für eine Überlegenheit des Quantencomputers.

Ich finde: Doch. Denn 3:20 Minuten ist immer noch schneller als 2,5 Tage.

https://vimeo.com/368467396

Google-Chef Sundar Pichai schaut sich den Quantencomputer an.

Wer kann sich Quantencomputer leisten?

Interessant daran ist, dass wir vor einer enormen Weiterentwicklung stehen. Da kann man Hoffnungen dran knüpfen. Wer nämlich zum Beispiel komplexe Klimamodelle durchrechnen will, braucht enorme Rechenpower. Je mehr, desto besser – und umso präziser sind die errechneten Ergebnisse. Auch wenn sich die Trumps dieser Welt dann immer noch nicht davon überzeugen lassen…

Allerdings dürften Quantencomputer auch neue Phantasien bei Facebook, Google und Co. beflügeln. Bei allen, die das Big in Big Data gar nicht groß genug schreiben können. Ich bin sicher: Mark Zuckerberg überlegt in den Pausen der Befragung vor dem Kongress, was er mit so einem Quantencomputer alles anstellen könnte… Natürlich nur in unser aller Interesse.

Wir sollten also einen Blick darauf haben, wer sich solche Rechenpower in den Keller stellen kann – und zu welchem Zweck sie eingesetzt wird. Es wird aller höchste Zeit, dass es ethische Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz gibt.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Soweit ich es verstanden habe sind Quantencomputer nicht für alle Aufgaben geeignet und die Stärke von Quantencomputer liegt nicht in der künstlichen Intelligenz.
    Sondern, wenigstens am Anfang, in der Kryptographie.

    Sprich der letzte Satz in dem Artikel ist zwar korrekt nur für einen andere Sachverhalt.

    Interessanter im Zusammenhang mit Quantencomputer ist eher die Frage ob es ok ist das z.B. ein einzelner Staat sämtliche Inhalte (nicht nur die Metadaten) des Datenverkehrs im In- und Ausland mitlesen und auswerten darf.

  2. Also wenn ich eine künstliche Intelligenz wäre und man mich füttern würde mit der Frage ‘Was läuft falsch auf dem Planeten Erde?’, dann würde ich der Menschheit den Krieg erklären (oder sanft auf ihre Fehler hinweisen …) :)

  3. Immer dieser weichgespülte Digitalistan-Kram (sorry ;-)).
    Wie schön, Google hat einen Quantencomputer zum Laufen gebracht. Schade, dass nicht Microsoft, Apple oder Amazon die Ersten waren. Google hatte früher mal Charakter (Don‘t be evil). Mittlerweile empfinde ich das Unternehmen als extrem unterkühlt. Ich hoffe sehr, dass entweder a) Google seinem Image wieder mehr Sympathie verleiht oder b) Ein vornehmeres Unternehmen bei Quantencomputing die Führung übernimmt. Und c) wünsche ich mir von Digitalistan mehr kritische Auseinandersetzung. Aus meiner Sicht laufen die Schreiber derzeit blind und euphorisch jedem Google-Trend hinterher. Der EuGH ist gegen Cookies, Radar in der Hosentasche, Quantencomputer in Googles Hand —> „Ok!“. Nein, nicht ok. Die Grundlage der Artikel ist gut, aber mehr Meinung wäre gut!

    • Jörg Schieb am

      Interessanter Einwand. Vor allem, weil ich hier in Digitalistan stets SEHR kritisch berichte und einordne, zumindest nach meinem Eindruck. Hier in diesem Fall habe ich mal etwas Raum für das Bemerkenswerte in der Entwicklung gelassen, aber am Ende ja nun auch die entscheidende Frage gestellt: WER macht WAS mit dieser Power?

      • Ich lese Ihre Beiträge seit langem sehr gerne. Besonders kritisch fand ich diesen allerdings nicht. Die Kritik habe ich wahrgenommen (Facebook & Co.) aber sie war ein wenig zu seicht formuliert für meinen Geschmack. Die digitale Welt ist inzwischen im Alltag und in der Politik angekommen. Sie ist kein Phänomen von interessierten Menschen mehr (leider!). Also, hauen Sie drauf! (Natürlich nur verbal ;-))

  4. Satiriker am

    Künstliche Intelligenz finde ich extrem gut. Damit hat unsere verehrte Bundesregierung endlich auch eine Chance auf intelligente Entscheidungen. Ein Hoch auf die Technik und die Quantenphysik.

    • DollyToll am

      Na dann freut sich ja wohl auch ‘Larry’ mit seinem Aladin an der Grenze zu Kanada, wenn Merz Kanzler ist. Dann sind die ‘Dienstwege’ nicht mehr so weit und der Strom soll ja hierfür auch richtig billig sein!2

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