Spieglein, Spieglein: Amazons Echo kann jetzt auch gucken

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Spieglein, Spieglein: Amazons Echo kann jetzt auch gucken

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Als Amazon vor einer ganzen Weile einen Lautsprecher angekündigt hat, mit dem man sprechen kann, habe ich gedacht: So einen Quatsch will doch niemand haben. Ein Fehlurteil, wie sich zeigt. Mittlerweile wurden allein in den USA mehr als zehn Millionen Geräte verkauft. In zehn Millionen Haushalten steht also eine Wanze, die die NSA jederzeit zur Raumüberwachung nutzen kann… Aber die Leute sind happy damit. Amazons WLAN-Lautsprecher spielt Songs ab, merkt sich Termine, kann einkaufen, im Web nachschlagen und vieles andere mehr.

Amazon Echo Look: Spiegelersatz mit eingebautem Styling-Berater; Rechte: Amazon

Amazon Echo Look: Spiegelersatz mit eingebautem Styling-Berater

Eingebautes Display zeigt Bilder

Auch in meinem Büro steht mittlerweile ein Amazon Echo – zu Testzwecken, versteht sich. Aber ich muss einräumen: Alexa stellt sich gar nicht so dumm an. Was mir an Amazons Konzept gut gefällt, ist die Tatsache, dass man die Fähigkeiten von Alexa erweitern kann. Man kann Alexa Dinge beibringen – etwa, den Digitalistan-Blog vorzulesen oder die Beleuchtung einzuschalten. Das ist schon beeindruckend – und wischt die Bedenken, die man beim Einsatz solcher Technologien zweifellos haben muss und haben sollte, zeitweise beiseite.

Amazon nutzt den aktuellen Spin. Insidern zufolge kommt demnächst ein Alexa-Lautsprecher mit Display auf den Markt, damit man nicht nur hören kann, was Alexa einem zu sagen hat. Im eingebauten Display könnten dann Bilder gezeigt werden. Das kann natürlich durchaus praktisch sein. Nach dem Motto: „Die Mona Lisa hängt im Louvre – so sieht sie aus!“ Aber auch andere Dinge wären denkbar, etwa Video-Telefonie. Auch das Onlineshoppen könnte leichter werden, weil man nicht zum Rechner oder Tablet greifen müsste, um ein herausgesuchtes Produkt zu kaufen.

Kamera inside: Die NSA freut sich

Apropos Kaufen: Man sollte nicht vergessen, dass Amazon in erster Linie ein Supermarkt ist. Einkaufen ist alles. Deshalb hat Amazon Echo Look entwickelt – und vorgestellt. Ein Echo-Lautsprecher mit eingebauter Kamera. Die Kamera macht auf Wunsch Fotos oder dreht Videos – und die lassen sich speichern, verschicken oder live streamen. Im Promovideo von Amazon sieht man in erster Linie junge Frauen, die vor dem Kleiderschrank stehen und Echo Look als Spiegelersatz benutzen. Über Echo Look lässt sich die Freundin live mit Eindrücken von der gewählten Garderobe versorgen. Und ein KI-System berät auf Wunsch in Stylingfragen: Angesagt oder nicht – Alexa bezieht Stellung.

Die Idee ist zumindest nicht schlecht, muss ich sagen. Die Folgen können allerdings fatal sein. Denn wer schon Sorge hat, von Amazon Echo oder Amazon Echo Dot angehört zu werden – unmöglich zu sagen, ob das Gerät das gesprochene Wort im Raum vertraulich behandelt oder nicht, ständig zugehört wird auf jeden Fall –, bei Amazon Echo Look kommt auch noch die Kamera dazu. Man darf sicher sein, dass die NSA längst weiß, wie sie Mikro und Kamera aktiviert, wenn ihr danach ist. Eine Behörde ohne Gewissen hat da keine Gewissensbisse.

Amazon Echo: Schon in 10 Millionen US-Haushalten

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Wovor sollten wir Journalisten denn Angst haben? Gerade bei uns hier in Digitalistan gehen wir auch kritisch mit den Großen und der Branche insgesamt ins Gericht. Siehe „Schluss mit der Zerstörung, Airbnb“

  2. Habt Ihr „Journalisten“ eigentlich Angst vor Amazon? Der Konzern wird gerade extrem angegrffen und in den Medien liest man nichts?
    Seit mindestens einem halben Jahr existieren Fakeanbieter, die über gehackte oder neue Verkäuferkonten Ware zu verbilligten Preisen anbieten und dann das Geld direkt bei Amazon in Millionenhöhe abziehen. Seit einigen Wochen hat es extrem zugenommen, so dass Kunden kaum noch seriöse Angebote finden.

    Dann können Kunden Ihre Ware nicht kaufen, weil die Zahlung nicht funktioniert. Die Kunden werden dann zum Kauf von Amazon-Guthabenkarten in einem lokalen Geschäft genötigt, um dann bezahlen zu können.

    Alle diese Vorgänge sind auf den Amazonforen und auf der Facebookseite öffentlich einsehbar und nun schon sehr bekannt. Einfach mal in die Kommentare auf der FB-Seite schauen und staunen.

    Warum berichtet Ihr nicht darüber? Gerade jetzt, wo Amazon mit ihren Umsatzsteigerungen rum protzt, wäre das ein wirklich interesssantes Thema.

    Angst?

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