Edge wird eingestellt: Ein Problem!

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Edge wird eingestellt: Ein Problem!

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Microsoft ist einer der großen Player am Markt. Das von Bill Gates gegründete Unternehmen gehört zum Club der “Big Five”, also jenen Unternehmen, die die Geschicke im Internet maßgeblich steuern und lenken. Aber auch Microsofts Macht hat Grenzen. So muss Microsoft nun offensichtlich eingestehen, dass der hauseigene Browser Edge, der serienmäßig bei Windows 10 dabei ist und so jedem Windows-10-Nutzer automatisch zum Browsen im Netz angeboten wird, gescheitert ist. Microsoft will Edge fallen lassen, berichten Insider.

Microsoft bietet seinen Browser Edge für iOS und Android an; Rechte: Microsoft

Microsoft bietet seinen Browser Edge auch für iOS und Android an

Microsoft Edge ist gescheitert

Die Marktanteile von Edge bewegen sich im kaum messbaren Bereich. Kaum mehr als Opera, und das, obwohl Microsoft jedem Windows-10-Nutzer den Browser anbietet. Microsoft Edge gibt es bereits seit zwei Jahren und ist wirklich gelungen: Schnell, schlank, übersichtlich. Doch Microsoft ist es trotzdem nicht mal gelungen, den (ungeliebten) Vorgänger Internet Explorer aus der Statistik zu verdrängen. Die Leute können mit Edge offensichtlich nichts anfangen, browsen und surfen lieber mit anderen, bekannteren Browsern, vor allem mit Firefox und Chrome.

Und das liegt nicht nur – aber natürlich auch! – daran, dass immer mehr mobil gesurft wird. Wer kommt schon auf die Idee, auf seinem iPhone oder Android-Smartphone einen Browser von Microsoft zu installieren, nur damit man dasselbe Feeling hat wie auf dem Windows-10-Rechner? Jedenfalls definitiv deutlich weniger Menschen, als sich Microsoft das gewünscht hätte. Man muss es so deutlich sagen: Microsoft ist an dieser Stelle gescheitert. Und das in einer Zeit, in der Microsoft ansonsten beachtliche Erfolge vorweisen kann, vor allem im Cloud-Geschäft.

Marktanteile Internet-Browser; Rechte: browser-statistik.de

Marktanteile Internet-Browser: Edge weit abgeschlagen

Google übernimmt die Kontrolle im Web

Selbst ein Megakonzern wie Microsoft kann es sich aber nicht leisten, künstlich einen Browser am Leben zu halten, den keiner nutzt. Schließlich will die Software für diverse Plattformen gepflegt werden… Deshalb setzt Microsoft künftig – wie andere Browser-Hersteller auch – auf Chromium. Das ist der von Google entwickelte und als offene Lizenz freigegebene technische Unterbau, auf den unter anderem auch Googles Browser Chrome aufsetzt. Und andere Browser, etwa Opera. Vorteil für Microsoft: Die für das Anzeigen von Webseiten entwickelte Software (“Rendering Engine” genannt) ist automatisch immer auf dem neuesten Stand.

Klarer Nachteil: Die Macht von Google nimmt weiter zu. Google kontrolliert schon Android und nun mit Chromium auch noch die Browser-Konkurrenz.  Chrome hat sich längst zum populärsten Browser entwickelt. Nun steuert Chromium auf einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent zu. Eine Monokultur, die uns allen nicht gefallen kann. Eine derartige Dominanz hat sich noch nie bewährt: Sie bremst Innovationen, beschleunigt Malware und birgt jede Menge andere Risiken. Wer das nicht unterstützen möchte, hat nun also keine andere Wahl mehr als Firefox zu nutzen. Die einzige Alternative weit und breit.

https://vimeo.com/156724613

Mein Smartphone gehört mir? Keineswegs – in Zukunft noch weniger

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Na, wenn das mal keine (sofern sie denn stimmt?) Jubelmeldung und eine echte Win-Win-Situation ist; für MS und Google sowieso, aber auch für die Schnüffeldienste, die Reklameparasiten und die Trackinganbieter. Feierlaune!?

    Etwas Lektüre zur Erinnerung – wer eh “nix zu verbergen” hat, braucht ab hier auch nicht mehr weiterlesen ;) :
    – zu Win10:
    heise.de/newsticker/meldung/BSI-untersucht-Sicherheitseigenschaften-von-Windows-10-4227139.html
    – zu Google Chrome (vom angesehenen Professor für Kryptographie, Matthew Green):
    blog.cryptographyengineering.com/2018/09/23/why-im-leaving-chrome
    – aus eigener Erfahrung:
    Wenn Firefox, dann nur die ESR-Version und mit umfassenden Anpassungen in der about:config sowie mit diversen Add-ons. (Kleiner Tipp: Datei pingsender.exe umbenennen/löschen)
    Wenn Google Chrome/Chromium (der grundsätzlich ein sehr guter Browser ist, aber eben die Privatsphäre mit Füßen tritt), dann nur die “ungoogled-chromium”-Variante; die für Windows aktuell aber leider nicht mehr weiterentwickelt wird:
    github.com/Eloston/ungoogled-chromium
    Zur Zeit teste ich den Falkon-Browser (vormals Qupzilla). Nicht übel, aber, im direkten Vergleich zur Konkurrenz, doch recht langsam: falkon.org

    • Ich vergaß zu erwähnen, dass auch der Iridium-Browser ( iridiumbrowser.de ) eine sehr empfehlenswerte Google-Chrome-Alternative ist. Hinsichtlich Privatsphäre und Sicherheit, zwar nicht ganz so radikal bzw. aggressiv vorgehend, wie o. g. “ungoogled-chromium”, dafür werden aber auch hier Googles elementare Schnüffelfunktionen effektiv abgeschaltet, ohne die Funktionalität des Browsers einzuschränken.

  2. Und was machen die ganzen Unternehmen die ihren Browser über Gruppenrichtlinien Konfigurieren müssen?

  3. Justizknecht am

    MS soll an einem neuen Browser arbeiten, der auf Chromium basiert. Das ist schon annähernd ein Offenbarungseid…

  4. Selten hat mich eine Statistik so überrascht. Ich nutze nur Edge, weil er, ja genau, schnell und schlank und stabil ist. Tja, schade.

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