Ladegeräte-Wahnsinn: Schluss mit dem Müll!

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Ladegeräte-Wahnsinn: Schluss mit dem Müll!

Kommentare zum Artikel: 13

Ihr kennt das: Wer als Hightech-Fan seine Reisetasche packt, muss nicht nur Smartphones, Tablets, Digitalkameras, Action-Cams, Audio-Recorder und was weiß ich nicht noch alles in die Tasche werfen, sondern ebenso viele Stecker, Adapter und Kabel. Schließlich will das Digital-Equipment unterwegs auch angemessen aufgeladen werden. Da es aber so viele uneinheitliche Stecker, Kabel und Ladegeräte gibt, ist der Sack am Ende recht voll und schwer.

Geräte laden mit unterschiedlichen Steclern; Rechte: WDR/Schieb

Geräte laden mit unterschiedlichen Steckern: Damit soll bald Schluss sein

Schluss mit Müllbergen!

Nervig für uns User – und ein Albtraum für die Umwelt. Denn jedes Jahr landen endlose Tonnen Elektroschrott im Müll. Laut einer aktuellen Studie produzieren Ladegeräte rund 14.000 Tonnen Elektromüll jedes Jahr. Tendenz: steigend.

Wäre doch gut für die Umwelt und auch viel bequemer für uns, wenn es endlich einheitliche Ladestandards geben würde. Ein Ladegerät und von mir aus ein paar Adapterstecker – fertig. Aber so weit sind die Hersteller (noch) nicht. Viele kochen ihr eigenes Süppchen und wollen einfach nicht davon ablassen – wie Apple beim iPhone mit dem Lightning-Stecker. Beim neuen iPad ist es lobenswerterweise USB-C.

Klar: Wer sein eigenes Programm fährt, kann eine Menge verdienen mit Adaptern, Kabeln und Zubehör. Apple verdient sich damit nachgewiesenermaßen eine goldene Nase. Aber in Zeiten von Klimawandel und Nachhaltigkeit ist das eigentlich ein Affront, den allerdings bislang nur wenige Kunden so wahrnehmen. Umso erfreulicher, dass sich das EU-Parlament für einheitliche Ladetechnik in der EU einsetzt. Bis Ende Juli soll die EU-Kommission dazu verschärfte Vorschriften entwickeln. Die Sache kommt in Gang.

Auch eine Idee: Pfand aufs Smartphone – damit sorgsamer entsorgt wird

Apple bockt als einziger

Drei Standards sind derzeit üblich: USB-C, Micro-USB und Lightning. Drei sind zwar besser als ein Dutzend wie noch vor einigen Jahren – aber ein einheitlicher Standard ist natürlich besser. Dann könnten Kunden künftig sogar wählen, ob sie überhaupt ein Ladegerät haben wollen.

Wirklich protestieren hört man nur Apple: Einheitliche Standards könnten die “Innovationskraft behindern”. Damit ist wohl gemeint, dass man künftig weniger verdienen könnte … Innovationskraft? So ein Unsinn: Das meiste wird heute ohnehin per Bluetooth angebunden. Und mit USB-C lässt sich so ziemlich alles laden, verbinden und betreiben.

Es wird wirklich Zeit, dass wir handeln. Wir sollten als Konsumenten die Hersteller dazu auffordern, da mitzumachen.

Cosmotech Podcast über die Techwerfgesellschaft; Rechte: WDR

Cosmotech Podcast über die Wegwerfgesellschaft

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. OFF_LEINER am

    “Ihr” kennt das?
    Nun: ICH kenne das NICHT – und ich schätze mich wirklich glücklich, DASS ich – als ein FREIER Mensch – das nicht kenne! :-)
    Ich habe mich dem Digitalisierungswahn und der Digitalisierungshysterie von Beginn an schlicht entzogen und bin ein FREIER Mensch geblieben:
    Von vornherein BEWUSST KEIN Smartphone (besser: Suchtphone), sondern BEWUSST nur ein Handy für 50 Euro OHNE Internet-und OHNE Kamerafunktion, und ebenso BEWUSST NICHTS von dem anderen Tand, der im Eingangssatz des Artikels erwähnt wird.
    Und auch mein reduziertes Handy ist NUR eingeschaltet, wenn ich auf Reisen oder beim Lauftraining bin, denn zum Herbeirufen von Hilfe bei eventuellen Notfällen ist es wirklich sinnvoll.
    Tablet? Ja, habe ich tatsächlich auch, aber BEWUSST ohne SIM-Karte und nur auf Geschäftsreisen überhaupt in Betrieb – und auch dann nur zeitweise.
    Für Urlaubsreisen habe ich mir angewöhnt, WEDER das kleine Handy NOCH das Tablet überhaupt mitzunehmen: Ich bin dann halt ÜBERHAUPT nicht erreichbar und sage das vorher allen, die es wissen müssen.
    Digitalkamera? Ja, habe ich mir irgendwann mal angeschafft, setze sie aber mit Bedacht und Bewußtsein ein, daher weiß ich vorher, wann ich sie aufladen sollte und wie lange das vorhalten muß,
    Und schon gar nicht muß ich irgendetwas davon Tag und Nacht mit mir herumschleppen. Was Jörg Schieb “Hightech-Fan” nennt, sind nach meiner Wahrnehmung arme Tröpfe, nämlich SUCHTKRANKE…

    Und was soll ich Euch und Ihnen sagen?
    Sich von vornherein mit NICHTS von diesem ganzen Sch… zu belasten funktioniert ganz hervorragend – ich vermisse nichts und habe auch nie etwas von dem vermißt, was Jörg Schieb da aufzählt, und so bin ich völlig UNBELASTET mit all’ diesem überflüssigen, schädlichen und suchterzeugenden Mist, den niemand wirklich braucht außer denen, die damit auf Kosten der sog. “Nutzer” (in Wahrheit: BENUTZTE) Profit machen.

    Mit anderen Worten: WENIGER IST MEHR, und nur, wer diesen ganzen Tand und Tinnef nicht anschafft oder sich besinnt und sich seiner entledigt, ist (wieder) FREI! :-)

  2. Manchmal versteh ich die Rants hier nicht.
    Das war schon neulich beim Windows-7-Supportauslauf so (warum sollte ein Betriebssystem, das nun 10 Jahre lang unterstützt wurde, heute immer noch kostenlos gegen den Nachfolger getauscht werden kann, und auf neuerer Hardware ohnehin nicht mehr laufen will, immer noch gepflegt werden? Der Entwicklungsaufwand wird ja nicht weniger, denn das Wissen der damals involvierten Mitarbeiter wandert ab). Jetzt aber noch mehr.

    Wir sind in einer Situation, wo real hauptsächlich Netzteile mit USB-Buchse und entsprechende Kabel verteilt werden. Die Kabel verschleißen schnell genug und man braucht auch welche fürs Auto etc., also hat man da ohnehin stets zu wenige. Nach einem Steckersystemwechsel (z.B. USB-micro-B auf USB-C) gilt das bei mir weiter, denn die alten Geräte werden entweder verkauft oder anderweitig genutzt.
    Und USB-Netzteile habe ich auch schon eher nachgekauft als übrig: 2 oder 3 zu Hause, eins bei den Eltern, eins im Koffer, eins auf der Arbeit…
    Aber okay, ich kaufe auch nur neue Geräte, wenn’s nötig wird. Wenn einer da maßlos ist, stapelt sich halt auch das Zubehör. Das hat man, wie so oft, selber in der Hand.

  3. P. Gedoehns am

    Wem es wirklich um Elektroschrott und Umwelt geht, sollte sich einmal fragen was er wirklich braucht und wie oft er glaubt, neue Geräte kaufen zu müssen. Oft genug höre ich, dass Smartphones nach nur drei Jahren ausgetauscht werden. Wofür eigentlich? Um sinnlose Bildchen und Sprüche empfangen und weiterleiten zu können, damit Daten erfasst und Bewegungsprofile besser erstellt werden können?
    Mit einem PC, einem Festnetztelefon und einer guten Digitalkamera komme ich jedenfalls sehr gut klar. Für den Urlaub habe ich ein Laptop und ein betagtes Handy, mit dem ich telefonieren kann. Im Alltag ist dieses Handy kein ständiger Begleiter mit Suchtpotenzial.
    Niemals würde ich grün wählen, bin aber durch mein bewusstes Konsumverhalten vermulich mehr “öko”, als viele ideologische Klimajünger.

    • >> sollte sich einmal fragen was er wirklich braucht

      In der Tat ein Smartphone ersetzt bei mir locker den MP3-Spieler, das Festnetztelefon, die Digitalkamera, das Handy, das Navigationssystem (Auto, Fahrrad und zu Fuß), den Personal-Assistent (PDA) und den Laptop, um z.B. unterwegs mal eine E-Mail zu lesen. Hardliner ersetzen auch noch Ihren PC mit dem Smartphone, soweit bin ich aber noch nicht gegangen.

      Und das ganze geht unterwegs auch prima offline, mit Ausnahme natürlich der E-Mail oder um mal Informationen im Web aufzurufen.

      Somit wurde alleine durch Nichtanschaffung so manch anderer Gadgets jede Menge Elektroschrott vermieden.

      • OFF_LEINER am

        @Matt 2.2.20, 17:58 Uhr:
        Anregungen, wie Sie noch mehr Elektroschrott vermeiden können und max. 2 (i.W.: zwei) Ladekabel benötigen, können Sie gern meinem obigem Kommentar entnehmen (3.2., 7:46 Uhr)!

        • Man kann sich auch komplett aus dem Leben zurückziehen und in einer Höhle hausen, dann spart man noch mehr Konsummüll.

          Mit Verlaub, aber solche Tipps sind vielleicht für einen minimalen (minimalistischen) Bruchteil der Gesellschaft interessant. Ich hinterfrage ja auch jede Anschaffung (zugegeben mehr aus Geiz) und lasse mir nicht die Zeit stehlen von den Dingern, aber der Nutzwert ist eben gegeben. Navigation, Standortweitermeldung an Bekannte, kurzer Preisvergleich, etwas per Bild zeigen statt umständlich zu erklären, Gruppenmitteilungen… geht einfach besser und schneller. (Außer man hat keine Freunde, dann entfällt das natürlich.) Und wer nervt, wird geblockt.

          • OFF_LEINER am

            @RGTech:
            Mit Verlaub – finden Sie es nicht selbst absolut entlarvend, eine Digitalwahn-Abstinenz und Suchtmittelablehnung mit dem Wunsch nach Rückkehr in Höhlen und der Abwesenheit eines Freundeskreises gleichzusetzen?
            Wo doch das genaue Gegenteil der Fall ist, denn gerade (nur?) Menschen wie ich schätzen noch das wirklich lebendige Leben mit wirklich lebendigen, echten Menschen..
            Gleichfalls entlarvend finde ich es, “schneller” mit “besser” gleichzusetzen und Bilder gesprochener oder geschriebener Sprache mit ihren Präzisierungsmöglichkeiten vorzuziehen.
            Und ein Letztes: Navigationsapparate brauche ich auch nicht, weil ich mir auch das Privatauto schon vor 20 Jahren vom Hals geschafft habe.
            Fahrrad- und Wanderrouten oder Städtetouren erschließe ich mir mit richtigen Karten und Stadtplänen aus richtigem Papier, aber vor allem mit eigenem DENKEN!
            Schöne Grüße
            DER OFF_LEINER (das ist einer, der nicht an der OnLEINE hängt!

          • @OFF_LEINER am 04.02.2020 10:08

            Sprache mit Präzisierungsmöglichkeiten, da lach ich ja. Haben Sie schon mal mit einem Franzosen am Telefon diskutiert und versucht herauszufinden, wo der gerade herumirrt, wenn er sich nicht auskennt? Standort senden, Foto von dem was er sieht -> schwupps war’s klar.
            Kartennavigation funktioniert, wenn nichts vom Plan abweicht (Sperrungen, veraltete Karten). Papier ist außerdem gern mal unpraktisch. Aber wer nur zur Freizeit durch die Gegend gondelt und keine Termine hat, kann sich das vielleicht leisten.
            Egal, gegen Dogmatiker ist kein Ankommen – wer sich vehement gegen alle Argumente sperrt und eh alles besser weiß, soll dabei bleiben. Man kann sich sein Leben auch schönreden.

            Gute Nacht.

  4. So schlimm wie vor 15 Jahren ist es nicht mehr. Damals waren die Stecker für jedes Gerät unterschiedlich (gerne Hohlstecker in unterschiedlichsten Größen) und das Kabel zum Ladegerät mit diesem fest verbunden. Heute werden überwiegend Netzteile mit USB-A-Buchse verteilt und nur die Kabel sind unterschiedlich. Selbst ein aktiver USB-Hub kann problemlos als Ladegerät dienen.

    Meine Mobiltelephone lade ich alle mit dem gleichen Netzteil mit mehreren USB-A-Buchsen, an dem dann Kabel mit unterschiedlichen Anschlüssen hängen. Auch ein Lightning ist dabei – das Apple-Netzteil ist mit lediglich 1A ohnehin lächerlich schwach.

    • Solange bei jedem neuen Gerät was ich kaufe auch ein neues Lagegerät dabei ist ändert sich doch gar nichts. Egal wie der Stecker aussieht. Dann habe ich halt 30 Ladegeräte zu Hause im Schrank.

  5. Richtige Stoßrichtung!
    Aber Apple wird dann halt in Zukunft einfach nur noch induktives Laden einbauen, dessen Effizienz ja bekanntermaßen nicht sonderlich hoch ist…

  6. Ein wirklich standardisiertes Ladegerät hätte noch einen weiteren Vorteil.

    Man, ich jedenfalls, vergisst gerne sein Ladegerät in Domizilen wo man übernachtet.

    Sind alle Ladegeräte kompatibel dann kann man in der nächsten Unterkunft den Gastgeber fragen ob er vielleicht ein vergessenes Ladegerät hat. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch das dem so ist.

    Das wäre doch pragmatische Kreislaufwirtschaft ;-) .

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