Ein Pixi-Buch wirbt für das umstrittene Adblock Plus

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Ein Pixi-Buch wirbt für das umstrittene Adblock Plus

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In der Stadt gibt es einen neuen Zoo. Zusammen mit Mama und Papa schauen Lina und Anton am Computer nach den Öffnungszeiten. Doch ein Werbebanner verdeckt alle Infos. “Ich gucke besser auf meinem Laptop nach”, sagt Mama. “Ich habe einen Werbeblocker.” Papa ist entsetzt, denn er verdient sein Geld mit Werbung im Internet. “Es gibt auch gute Werbung”, sagt Mama. “Aber ein Bild, das alles verdeckt, ist nervig.”

“Lina und Anton entdecken die Internet-Werbung” ist ein Pixi-Buch, das mir zuletzt in die Hände fiel – eine Werbeausgabe der Bilderbuchreihe. Bezahlt wurde sie von der Firma Eyeo, die hinter dem Werbeblocker Adblock Plus steht. Sie hatte das Buch als Giveaway für die Fachmesse DMEXCO in Auftrag gegeben.

Das Buch ist zwar schon etwas älter. Es stammt aus dem Jahr 2015, als über Eyeo und Adblock Plus erhitzt diskutiert wurde. Wie so viele Pixi-Bücher ist es aber nach wie vor im Umlauf: Die Bücher werden weitergereicht, verschenkt, für ein paar Cent verkauft. Und Adblock Plus darf man nach wie vor kritisch sehen, vor allem wegen seines Systems der “akzeptablen Werbung”: Werbung, die Eyeo als “unaufdringlich” bewertet (“Es gibt auch gute Werbung!”), wird von Adblock Plus nicht blockiert. Dafür lässt sich Eyeo von größeren Website-Betreibern bezahlen.

Pixi-Buch

Der Werbehinweis auf der letzten Seite: Adblock Plus, das “wie in der Geschichte beschrieben deinen Computer vor störender Werbung schützt”, könne man sich auch direkt kostenlos runterladen.

Dieses System brachte der Firma den Vorwurf mafiöser Strukturen ein. Ihr Gründer weist das zurück. Auch Gerichte nannten das Vorgehen aber “in hohem Maße bedenklich” und eine “unzulässige aggressive Praktik” – auch wenn die Firma in den Urteilen immer wieder durchkam. Für Websitebetreiber, die mit Onlinewerbung Geld verdienen, ist Adblock Plus außerdem ein Problem. Viele sperren die Nutzer des Werbeblockers mittlerweile aus. Die Nutzer wiederum bleiben Adblock Plus treu – so umstritten der Werbeblocker auch sein mag.

Mit dem Buch wolle man “die Absurdität von Online-Werbung verdeutlichen”, heißt es von Eyeo. Es sei für Erwachsene gedacht, und “sicherlich hätte es wenig Sinn gemacht, in einem solchen kleinen Buch, das nur über eine begrenzte Anzahl an Seiten verfügt, auf alle in der Werbewirtschaft relevanten Perspektiven einzugehen”.

Dass es sich um ein Werbebuch handelt, ist ihm von außen aber nicht anzusehen. Dass es vor allem für Erwachsene gedacht ist, genauso wenig. Der Carlsen-Verlag hat damit offenbar keine Probleme. Eine Sprecherin schrieb mir, die Geschichte sei mit Eyeo entwickelt worden – und: “Sie können davon ausgehen, dass der Inhalt dem Interesse des Kunden nicht entgegensteht.”

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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