Eine neue Corona-App wird auch nicht alle Probleme lösen

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Eine neue Corona-App wird auch nicht alle Probleme lösen

Kommentare zum Artikel: 11

Um die Corona-Warn-App ist es sehr leise und sehr laut geworden. Sehr leise, weil die Politik die App offenbar abgeschrieben hat. Sehr laut, weil die Kritik an ihr nicht abreißt und Menschen sogar darüber nachdenken, sie einfach wieder zu löschen.

Stattdessen soll es bald eine neue App richten. Wahlweise zur Kontaktverfolgung oder als Impfnachweis – je nachdem, wen man in der Politik so fragt. Einer der heißen Kandidaten jedenfalls ist die Luca-App mit ihrem Markenbotschafter Smudo – zu der es aber auch eine ganze Reihe an Kritikpunkten zu Datenschutz und fehlender Transparenz gibt.

Mich irritiert das. Mich irritiert zum Beispiel, dass die Corona-Warn-App zum Flop erklärt wird. Und ich frage mich, auf Basis welcher Zahlen das geschieht. Denn es gibt keine, aus denen ich mir zutrauen würde, die Wirksamkeit aufs Infektionsgeschehen zuverlässig einzuschätzen. Das liegt am Datenschutz. Vielleicht liegt es auch am Datenschutz, dass die App das Vertrauen von 25,7 Millionen Nutzern geweckt hat, die sie bisher runtergeladen haben. Ein Nachteil jedenfalls ist: Wir können bisher nicht bewerten, wie sie wirkt.

Das Robert-Koch-Institut ruft Nutzer der Corona-Warn-App erst seit dem letzten Update zu einer Datenspende auf, um so zu Erkenntnissen zu kommen. Und das ist ein Problem: dass Deutsche Telekom und SAP viel Geld kassiert, die App aber nur im Schneckentempo weiterentwickelt haben. Dazu kommt die katastrophale Kommunikation rund um Fehler und verwirrende Angaben in der App kurz nach ihrer Veröffentlichung.

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Corona-Bekämpfung zu bürokratisch – WDR 5 Politikum

Auch, wenn eine neue App einiges besser machen sollte: Sie trifft am Ende noch immer auf ein zutiefst analoges Land. Sie trifft auf Gesundheitsämter, die immer noch immer Faxe verschicken. Und auf Behörden, die zu wenig Personal für diese Pandemie haben.

Wer erwartet, dass wir nur „die richtige App“ brauchen, dass sich nun einfach 83,02 Millionen Deutsche die Luca-App oder eine andere installieren müssten, die es „endlich richtig macht“, der hat eher ein Problem mit seiner Erwartungshaltung. Denn jede App ist nur so gut wie das Umfeld, in dem sie funktionieren soll – und dieses Umfeld ist in Deutschland nun einmal kein gutes.

Keine App kommt gegen eine Pandemie an, in der sich Menschen nicht an die AHA-Regeln halten, in der Bundesländer die Absprachen der Ministerpräsidentenkonferenz ignorieren und in dem über Jahrzehnte die Digitalisierung unterdrückt wurde. Eine neue Corona-App wird auch nicht alle Probleme lösen. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems wäre ein Schritt. Aber bis dahin ist diese Pandemie vorbei.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Digitalexperte in der ARD. Für Tagesschau und Morgenmagazin ordnet er die Entwicklungen in der digitalen Welt ein - und in Digitalistan bloggt er seit vielen Jahren darüber.

11 Kommentare

  1. Heimdall am

    Entschuldigen Sie bitte die rel. spaete Antwort, ich war gestern anderweitig beschaeftigt.
    Zu der Sendung: Nein, habe ich leider nicht, war im ‚linearen‘ TV, und ausserdem schon zu lange her, als dass ich den Titel noch wuesste, tut mir leid.
    Zum Verlust der Karte(en): Sie schrieben es schon: es kommt (auch) darauf auf an, wann man den Verlust bemerkt, und wie ‚flexibel‘ (in mehrfacher Hinsicht) der Finder ist.
    P.s.: Ich waere beim Verlust der wenigen, ‚absolut noetigen‘ Karten (Perso, Bankk., Vers.-Karte, GENERELL beunruhigt ;-) )

    • OK, trotzdem Danke für Ihre Mühe. Das Thema ist ausdiskutiert und war ja auch nur auf rein hypothetischer Basis. ;-)

  2. Dietmar Münker am

    Dass die Corona Warn App letztendlich wegen der Benutzer selbst nicht funktioniert, zeigt die App ja selber an. Seit einiger Zeit werden ja die Infektionsentwicklung und die Zahl der Einträge in der App aufgezählt. Ergebnis war: Keine 10% der Neuinfizierten hatten dies über die App gemeldet. Dazu brauche ich keine App auf meinem Smartphone, die mir sagt, ich sei nicht gefährdet. Da kann ich auch morgens meine persönliche Gefährdungsbeurteilung mit einem Würfel bestimmen.

  3. Die Frage kann doch nur lauten: Welches System wird bereits vom Großteil der Bevölkerung genutzt, ist akzeptiert und etabliert und ist unabhängig von störenden Systemanforderungen an Hardware oder an ein Herstellerbetriebssystem und erreicht auch die Millionen, die gar kein Smartphone haben und ist vor allem schnell umzusetzen?
    Was hat, nutzt und braucht denn wirklich nahezu fast jeder (vom Arbeiter bis zum Rentner bis hin zum Schutzsuchenden [d/w/m]) um eine ärtztliche Leistung in Anspruch zu nehmen?
    Richtig, die „olle“ Krankenversicherungskarte mit Chip, Lichtbild (zur Direktidentifikation) und Lesegerätanbindung. So ein Lesegerät kostet keine 300 Euro (damit sogar für einen Kiosk oder Gemüseladen erschwinglich), ist recht schnell installiert und damit an Krankenkassen und Gesundheitsämter angebunden. Z.B. beim Friseur: Bei Eintritt, Karte rein ins Terminal, dann Haare schneiden lassen, Karte wieder rein, bei Austritt. Dank Lichtbild und Chip, wäre es auch vorbei mit Donald Duck u.ä.. Rein-raus-Tschüss! Und das für sämtliche Läden/Betriebe/Veranstaltungen (Gastro, Hotel, Einzelhandel, Konzerte, Verkehrsmittel etc.). Na klar, bietet auch das keinen 100%igen Schutz, aber das bietet auch bislang keine einzige App, auch nicht in Kombination. Und die z.B. mit 100 Leuten im Wäldchen ihre Raveparty machen, wird auch weiterhin kein System erfassen und nachverfolgen können. Aber man hätte doch relativ schnell ein längst erprobtes Instrument im flächendeckenden Einsatz, was die Zahl der beschriebenen 25,7 Millionen (mal mehr, mal weniger) halbherzig CWA-Nutzenden, schlagartig um Millionen verifizierbare/nachvollziehbare Kontakte ergänzen könnte.
    Nur so ein Gedanke eines Pragmatikers. ;-)

    • Das klingt zu gut und zu einfach, um wahr / umsetzbar zu sein ;) Aber ich entdecke grad keinen Grund, der dagegen sprechen würde!

      • Heimdall am

        Ich schon! Und zwar beschleicht mich ein ungutes Gefuehl, bei dem Gedanken, dass jeder ‚Hinz und Kunz‘ ein Lesegeraet fuer sensible Daten stehen hat, und man beim ‚Kiosk umme Ecke‘ nicht kontrollieren kann, ob das Geraet manipuliert ist. Bevor mir Paranoia unterstellt wird: es gibt ja wohl schon mehr als einen Fall von ‚Identitaetsdiebstahl‘, sowie Leistungserschleichung mit gefaelschten Dokumenten (Vers.-Karten, Personalausw., Bankkarte), und bei dem Gedanken, Bankgeschaefte beim Einzelhaendler nebenan zu taetigen, auch wenn es nur Geldabheben in def. Grenzen ist, beschleicht mich ein ungutes ein ungutes Gefuehl.
        Ein weiterer Punkt: je weiter sich (ganz allgemein betrachtet) eine Technologie, Nutzungsmoeglichkeit verbreitet, umso groesser die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand findet, der sie missbraucht, und/oder Luecken findet.
        Und noch etwas: Wenn ’sogar‘ Banken nur das wirklich absolut notwendigste Minimum an Sicherheit einsetzen, und lange Zeit das ‚Nutzungsrisiko‘ auf den Kunden abgewaelzt haben (teilw. zu Recht (PIN auf Karte notiert :-/ )), werde ich nicht jedem neuen ‚Der Sch…. ist heiss‘ hinterrennen.
        Vom Problem des ‚Datenreichtjn und den damit verb. Fragen gar nicht mal angefangen….

        • @“Heimdall“:
          Auf meiner Gesundheitskarte sind folgende Daten gespeichert: Vor- und Nachname, Geschlecht, Geburtsdatum, Adresse, Versichertennummer, Versichertenstatus (selbst/beitragsfrei), Versicherungsbeginn, Krankenkassename -und Nummer. Die ersten vier genannten, bekommt nahezu jede/r Werbetreibende auf Wunsch schon heute von meinem Einwohnermeldeamt übermittelt. Selbst wenn ich die Karte verliere, was will jemand groß damit anfangen, der nicht so aussieht, wie ich (Lichtbild!)? Gebe Ihnen aber durchaus recht, sobald denn irgendwann meine Krankengeschichte (freiwillig!) darauf gespeichert sein sollte.
          Wenn ich meine Bankkarte verliere, sieht das tatsächlich schon ein wenig anders aus. Die ist sogar schon gefährlich, wenn mir auf der Rolltreppe jemand ein Lesegerät an den Hintern hält und „’n büschen“ was kontaktlos abbucht. ;-)

          • Heimdall am

            „Selbst wenn ich die Karte verliere, was will jemand groß damit anfangen, der nicht so aussieht, wie ich (Lichtbild!)? Gebe Ihnen aber durchaus recht, sobald denn irgendwann meine Krankengeschichte (freiwillig!) darauf gespeichert sein sollte.“

            Es gab vor einigen Jahren schon (ich galube sogar im WDR ;-) ) eine Reportage ueber Missbrauch von Vers.-Karten. Dort wurde auch (in mehreren Praxen) die Probe gemacht, wie haeufig das ‚Lichtbild‘ verglichen werd. Das Ergebnis war wenig vertrauenserweckend.
            Ausserdem hat man heute, der allgm. Verbreitung digitaler Geraete sei Dank, die Moeglichkeit, problemlos Kartendaten auf einen leeren Rohling zu kopieren, mit einem beliebigen Photo zu versehen (ist natuerlich alles andere als ‚mal eben so zu machen‘) und diese dann fuer Missbrauch zu nutzen. Wenn man dann noch in entsprechende Praxen geht (entweder, weil man dort, des ‚Umsatzes‘ willens, es nicht so genau nimmt, oder weil es dort, aufgrund hohem Betriebsaufkommens, etwas hektischer zugeht; ausserdem ist sicherlich nicht MTA in der Lage, oder gar willens, die Karte auf Echtheit zu pruefen).
            Wie gesagt, in genannter Reportage wurde darueber berichtet, im Zusammenhang mit dem ‚Sicherheits-Feature Lichtbild‘!

          • Ich verstehe Sie ja! ;) Es gibt sicher nicht DEN Königsweg, der allen gerecht wird. Es gilt halt abzuwägen, was häufiger/gefährlicher ist: Erschleichen einer Krankenkassenleistung per gefälschter Versichertenkarte (kommt wie oft, durch welche speziellen Personengruppen verursacht und in welcher Schadenhöhe vor?) oder Betrug mit Bankkarten (kommt m.E. erheblich häufiger und in immenser Schadenhöhe vor)?
            Wie groß und unterschiedlich mag die Wahrscheinlichkeit sein, einem Kredikartenbetrug oder einem Krankenversichertenkartenbetrug zum Opfer zu fallen?
            Ich würde Blut und Wasser schwitzen, wenn ich erst nach einer Woche den Verlust meiner Bankkarte bemerken/melden würde. Bei Verlust meiner KV-Karte, wäre ich wesentlich beruhigter. Nach Verlustmeldung bei meiner KK und dem telefonischen Abgleich mit meinen tatächlichen Behandlungen, würde der Schwindel eh auffliegen und für den Fälscher wäre das Ding umgehend wertlos, weil man mir eine neue Versichertennummer vergibt und die alte sperrt.
            P.S. Haben Sie zufällig einen Link zur o.g. WDR-Reportage parat?

          • Heimdall am

            @Dino, Admin:
            Irgendwie finde ich keine Moeglichkeit, direkt auf die letzten Kommentare/Antworten zu antworten, weshalb meine Antwort auf Ihre Frage als neuer ‚Faden‘ ganz oben steht. Vllt. kann ja der Admin den Beitrag an die richtige Stelle verschieben. (Vllt. liegt’s aber auch daran, dass ich JavaScript deaktiviert habe :-/ )

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