Emojis gab es auch 1893 schon – da hießen sie noch Setzerscherze

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Emojis gab es auch 1893 schon – da hießen sie noch Setzerscherze

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Scott E. Fahlman hat einmal gesagt: “Lieber wäre ich für meine Forschung berühmt.” Eigentlich sind künstliche Intelligenz, neuronale Netze und Spracherkennung Fahlmans Fachgebiete. Es waren dann aber drei Satzzeichen, die den Informatik-Professor der Carnegie Mellon University 1982 berühmt gemacht haben: ein Doppelpunkt, ein Minuszeichen und eine Klammer. :-) und :-( nämlich – das Emoticon.

Mit dem ASCII-Zeichensatz entstand eine ganze Reihe weiterer Emoticons – vom ;-) fürs Augenzwinkern über :'( für Trauer bis zum :-O für Erstaunen. Aus Japan kamen dann noch ausgefeiltere Ideen, für die man nicht einmal mehr den Kopf zur Seite neigen musste. Neben dem (^_^) fürs Lachen und dem \o/ für Jubel war das wohl vor allem der Shruggie, der mit seinem ¯\_(ツ)_/¯ nichts anderes sagt als: keine Ahnung.

Emojis, wie wir sie heute vor allem vom Smartphone kennen, sind Teil unserer Schriftsprache geworden. Und oft wirkt es so, als gäbe es sie erst, seit wir Computer haben und Menschen wie Scott E. Fahlman auf die Idee gekommen sind, kreativ mit der Tastatur umzugehen. Die Idee ist aber tatsächlich schon viel älter: Schon im 19. Jahrhundert hatten Setzer die Idee, mit Satzzeichen Gesichter zu zaubern.

Smartphone-Display mit Emojis

World Emoji Day – ein Hoch auf die momentan rund 2.800 Emojis, die wirklich jedes Wort überflüssig machen.

“Als ein Beispiel, wie man aus einfachen Linien und Klammern das Bild eines menschlichen Gesichtes herstellen und dieser Physiognomie sogar verschiedenen Ausdruck verleihen kann, mag das folgende Letterngemälde dienen”, hieß es am 2. September 1893 im Kreisblatt für den Kreis Malmedy. Die Grafik verdanke “der Muße und guten Laune des Mitgliedes der Typographiegilde sein Entstehen.”

Das US-Satiremagazin Puck hatte diese Idee sogar schon ein paar Jahre vorher: Die Drucker des Magazins machten 1881 mit Emoticons darauf aufmerksam, dass sie sich von den hauseigenen Comiczeichnern nicht vorführen lassen. Und die Deutsche Postzeitung veröffentlichte 1896 eine Liste mit “telegrafischer Zeichenkunst”.

Heute würde man sagen: Kunst ist immer auch Diebstahl. Jede Idee kommt wieder, als Remix, in neuem Kontext, in anderen Medien. Da machen Emojis keine Ausnahme.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

6 Kommentare

  1. Hieroglyph am

    “Und oft wirkt es so, als gäbe es sie erst, seit wir Computer haben…”:
    Nein, tut es nicht.
    Schon vor längerer Zeit stellte der SPIEGEL aus Emojis gebildete Texte altägyptischen Hieroglyphen gegenüber:
    Die Ähnlichkeit war wahrhaft verblüffend.
    Vielleicht ein weiterer Hinweis darauf, daß die “Durchdigitalisierung” aller Lebensbereiche in Wahrheit überhaupt kein Fortschritt ist, , sondern eine kulturelle Rückentwicklung mit sich bringt – von Verblödungs- und anderen Gefahren für unsere physische , geistige und psychische Gesundheit und für unsere Demokratie ganz abgesehen (vgl. auch den neuesten Titel von Manfred Spitzer, Die Smartphone-Epidemie)

    • Dennis Horn am

      @Hieroglyph: Bücher von Manfred Spitzer stellen ebenfalls eine Gefahr dar, da sie wissenschaftliche Fakten vortäuschen, wo es in vielen Fällen keine gibt. Ich empfehle den sehr guten Artikel der Süddeutschen Zeitung über Spitzer, den Sie unter https://www.sueddeutsche.de/leben/buchautor-manfred-spitzer-ueber-einen-der-aus-aengsten-geld-macht-1.3965193 finden, und möchte mit Verweis auf die Blogregeln darum bitten, in der Diskussion beim Thema des Blogartikels zu bleiben.

      • Hieroglyph am

        @Dennis Horn: Ja, ich weiß, Spitzer ist umstritten, aber deswegen muß er ja nicht unrecht haben; außerdem gibt es viele andere Wissenschaftlicher und Ärzte, die derselben Meinung sind (Harald Welzer, Bert te Wildt, Alexander Markowetz uvam.).
        Zum Thema des Artikels: Auch Spitzer-Bashing ändert ja nichts daran, daß man die Emoji-“Sprache” durchaus als kulturellen Rückschritt ansehen kann, zusammen mit einer schrecklichen sprachlichen Reduzierung und Regression und Verödung der Sprache durch die SMS-, WhatsAppö- und Twitter-“Sprache” . . . :-((

        • Dennis Horn am

          @Hieroglyph: Man kann die sprachliche Einbindung von Emojis durchaus als kulturellen Rückschritt ansehen. Ich würde dagegen halten, weil Emojis im Sinne “emotionaler Fußnoten” die Sprache aus meiner Sicht auch bereichern. Aber das anders zu sehen, ist legitim.

          Ich weiß halt nur nicht, ob es sinnvoll ist, in dieser Diskussion mit Schlagworten wie “Verblödung” zu hantieren und jemanden anzuführen, der sich nur einen wissenschaftlichen Deckmantel gibt. Alexander Markowetz und Bert te Wildt zum Beispiel sind in ihren Aussagen wesentlich differenzierter.

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