ePrivacy: Cookies sollen diskreter werden

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ePrivacy: Cookies sollen diskreter werden

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Es ist geschafft: Nach langem Hickhack hat das EU-Parlament die E-Privacy-Verordnung verabschiedet. Jetzt müssen die Mitgliedsstaaten daraus nur noch geltendes Recht machen. Es wird also noch etwas dauern, bis die neuen Regeln fürs Netz bei uns ankommen. Aber so viel kann man jetzt schon sagen: Wir EU-Bürger sind künftig besser gegen Trackingtechniken der Werbeindustrie geschützt. Gleichzeitig hat sich das EU-Parlament für verschlüsselte Kommunikation stark gemacht. Außerdem darf es keine „Backdoors“ geben, also Hintertüren in Software – nicht mal im Interesse der „nationalen Sicherheit“. Erstaunlich klare Ansagen, die manche von einem „Etappensieg für den Datenschutz“ sprechen lassen.

Frau vor Daten; Rechte: Pixabay

Mehr Privatsphäre im Netz: Die ePrivacy-Verordnung sorgt für mehr Diskretion

Weniger machtvolle Cookies

Eins der wesentlichen Ziele der Verordnung: Die von Webseitenbetreibern, Onlineshops und vor allem der Werbeindustrie eingesetzten Cookies sollen künftig besser die Privatsphäre achten. Es soll weniger spioniert werden, vor allem weniger „hinter der Bühne“. Die Prozesse sollen für die Bürger transparenter werden. Da es nicht die Cookies selbst sind, die das Problem darstellen: Die Werbeindustrie braucht künftig unsere ausdrückliche Zustimmung, um die Daten verarbeiten zu dürfen. Das bedeutet: Mehr informationelle Selbstbestimmung, aber auch mehr Aufwand bei allen, die im Web Angebote betreiben. Außerdem dürfen wir nicht (mehr) ausgesperrt werden, wenn wir der Datenverarbeitung widersprechen.

Das vergleichsweise klare Ergebnis der Abstimmung im EU-Parlament kommt überraschend, da die Lobby der datenverarbeitenden Industrie in den letzten Wochen und Monaten Sturm gegen die Pläne gelaufen ist. Die Interessenvertreter haben jede Menge Druck aufgebaut – und immer wieder den Eindruck erweckt, wenn die Pläne umgesetzt werden, stünde das Internet still. Denn wer die Werbeindustrie in den Möglichkeiten einschränkt, der verantwortet auch, dass weniger Umsatz gemacht wird. Doch so wird es kaum kommen: Natürlich wird die Industrie einen Weg finden, ausreichend Daten zu sammeln und Erkenntnisse daraus ziehen. Allerdings nicht mehr so einfach wie bisher.

Cookies: Nicht alle mögen sie; Rechte: dpa(Picture Alliance

Cookies: Sehen niedlich aus, sind lecker – aber oft auch indiskret

Noch nicht das letzte Wort gesprochen

Noch ist der Drops aber nicht gelutscht – um sprachlich im Bild der Cookies zu bleiben. Denn das EU-Parlament geht nun in die sogenannten Trilog-Verhandlungen mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten. Da kann sich noch einiges im Detail ändern. Oft werden Formulierungen aufgeweicht, das haben die Verhandlungen um die Datenschutzgrundverordnung gezeigt. Die Lobby der Datenindustrie hat ein Tor kassiert, aber das Spiel noch nicht verloren. Man darf davon ausgehen, dass hinter der Bühne noch um so manche Formulierung gerungen wird.

Es tut sich also was in Europa, was den Datenschutz im Netz betrifft – und die informationelle Selbstbestimmung. Das ist gut.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Kerleroux am

    wo finde ich eine Anleitung wie ich meinen Browser richtig Einstelle damit keine Cookies mich ausspionieren können.

    • DIE allumfassende Universalanleitung gibt es nicht und es hängt natürlich auch davon ab, welchen Browser Sie bevorzugt benutzen (möchten).
      Etwas Zeit zur Absicherung müssen Sie sich schon nehmen (wollen).
      Eine sehr gute Quelle mit praxisnahen Tipps finden Sie z. B. hier:
      https://privacy-handbuch.de/handbuch_21browser-schnell.htm
      Ausprobieren können Sie auch mal die „BitBox“-Lösung für Firefox oder (wenn’s unbedingt sein muss) Chrome:
      cybersecurity.rohde-schwarz.com/de/produkte/endpoint-sicherheit-management/browser-box/bitbox
      Mit die „maximalste“(?) Sicherheit (mit entsprechenden Komforteinbussen) erreichen Sie zur Zeit mit „Tails“ (funktioniert allerdings nur noch auf 64-Bit-Systemen):
      tails.boum.org/index.de.html

  2. Ihr Hinweis auf die aufweichende Umsetzung der DSGVO zeigt, wie schnell aus einer EU-MUSS-Verordnung eine EU-KANN-Verordnung (mit entsprechenden Schlupflöchern) werden kann. Siehe dazu auch die Kritik unter
    de.wikipedia.org/wiki/Datenschutz-Grundverordnung#Kritik
    Die dort genannten Kritikpunkte und der dort erkennbare Lobbyismus (insbesondere gegenüber den „Interessen“ US-amerikanischer BigData-Konzerne) lassen sich, wie sich richtig bemerken, auch 1:1 auf diese „Cookie-Richtlinie“ übertragen!
    Vor dem Hintergrund des jüngst, (Gro)koalitionsseitig beschlossenen bzw. „durchgeboxten“ Einsatzes von sog. Staatstrojanern, erscheinen (zumindest in Deutschland) sowohl sämtliche EU-Datenschutzverordnungen als auch die DSGVO ohnehin paradox und letztlich sinnbefreit; von den massiven Eingriffen in bürgerliche Grundrechte ganz zu schweigen!
    Gegen Cookies (Flash-/Super-/Zombie-/Evercookies usw.) kann man sich, wenn man es denn wirklich will und sich ein wenig Zeit nimmt, (überwiegend, wenn auch nicht 100%-ig!) recht gut schützen (z. B. durch diverse Browser-Add-ons/-Konfigurationsänderungen, restrikitive Javascriptzulassung, Browserbetrieb in Sandbox, Tails).
    Problematisch wird es allerdings dann, wenn der favorisierte Browser (z. B. Google Chrome, MS-Edge, „Standard“-Firefox) und/oder das favorisierte Betriebssystem (z. B. Windows 10 [Cortana, device-based tracking, keystroke biometrics etc.], MacOs [s. BigBrotherAward2011]) selbst als „Riesencookie“ fungieren!

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