eSIM: Die Karte, die man nicht sieht

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eSIM: Die Karte, die man nicht sieht

Kommentare zum Artikel: 8

Wer einen Mobilfunkvertrag abschließt, muss am Ende immer eine wichtige Frage beantworten: Standard, Micro oder Nano? Der Provider will nämlich wissen, welche Art von SIM-Karte er dem Kunden schicken soll. Erst wenn man das kleine Plastikkärtchen in den Händen hält, auf dem alle wichtigen Daten gespeichert sind, die für den Betrieb im Mobilfunknetz erforderlich sind, kann es losgehen. Erst die SIM-Karte haucht dem Smartphone gewissermaßen Leben ein. Das Gefummel mit Büroklammern, um die versteckten SIM-Schubladen zu öffnen oder das Knibbeln im Inneren des Mobilgeräts, um die SIM-Karte in die richtige Position zu bekommen, kennt wohl jeder.

Die SIM-Karte hat bald ausgedient: Die eSIM löst sie ab

Die SIM-Karte hat bald ausgedient: Die eSIM löst sie ab

Smartwatch ist Pionier in Sachen eSIM

In Zukunft ist das nicht mehr nötig. Denn auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigen die Hersteller erste Geräte mit moderner eSIM. Die „embedded SIM“ ist direkt im Gerät eingebaut und programmierbar. Man tauscht sie nicht aus, man programmiert sie um, lädt bei Bedarf ein neues Profil, wie die Experten sagen. Das bringt deutlich mehr Flexibilität – neben vielen anderen Vorteilen. Ein ganz praktischer ist: Die eSIM verbraucht weniger Platz im Gerät. So lassen sich künftig auch Fitnessarmbänder oder VR-Brillen mit einer eSIM ausstatten, um direkt online gehen zu können, ohne den Umweg über ein anderes vernetztes Gerät (etwa ein Smartphone) nehmen zu müssen. Auch brauchen die Geräte keine „Schublade“ mehr, die leicht kaputt gehen kann und obendrein nicht waserdicht ist.

Die Hersteller versprechen sich eine Menge von der eSIM. Die Smartwatch Gear S2 classic 3G ist der Pionier: Eine Smartwatch, die nicht mehr mit dem Smartphone gekoppelt werden muss, sondern selbständig mobilfunken kann – dank eSIM. Vodafone will die Smartwatch schon nächsten Monat verkaufen und auch passende Mobilfunkverträge anbieten. Wenig später will auch Telefónica O2 die Smartwatch ins Programm aufnehmen. Beide Provider bieten damit zum ersten Mal die Möglichkeit, Mobilgeräte mit eSIM zu nutzen. Ein Dammbruch – und zweifellos der Start einer großen Karriere. Die eSIM kann jetzt durchstarten.

In einer Smartwatch ist kein Platz für eine reguläre SIM-Karte

In einer Smartwatch ist kein Platz für eine reguläre SIM-Karte

eSIM beflügelt Internet der Dinge

In Zukunft wird es immer mehr Geräte geben, die serienmäßig eine eSIM verbaut haben. Natürlich muss man sich trotzdem irgendwie anmelden und einen Tarif auswählen. Das geht dann direkt an dem Gerät, das man benutzen möchte: Der Benutzer bekommt eine Auswahl von Mobilfunkanbietern und Tarifen präsentiert, wählt einen passenden aus und kann auch gleich loslegen. Man muss also nicht auf die Post warten, bis die Karte da ist. Geplant ist, dass der Benutzer einen QR-Code mit dem Smartphone abfotografiert und so ein passendes Profil ins Gerät lädt. Per Bluetooth lässt sich das Profil auf Smartwatch, Fitness Tracker oder Datenbrille übertragen.

Im Ausland ist das besonders praktisch: Einfach einen neuen Anbieter auswählen, passenden Tarif bestimmen – und lossurfen. Es ist auch möglich, zwischen Providern zu wechseln, denn die eSIM kann mehr als ein Profil laden. Auch wird es möglich sein, zumindest bei einigen Geräten, mehrere Profile gleichzeitig geladen zu haben. Besonders praktisch, wenn man im Ausland unter seiner Nummer erreichbar sein möchte, aber zu den günstigen Kosten eines lokalen Anbieters online gehen möchte.

Die eSIM wird das Thema „Internet der Dinge“ beflügeln. Künftig lassen sich Geräte leichter vernetzen, auch ohne WLAN. Die Mobilfunkanbieter sind nicht unbedingt die größten Fans der eSIM, da sie befürchten, dass Kunden schneller wechseln – was sicher ein Vorteil für die Kunden ist, die in der Tat leichter wechseln können, ohne jeden Umstand. Profitieren werden davon aber eher die großen Anbieter, die leichter attraktive Pakete schnüren können. Fest steht: Die eSIM bringt Bewegung in den Mobilfunkmarkt.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Herr Hopf am

    Lustig, wie unkritisch Ihr Artikel daherkommt.
    Unterfüttert mit doch leicht übertriebenen Prämissen wie: „Das Gefummel mit Büroklammern, um die versteckten SIM-Schubladen zu öffnen oder das Knibbeln im Inneren des Mobilgeräts…“
    Meinen Sie das im Ernst? Wie oft haben Sie eine sim gewechselt? Ich nehme an sehr oft. Und war es wirklich so schlimm? Ich bin sicher: Es war gar nicht schlimm. Aber Sie wiederholen hier etwas zu unterwürfig ein Schein-Argument der Industrie.
    Leider kein Wort zu dem Hauptnachteil der e-sim: Fällt das Handy aus (Defekt/ Sturz o.ä.), stecke ich die normale Sim einfach in ein anderes oder benutze ein altes/ gebrauchtes und kann sofort weitertelefonieren. Mit dem esim-Handy brauche ich – die Industrie wird’s freuen – ein neues Handy. Wie kann man da jubeln? Da muss man aufschreien.
    Einfacher als mit der alten Sim kann man sich die Wahlfreiheit eigentlich nicht vorstellen. Fahre ich z. B. nach Frankreich kann ich in jedem Tabakladen/Cafe/Supermarkt/Tankstelle eine prepaid- sim kaufen, in zwei Minuten ist die Sache erledigt. Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie müssten (vielleicht noch mit mangelhaften Sprachkenntnissen) über eine Hotline eine Aktivierung Ihrer esim beauftragen. Ich kann Ihnen versprechen: Sie werden verzweifeln.

  2. In Deutschland ist der e-Personalausweis (zum Glück!) ein ziemlicher Flop.
    Nun also ein neuer Versuch mit der eSim, als künftige -natürlich alternativlose- elektronische Identitäts-, Profiling- und Überwachungskarte.
    Und was folgt dann?
    Vielleicht werden eSim-Karten dann bereits Neugeborenen unter die Kopfhaut gepflanzt? Sicher sehr zur Freude der Generation hysterischer „Helikopter-Eltern“, des Verfassungsschutzes, der penetrant-parasitären Reklameindustrie und wohl auch zur Verzückung des Herrn Schieb, oder? ;)

    • Danke für das Feedback. Wieso sind Sie der Meinung, dass eine eSIM leichter oder schneller getrackt werden kann als eine reguläre SIM? Ich gebe Ihnen recht, dass durch den Einsatz von MEHR netztauglichen Geräten (Internet der Dinge) durchaus ein Mehr an Kontrolle entsteht, darüber habe ich hier im Blog auch schon kritisch geschrieben.

  3. Johann Leidringer am

    Lieber Herr Schieb,
    Sie erinnern mich immer mehr an die Herren Backes & Müller, die früher auf dem WDR ihr Unwesen trieben. Jeden Müll den uns die Konzerne versuchen schmackhaft zu machen, verkaufen Sie als große Errungenschaft. Kommen bei Ihnen manchmal Gedanken auf, dass nicht alles so toll ist, wie es uns vergegaukelt wird.

    • Hallo Herr Leidinger, danke für Ihr Feedback. Doch gerade hier im Blog berichte ich doch häufig sehr kritisch, daher verstehe ich den Hinweis nicht so ganz. Wo genau sehen Sie die Nachteile bei der eSIM? Das würde mich in diesem Zusammenhang schon interessieren.

  4. Suchtfrei. am

    Nach meinem Dafürhalten handelt es sich um eine Erfindung, die dazu dienen soll, noch nicht Süchtige „anzufixen“ und auch sie noch in den unheilvollen Sog zu ziehen, auf daß immer mehr „Smombies“ ( = Smartphone-Zombies, Jugendwort des Jahres 2015) entstehen und die Menschen ihre Identität und den Sinn für das wirkliche Leben verlieren – und sich die Gangster-Konzerne wie Guhgl und Fakebook die Taschen vollstopfen.
    A propos, neulich von einem Nachwuchs-Comedian gehört: „Was war die Stasi?“ Antwort: „Vorläufer von Facebook.“!

  5. steamtrain am

    In der eSIM sehe ich aber einen gravierenden Nachteil. Geht das Gerät unwiderruflich kaputt sind meine gespeicherten Daten futsch. Auf der herkömmlichen SIM kann ich wichtige Daten speichern und ggf. wieder auslesen. Das mit dem „Gefummel“ kann ich nicht so ganz nachvollziehen, denn wie oft wechsle ich die Karte? Meine SIM befindet sich seit über fünf Jahren im Gerät und wer glaubt alle Halbe Jahr ein neues Mobilphone kaufen zu müssen der soll sich ruhig auch mit dem ´“Gefummel“ abfinden.

    • Nun, wir werden in Zukunft immer mehr Geräte haben, die netzfähig sind – und die dann oft auch mit einer SIM ausgestattet werden müss(t)en. Wer die eSIM nutzt, kann mehrere Geräte mit demselben Vertrag nutzen und alle mit einem zentralen Gerät steuern (etwa Smartphone), das ist schon praktischer. Ich persönlich speichere keine Daten mehr in der SIM. Die paar Kontakte, die sie aufnimmt, kann man auch in der Cloud ablegen oder von mir aus in einem Backup. Das angesprochene Risiko scheint mir daher vergleichsweise klein, aber danke für das Feedback.

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