Etwas läuft mächtig schief bei YouTube

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Etwas läuft mächtig schief bei YouTube

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Wer nicht völlig kritiklos durch das Angebot von YouTube stöbert, kann nur früher oder später zum Schluss kommen: Es gibt eine Menge Müll an dem Ort, wo viele die Zukunft des Fernsehens sehen. Deutlich mehr Müll als Juwelen. Im Grunde genommen fast nur Müll. Die Herausforderung ist, alles Belanglose, alles Schädliche, alles Geschmacklose, alles Demütigende, alles Überflüssige und alles Verbotene aus dem schier endlos wirkenden Angebot zu filtern. Viel bleibt dann allerdings nicht mehr übrig. Was viele derzeit sogar in den USA erschreckt: Selbst YouTube Kids – ein von Google als “sicher für Kids” vermarkteter Bereich des Videoportals (hier ein Bericht über den Start in Deutschland) – ist voll mit Videos, die garantiert nichts für Kinderaugen sind.

YouTube Kids: Soll eigentlich sicher sein - ist es aber nicht; Rechte: WDR/Schieb

YouTube Kids: Soll eigentlich sicher sein – ist es aber nicht

Von Bots automatisch erzeugte Videos

“Something is wrong on the internet”, schreibt Künstler und Autor James Bridle in einem ausfühlichen Blogpost – und dokumentiert den Schrecken. In der Tat: Etwas läuft gewaltig schief. Wie Bridle feststellt, nutzt “jemand oder etwas” YouTube aus, um Kinder systematisch auf YouTube zu ängstigen, zu traumatisieren – und sogar zu missbrauchen. Es gibt Tausende von verstörenden Videos, extra für Kinder gemacht – und frei zugänglich. Häufig Animationen, Kinderreime und niedlich wirkenden Figuren. Aber niemand schaut genau hin. Endlich wird die Frage gestellt: Wie sicher sind Kinder auf YouTube eigentlich? Die Antwort: Gar nicht. Und das, obwohl die speziell für Kinder und Jugendliche App YouTube Kids bereits über 45 Millionen Mal im Einsatz ist. Seit September auch in Deutschland.

Viele der Videos sind absolut verstörend für Kindern, schädlich, zerstörerisch. Da hört der Spaß zweifellos auf. Kinder haben einen besonderen Schutzanspruch. YouTube will die Kinder als Zielgruppe, lässt sie aber ins offene Messer laufen. Denn in YouTube Kids gibt es nicht nur tonnenweise völlig sinnentleerte Videos, häufig genug von Bots erzeugt, ohne jeden Verstand – und erst recht ohne pädagogischen Nutzen -, bis hin zu absolut verstörenden Videos, die Kindern Angst machen können. Und natürlich, schließlich sind wir beim größten Online-Reklamevermarkter des Planeten: Jede Menge Werbung. Mal versteckt, mal gar nicht versteckt, etwa in den Hunderten (erfolgreichen) YouTube-Videos, in denen Hunderte von Überraschungseiern ausgepackt werden.

Von Bots erzeugte sinnentleerte Videos für Kinder

Algorithmen als Programmplaner

Verstörend ist zum Beispiel, wenn die bei Kindern (auch hierzulande) beliebten Figuren von Peppa Pig plötzlich Bleichmittel trinken. Bleichmittel! Neben der Tatsache, dass in den Videos Urheberrechte verletzt wurden, bringt YouTube die Kinder in aller höchste Gefahr. In anderen Videos werden bekannten Kinderfiguren die Köpfe abgeschraubt – begleitet von Klingklingmusik – oder die Figuren werden einfach überfahren. Es ist eine Mischung aus Horror, Irrsinn und Gier, die Menschen antreibt, solche Videos zu erstellen und ins YouTube-Netzwerk einzuspeisen.

Das Problem sind nicht einzelne Verrückte, das Problem steckt im Konzept. YouTube verdient Geld damit, dass Videos geschaut werden. Jede Sekunde, die ein User auf YouTube verbringt, bringt potenziell Umsatz – mit Werbung vor, während und nach den präsentierten Videos. Kinder sind eine besonders begehrte Zielgruppe. Kinder lassen sich Sehgewohnheiten antrainieren und sie haben viele Wünsche. YouTube sorgt dafür, dass es mehr werden. Daher ist es YouTube auch nahezu völlig egal, was auf YouTube präsentiert wird. Es gibt ein paar Spielregeln, aber die greifen selten. Schwachsinn darf verteilt werden. Auch und besonders an Kinder. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass YouTube seine Verantwortung ernst nimmt. Ich meine die Verantwortung für die Kinder, nicht für die Aktionäre.

Und überhaupt: Wer weiß schon so recht, wie YouTube funktioniert? Selbst erfahrene YouTuber haben keinen Schimmer, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein YouTube-Video auf der Videoplattform gut sichtbar ist. Was nach Eingabe eines Suchbegriffs oder beim Stöbern angeboten wird und was nicht, das entscheiden Algorithmen. Wie die genau funktionieren, verrät YouTube natürlich nicht – sonst könnten sich alle, die über YouTube Kasse machen wollen, zu einfach darauf einstellen und ihre Inhalte entsprechend manipulieren. Dass es schwachsinnige und sogar komplett automatisch erzeugte Videos samt Keywords in die Bestenlisten von YouTube schaffen und sogar in YouTube Kids, ist belegt. Ein vollständiges Armutszeugnis für diesen Dienst.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

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  3. Das Beispiel-Video mag ziemlich stumpf sein… (aber hey, hier geht es darum, die Namen der Finger zu lernen. Was erwartet der Autor?). Von Bots erzeugt worden dürfte es aber wohl kaum sein. So weit ist die KI dann doch (noch) nicht.

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