EU-weite Plattform für Corona Warn Apps

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EU-weite Plattform für Corona Warn Apps

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Einen erheblichen Nachteil hat die weitgehend gelungene Corona Warn App auf alle Fälle: Sie funktioniert ausschließlich in Deutschland. Das liegt daran, dass jedes Land eine eigene Lösung präsentiert hat. Die meisten Länder waren zu stolz, die doch recht früh fertig gewesene Lösung aus Österreich zu übernehmen, obwohl sie gut war.

Die Corona Warn App steht in den Startlöchern; Rechte: WDR/Schieb

Wirrwarr in Europa: Jedes Land mit eigener Lösung

Die Folge: Sobald wir uns ins Ausland begeben, etwa in den wohlverdienten Ferien, hat die App keinerlei Nutzen mehr. Denn sie funktioniert im Ausland nicht: Kontakte mit anderen Europäern wird nicht getrackt.

Der Grund: In jedem europäischen Land kommen andere Apps zum Einsatz, teilweise sogar mit vollkommen unterschiedlichem Ansatz und Konzept – etwa die Warn-App aus Frankreich, die auf einen zentralen Ansatz beruht und deshalb von Apple und Google nicht unterstützt wird.

Das ist natürlich ein erheblicher Nachteil – vor allem in Urlaubszeiten. Doch wie die Wirtschaftswoche als erste berichtet, haben SAP und Telekom nun von der EU-Kommission den Auftrag bekommen, ein europaweit Warnsystem aufzubauen. Ziel: Auch wenn es im Ausland Kontakt mit einer infzierten Person gegeben hat, gibt es eine Warnung.

Corona-Warn-App

SAP und Telekom entwickeln europaweites Warnsystem

Die Entwicklung dieser Plattform/Lösung soll einige Wochen. dauern – kommt also defintiv viel zu spät für die Reisesaison. Es ist mehr als bedauerlich, dass die EU nicht gleich und von Anfang an mit allem Nachdruck eine EU-Lösung angestrebt und auf die Beine gestellt hat. Nur das wäre im Sinne eines geeinten Europas gewesen, da Corona überall wütet.

Doch erinnert man sich an die Schwierigkeiten in Deutschland, sind auch ein Konzept für eine App zu einigen, kann man sich vorstellen, wie lange es für gamz Europa gedauert hätte – und letztlich ja auch gedauert hat.

Tagesschau: Was die Corona Warn App kann und was nicht

Frankreich wegen Insellösung ausgeschlossen

Die Anbindung soll schrittweise erfolgen – nicht alle Länder auf einmal. Frankreich bleibt aufgrund seiner zentralen Lösung außen vor und kann nicht angebunden werden – aus technischen Gründen. So etwas ist natürlich vor allem in grenznahen Gebieten wie dem Saarland oder dem Elsass ein riesiger Nachteil.

Da die Corona-Pandemie noch längst nicht zu Ende ist, kann man nur sagen: Besser spät als nie. Doch die EU sollte aus diesem Desaster lernen. Wie will man in einer Welt offener Grenzen und verzahnter Gesellschaft und Wirtschaft ein Virus auf nationaler Ebene bekämpfen können? Es braucht dringend Konzepte für europaweite Lösungen, die schnell und zuverlässig vorhanden sind und funktionieren können.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Alfred Post am

    Unsere holländischen Nachbarn basteln beispielsweise noch an ihrer CoronaApp. Diese soll ab Anfang September bereit stehen. An dieser Stelle fragt man sich dann doch, warum man im Zuge der europäischen Bruderschaft unseren Nachbarländern nicht eine Mitnutzung der deutschen App anbietet. Die Übersetzung einer derart kleinen App sollte in einem Tag regelbar sein. Dann müssen nur noch die entsprechenden Gesundheitsministerien die Möglichkeit bekommen, ihre Infizierten zu melden und schon stände eine Warnapp bereit, die über Grenzen hinweg funktioniert, bereits fertig ist und keine Datenschutzrechtlichen Probleme mitbringt.

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