Everybody dance now: KI-Software lässt jeden tanzen

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Everybody dance now: KI-Software lässt jeden tanzen

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Auf der diesjährigen Elektronikmesse IFA ist Künstliche Intelligenz ein großes Thema. Alles soll “smart” werden – selbst Küchengeräte. Insgeheim wissen wir natürlich, wie gerne die Industrie Buzzwords verwendet – gerade ist es KI. Weil aber derzeit so ziemlich alles mit dem Schlagwort KI etikettiert wird, bloß weil es möglicherweise den Verkauf fördert, sind echte KI-Projekte weniger gut sichtbar. Interessant ist zum Beispiel das Projekt Everybody dance now von Wissenschaftlern der kalifornischen Uni Berkeley. KI-Software lässt den Eindruck entstehen, dass jeder elegant und anmutig tanzen kann.

Tanzbewegungen werden auf Zielperson übertragen; Rechte: Universität Berkeley

Tanzbewegungen werden 1:1 auf Zielperson übertragen

Tanzen lernen mit Deep Learning

Wie das geht? Man braucht zwei Leute: einen Profitänzer und eine Person, auf die die Bewegungen des Profitänzers übertragen werden. Der Profi tanzt vor der Kamera. Seine oder ihre Bewegungen werden 1:1 auf die Zielperson übertragen. Streng genommen muss die Zielperson nicht einmal wissen, dass sie vom Computer zur tanzenden Person gemacht wird. Es reicht auch ein Video der Person, in dem sie komplett mit ganzem Körper zu sehen ist und zum Beispiel durch den Raum geht.

Die KI-Software verändert die Bewegungen der Zielperson derart geschickt, dass der Eindruck entsteht, dass sie tanzt. Ich zum Beispiel komme schon beim Foxtrott mächtig ins Schwitzen – und könnte dank KI-Software praktisch den Schwanensee aufs Parkett legen. Zwar nicht wirklich, aber doch zumindest im Video. Wenn alles perfekt funktioniert, lässt sich der Betrug nicht erkennen.

Vergleichbare Manipulations-Software gibt es schon, vor allem Programme, die die Mimik eines Schauspielers auf das Gesicht eines Prominenten übertragen – und das mittlerweile derart gut, dass man nicht mehr erkennt, dass hier manipuliert wurde. Nun wird man Donald Trump oder Vladimir Putin eher nicht tanzend sehen (wollen). Aber wenn es einer Software gelingt, selbst komplexe Tanzbewegungen auf einen fremden Körper zu übertragen, dann ist so ziemlich alles möglich und denkbar.

https://www.youtube.com/watch?v=PCBTZh41Ris

Erklärvideo der Forscher: So funktioniert’s…

Traue Deinen Augen nicht: Mamipulation wird easy

Die Forscher aus Berkeley haben da ein wirklich interessantes System entwickelt. Zwar muss die Zielperson vorab einige Bewegungen gemacht haben (die mit der Videokamera aufgezeichnet werden), die zumindest annähernd etwas mit der gewünschten Bewegung zu tun haben. Aber irgendwann wird wohl selbst das nicht mehr nötig sein. Die Ergebnisse der Deep-Learning-Software sind beeindruckend.

Abermals lässt sich nur sagen: Manipulationen im Video sind Tür und Tor geöffnet. Nicht nur die Mimik eines Menschen lässt sich simulieren und seine Stimme, sondern nun auch die Gestik.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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