Ex-Mitarbeiter von Facebook und Co. warnen vor Suchtgefahren

https://blog.wdr.de/digitalistan/ex-mitarbeiter-von-facebook-und-co-warnen-vor-suchtgefahren/

Ex-Mitarbeiter von Facebook und Co. warnen vor Suchtgefahren

Kommentare zum Artikel: 7

Google, Facebook, Instagram, Twitter und Co. bekommen eine Menge mediale Aufmerksamkeit – auch hier bei uns in Digitalistan. Vor allem deswegen, weil sich diese sogenannten “sozialen Netzwerke”, die von vielen als “asoziale Netzwerke” bezeichnet werden, in unser Leben fressen. Facebook und Co. sind omnipräsent und verändern radikal, wie wir kommunizieren, uns informieren, einkaufen. Das beißt die berühmte Maus keinen Faden ab. Doch nun sagen Ex-Mitarbeiter eben dieser Dienste: Vorsicht – Facebook, Google und Co. machen auch süchtig.

Smartphone ohne Social Media; Rechte: hamanetech.com

Smartphone ohne Social Media; Initiative will vor Gefahren warnen

Süchtig machende Instrumente

Süchtig? Wer ehrlich mit sich ist, weiß, dass dieser Vorwurf nicht abwegig ist. Nicht wenige Menschen schauen heute Hunderte Male am Tag auf ihr Smartphone, posten nicht gelassen, sondern zwanghaft jedes noch so bedeutungslose Ereignis (Burger, Eiscrème, Schuhe, Frisur, Anzeigetafeln…) in den Netzen. Da kann man wohl durchsus von einem Suchtpotenzial sprechen. Vereinzelte Wissenschaftlicher wie Dr. Spitzer warnen schon lange,

Doch nun warnen Menschen, die bei Facebook, Google und Co. arbeiten. Oder besser. Die dort gearbeitet haben. Sie müssten es eigentlich wissen, wie diese Onlinedienste und Unternehmen ticken. Nun haben sich diverse Ex-Mitarbeiter zusammengetan und das “Center for Humane Technology” gegründet. In einem Interview in der New York Times erklären sie die Hintergründe. Sie warnen nicht einfach nur vor den Gefahren, die Soziale Netzwerke ihrer Ansicht nach haben, sondern wollen auch etwas dagegen unternehmen. Gemeinsam mit anderen Organisationen wollen sie dafür Millionen von Dollar ausgeben.

Social Media Anbieter wenden alle Tricks an

Hauptvorwurf der Insider: Soziale Medien kämpften mit allen Mitteln um unsere Aufmerksamkeit. Es liegt auf der Hand, dass das stimmt – und auch im großen Stil funktioniert. Die Anbieter solcher Netzwerke nutzten alle sich bietenden Tricks, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn: Je mehr davon (also Aufmerksamkeit), desto mehr wird verdient. Es sind also auch noch niedere Motive: Bereicherung. Ob Facebook, Snapchat, Instagram oder Twitter: Alle Dienste bekommen ihr Fett weg, werden von den Ex-Mitarbeitern kritisiert.

Völlig zu Recht, wie ich finde. Facebook steckt seine Nutzer in Echokammern. Instagram hingegen erwecke den Eindruck, die Welt aller anderen sei wunderschön – also streng Dich mal an, lieber Instagram-Nutzer. Die Betreiber der Dienste drücken also psychologisch geschickt verschiedene Knöpfe in uns, damit wir bei ihnen bleiben – und möglichst viel Zeit dort verbringen.

Jetzt warnen die Ex-Mitarbeiter vor ihren eigenen Erfindungen. Das wird eine interessante und auch sehr wichtige Diskussion in Gang bringen. Wie denkt Ihr darüber?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Peter Pannek am

    Warum geht der WDR nicht auch mit guten Beispiel voran und kehrt sich komplett von Facebook ab, wenn schon ein derartiger Beitrag gesendet (Angeklickt in der Aktuellen Stunde) und dieser hier geschrieben wird!? Mir ist zunehmend aufgefallen, dass in der Aktuellen Stunde sehr einseitig Facebook regelmäßig hinzugezogen wird und sogar die Kontakt-Möglichkeiten werden oft an erster Stelle und teilweise nur mit Facebook beworben. Das hat mich persönlich schon eine ganze Weile geärgert, da ich mich bereits vor 4 Jahren aus vielen guten Gründen von Facebook nach einigen Testwochen abgewandt hatte und dann erhält man beim WDR den Eindruck, man kann nur mitdiskutieren, wenn man einen Facebook-Account hat. Der WDR muss sich mal arg selber hinterfragen, wie tief er mit Facebook verbunden ist und diese Social-Media-Manipulationen der Big Player als Mittäter (inkl. Erreichbarkeit von nennenswerten Publikum) aktiv fördert und unterstützt.

  2. Anna Lüüse am

    Ich nutze beispielsweise Facebook nicht, werde aber unter anderem auch von den Öffentlich-Rechtlichen immer wieder aufgefordert, mir doch weitere Informationen dort anzuschauen. Das kann und will ich nicht und habe deshalb öfter den Eindruck, nicht vollständig informiert zu werden, was mich wiederum sehr ärgert. Mit einer solchen Warnung wie jetzt hier, die mir am Schluss direkt Facebook-, Twitter- und Google+-Buttons anbietet, kann ich absolut nichts anfangen, es machen doch alle mit. Auch ihr. So what?

  3. Ralf Drekopf am

    Gut und schön. Zwei Zeilen weiter steht Ihr / der redaktionelle Link für Twitter/FB usw…
    Ein Teil der Kommunikation des Ö.R.R sind doch schon lange nur noch in diesen ParallelWelten zu Hause. Da hält man sich nämlich selten an die eigene kritische Berichterstattung
    Glück habe ich. Nutze es nicht, und dann habe ich noch einen PC mit AMD Prozessor…
    Lg

  4. Natürlich ist das Suchtpotential gegeben, worauf der User “SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG” hier auch mit regelmäßiger Beharrlichkeit -und m. E. völlig berechtigt- hinweist.
    Andererseits, obliegt es der eigenen Verantwortung (Kinder als Ausnahme!), ob man zum abhängigen (“apphängigen”) Individuum im jeweiligen (oftmals Filterblasen-)Netzwerk oder zum appgesteuerten Konsumdeppen mutiert oder nicht. Selbstdisziplin ist hier sicher ganz wichtig, wie der User “Wolfgang” schon bemerkte.
    Die erheblich größere Gefahr liegt m. E. in der unkontrollierbar gewordenen Ausnutzung der globalen Überwachungsallmacht der genannten Unternehmen!
    In den USA ist diese Entwicklung freilich schon erheblich fortgeschritten, wie z. B.
    gulli.com/news/19356-usa-die-gesichter-der-meisten-buerger-sind-bereits-registriert-2012-07-22
    oder
    com-magazin.de/news/soziale-netze/us-militaer-ueberwacht-soziale-netzwerke-weltweit-1437208.html
    was dann z. B. zu folgenden, hirnrissigen Trugschlüssen führt
    netzpolitik.org/2012/wer-kein-facebook-profil-hat-ist-psychisch-krank-und-kriegt-keinen-job
    Aber auch hierzulande werden schon -nicht nur kommerzielle, sondern auch äußerst fragwürdige, politische- Begehrlichkeiten geweckt, wie z. B.
    spiegel.de/netzwelt/web/schufa-will-kreditdaten-bei-facebook-sammeln-a-837454.html
    oder
    welt.de/politik/deutschland/article173121473/Verdeckte-Ueberwachung-Ministerium-gibt-neuen-Bundestrojaner-fuer-den-Einsatz-frei.html
    oder auch
    rnd-news.de/Exklusive-News/Meldungen/Aeltere-News/De-Maiziere-will-Ausspaehen-von-Privat-Autos-Computern-und-Smart-TVs-ermoeglichen
    .
    So nimmt -freiwillig oder unfreiwillig- JEDER, der diese Dienste -völlig egal, ob unregelmäßig oder in exzessiver Sucht- nutzt, billigend in Kauf, seine Freiheit perspektivisch einer kommerziellen bzw. politisch motivierten Totalüberwachung zu opfern, die ausschließlich auf “lernfähigen”, streng geheimen Algorithmen einiger Großkonzerne bzw. Spitzeldiensten beruht!

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Sehr geehrte(r) C.Z.,
      ich stimme Ihnen zu: Die Kontroll- und Überwachungsgefahr ist EXTREM groß, und sie ist auche eine für unsere freiheitliche Demokratie und unseren Rechtsstaat, und auch Grundrechte sind gefährdet.
      Allerdings würde ich nicht sagen, daß diese Gefahr die gegenüber der SUCHTGEFAHR erheblich größere ist:
      M.E. sind beide miteinander verknüpft, denn die Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten wachsen naturgemäß in dem Maße, in welchem Menschen abhängig (gemacht!) werden und auf diese Weise noch besser in den Griff bekommen werden.
      Allen, die noch wach sind und sich wehren wollen, empfehle ich:
      Timothy Snyder, Über Tyrannei – Zwanzig Lektionen für den Widerstand, München 2017, insb. – aber keinesweg nur! – die Kapitel 9. “Sei freundlich zu unserer Sprache” und 14. “Führe ein Privatleben”: Absolut lesenswert!

  5. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Ehrlich gesagt, ist es nicht immer schön, recht zu behalten, auch wenn das, was die Ex-Mitarbeiter mit berufenem Munde zu sagen und vor-haben, natürlich Wasser auf meine Mühlen ist.
    Ich danke Herrn Schieb, daß er und damit der WDR das Thema “Sucht” denn doch noch aufgreifen und ihm den angesichts der sich vervielfachenden Zahl der Abhängigen schon lange gebührenden Platz einräumt oder doch: Einzuräumen beginnt.
    Im Übrigen ist das “Outing” der besagten Ex-Mitarbeiter schon älter und wurde schon vor mehreren Wochen von der Süddeutschen Zeitung sogar mit einem Kommentar auf Seite 4 gewürdigt.
    Auch das Büro für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages hat einen Band zu Online-Sucht herausgebracht ( Evers-Wölk, Michaela; Opielka, Michael, Neue elektronische Medien und Suchtverhalten, Forschungsbefunde und politische Handlungsoptionen zur Mediensucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsene, Baden-Baden 2016), und Manfred Spitzer steht auch schon lange nicht mehr alleine da mit seinen Warnungen: S. u.a.:Diefenbach, Sarah; Ullrich, Daniel, Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern, München 2016 – Markowetz, Alexander, Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone- Nutzung gefährlich ist; Mitarbeit: Ann-Kathrin Schwarz u. Jan F. Wielpütz, München 2015 –  te Wildt, Bert, Digital Junkies – Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder, München 2015).
    Für “ERSTE HIlFE” s. z,.B. hier: http : / / www . aktiv – gegen – mediensucht . de / thema / 1071/ 24 / selbsthilfegruppe-onlinesucht-internetsuchtsmartphone-sucht-in-wuppertal /
    Es wäre fein, gut, richtig und folgerichtig, Herr Schieb, wenn Sie diesem Artikel auch solche mit Hinweisen zu solchen und ähnlichen Hilfeangeboten folgen ließen und die asozialen Netzwerke etwas weniger verharmlosen würden, deren Mitglied der WDR sogar – SCHANDE! – immer noch ist…. – warum eigentlich…??!!

    Dem Kommentator “Wolfgang” (05.02.2018 17:42) kann ich nur begrenzt zustimmen:
    Es ist längst erwiesen, daß Menschen, die einmal von einem Suchtmittel abhängig (gemacht) worden sind, selten alleine und aus eigener Kraft clean und abstinent werden können, deshalb ist es so eine Sache mit dem Lernen durch eigene Erfahrung.
    Außerdem übersieht der Kommentator m.E. eine der Kernaussagen der Ex-Mitarbeiter der asozialen Netzwerke, nämlich die, daß die Unternehmen die Menschen BEWUSST und VORÄTZLICH und aus reiner PROFITGIER in die Sucht treiben:
    HIER müßte das “Laisser-faire” des Staates genau so ein Ende haben wie bei den stofflichen Drogen, die zu Recht im Betäubungsmittelgesetz stehen…

  6. Wolfgang am

    Es ist schön mit Freunden auf der ganzen Welt für lau über Chats und Videos ständig in Kontakt sein zu können. Es ist ein Geschenk und Privileg für mich zugleich. Niemand zwingt mich dazu! Eigenverantwortlich mit diesen Medien umzugehen erfordert aber auch eine gehörige Portion Disziplin; zweifellos. Dies muss und kann aber jeder Mensch nur durch eigene Erfahrung lernen. Gilt ja für alle anderen Dinge auch die man nur in geringen Mengen konsumieren sollte; Alkohol, Nikotin etc. Social Media gehören für mich ebenfalls in diese Kategorie.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top