F8: Ein Blick in die Zukunft von Facebook

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F8: Ein Blick in die Zukunft von Facebook

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Was Facebook für das next big thing hält, ist auf der Entwicklerkonferenz F8 klar geworden: Augmented Reality und Virtual Reality sollen das soziale Netzwerk auf ein neues Level heben. Virtuelle Objekte erobern die Realität, und statt uns nur per Kommentarspalten und Nachrichten miteinander zu unterhalten, begegnen sich unsere Avatare in den Facebook Spaces.

Gestern ging die F8 im kalifornischen San José zu Ende – und sie hat auch über die Eröffnungskeynote von Mark Zuckerberg hinaus einen Blick auf die zukünftige Strategie des Konzerns möglich gemacht, unter anderem in den vielen Sessions, in denen es um neue Funktionen und andere anstehende Änderungen an der Plattform ging. Was sich daraus lesen lässt?

Erstens: Facebook kopiert Snapchat weiter tot. Offiziell wurde der Messenger auf der F8 gar nicht erwähnt. Was Facebook aber an Augmented-Reality-Ideen gezeigt hat, hatte Snapchat nur wenige Stunden vorher als „Welt-Linsen“ vorgestellt. Für Facebook ist es die x-te Kopie nach Masken, Geofiltern, Storyfunktion und anderen Ideen. Facebook verfolgt ganz offenbar die Strategie: Wer sich nicht kaufen lässt, wird totkopiert.

Regina Dugan

Facebooks Zukunftsbeauftragte Regina Dugan stellt ein Projekt vor, in dem ein Team aus 60 Personen daran forscht, Menschen mit Hilfe von Sensoren Texte direkt aus ihrem Gehirn in Computer eintippen zu lassen.

Zweitens: Facebook macht es wie Google – und entwickelt in alle Richtungen gleichzeitig. Die Google-Mutter Alphabet betreibt das Forschungslabor „X“, Facebook die Zukunftsabteilung „Building 8“. Deren Chefin, die Wissenschaftlerin Regina Dugan, hat auf der F8 Technologien vorgestellt, die es möglich machen sollen, „mit dem Hirn zu tippen“ und „mit der Haut zu hören“. Facebook arbeitet außerdem an Hardware: Auf der F8 gab es hauseigene 360-Grad-Kameras zu sehen. Und Techniker arbeiten an kabelloser Datenübertragung, die Dutzende Gbit/s schnell sein soll.

Drittens: Facebook wird den Messenger gehörig aufbohren. Der Messenger ist schon lange kein reines Abbild der Nachrichtenfunktion mehr. Er wird eine Reihe weiterer Features erhalten: eine Suchfunktion für Bots, einen Scanner für QR-Codes, noch mehr Spiele, aber auch eine Reihe von Erweiterungen, die sich automatisch „in den Chat einklinken“ können. Facebook will den Messenger zu einer Art „westlichem WeChat“ machen. In Asien wird WeChat nicht nur für die Kommunikation genutzt, sondern auch, um Rechnungen zu bezahlen, Flugtickets zu buchen oder Stars zu folgen.

Viertens: Facebook will in die Arbeitswelt vordringen. Schon seit einer Weile gibt es das Businesstool „Workplace“. Es handelt sich dabei um eine Art geschlossene Version von Facebook für Firmen – ein soziales Netzwerk fürs Intranet sozusagen, in grau statt in blau gehalten, aber mit einer Reihe bekannter Funktionen aus Facebook selbst. Eine Basisversion dieses Tools bietet Facebook in Zukunft kostenlos an.

Mark Zuckerberg vor der Zehn-Jahres-Roadmap

Die Zehn-Jahres-Roadmap: Mark Zuckerberg präsentiert auch in diesem Jahr den Plan für die weitere Entwicklung von Facebook als Plattform.

Fünftens: Facebook sucht neue Möglichkeiten zur Monetarisierung. Geld macht Facebook vor allem mit perfekt auf uns zugeschnittener Werbung. Augmented und Virtual Reality könnten neue Möglichkeiten bieten. Dazu könnten Erweiterungen gehören, die innerhalb der virtuellen Welten wie Apps funktionieren, aber eben Geld kosten. Facebook könnte damit theoretisch einen komplett neuen Markt erschaffen – ähnlich, wie es Apple und Google mit ihren App Stores fürs Smartphone gelungen ist.

Sechstens: Facebook erkennt seine Verantwortung an – aber nur äußerst zögerlich. „Wir haben da noch viel Arbeit vor uns“, sagte Mark Zuckerberg zu Beginn seiner Eröffnungskeynote – und bezog sich dabei auf das Mordvideo aus Cleveland. Auch auf das Thema Falschmeldungen ging er ein: Facebook wolle zu einer besser informierten Gesellschaft beitragen. Ein kurzer Moment der Einsicht – bevor es zurück in den ungebremsten Plattformoptimismus ging. Da muss aus meiner Sicht noch mehr kommen. Aber immerhin: Der massive öffentliche Druck trägt wohl Früchte.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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