Facebook, der Datenstaubsauger

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Facebook, der Datenstaubsauger

Kommentare zum Artikel: 18

Jetzt hat Facebook also eins auf die Finger bekommen: Das Bundeskartellamt wirft Facebook offiziell den Missbrauch seiner Marktposition vor. Der US-Konzern sammle zu viele Daten – und das mitunter sogar ohne Zustimmung. Konkret geht es um die blauen “Like”-Daumen, die man nahezu überall im Web sehen kann, um einzelne Beiträge zu liken. Was viele nicht wissen: Die schiere Präsenz der Daumen versorgt den US-Konzern mit Nutzerdaten, selbst wenn der “User den Button nicht mal berührt”, wie das Kartellamt vollkommen zu Recht beklagt.

Facebook bereitet entscheidende Veränderungen vor; Rechte: dpa/Picture Alliance

Facebook sammtelt Daten im großen Stil – überall im Web

Unkontrollierte Datensammelei

Das ist allerdings nichts Neues, sondern seit Jahren bekannt – und schon lange gängige Praxis. Das einzig Entlastende, was man über Facebook sagen kann, ist: Auch andere Netzwerke wie Google+, Twitter oder LinkedIn machen das so. Allerdings haben sie weder dieselbe Verbreitung wie Facebook, noch vergleichbare Nutzerzahlen. Deshalb ist der Effekt dieser Praxis bei den anderen Netzwerken nicht so groß. Es ist daher vollkommen korrekt, sich erst mal den größten Anbieter rauszupicken.

Was antwortet Facebook auf die Kritik? Man habe keine marktbeherrschende Stellung. Aha. Ist das so? Mit rund zwei Milliarden Usern weltweit darf Facebook wohl als marktbeherrschend gelten, denke ich. Abgesehen davon sollte das gar nicht der springende Punkt sein. Der springende Punkt ist, dass Facebook die Daten der User sammelt – ungefragt, unkontrolliert und unaufhörlich. Welche Daten da gesammelt werden, was mit ihnen passiert und welche Auswertungen gemacht werden – keiner erfährt es. Das ist und bleibt das Geheimnis von Facebook.

Die Politik muss dem ein Ende setzen

Genau das dürfte nicht sein. So gesehen ist es zwar löblich, dass sich die Kartellbehörde der Sache annimmt. Allerdings ist es ein Versäumnis der Politik, dass so etwas überhaupt zulässig ist oder zulässig sein könnte. Es müsste unzweifelhaft klar sein: Ohne Zustimmung der User dürften keine Daten erhoben, gespeichert und ausgewertet werden. Ganz besonders nicht auf Webseiten, die nicht von Facebook betrieben werden, denn dort kann ein normaler User unmöglich damit rechnen, dass Facebook seinen Datenstaubsauger aktivieren kann.

Die Message ist also klar: Facebook bestreitet keineswegs, dass ungeheure Datenmengen gesammelt werden. Facebook versucht lediglich den Eindruck zu erwecken, keine marktbeherrschende Stellung zu haben. Das sollten genug Alarmsignale für die Politik sein: Wir User brauchen dringend Transparenz – und Mitspracherecht, was die Erhebung und Verwertung unserer Daten betrifft.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

18 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    “…, aber nicht die einzige, die denkbar ist.”:
    Nein, sicher nicht, aber ganz gewiß die einzig moralisch und ethisch und sozial gebotene UND dem Auftrag des WDR als öffentlich-rechtliche (!) Anstalt einzig angemessene angesichts des Charakters von facebook als eines komplett ASOZIALEN Netzwerks – vom Dauer- und Komplettausspionieren und -überwachen über die Förderung von Cybermobbing bis zum nach wie vor! – Dulden von Haßmails und Fakennews!

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Ich bitte um Entschuldigung: Die o.a. Nachricht gehört unten hin als Antwort auf “Jörg Schieb 20.12.2017 10:27 Uhr”…!

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    An sich bin ich versucht zu sagen: Wer Facebook “nutzt”, ist selbst schuld; kein Mitleid mit den Kontrollierten, Überwachten und Ausspionierten.
    ABER:
    1. Das Vokabular ist schon falsch: Die vermeintlichen NutzerInnen sind gar keine – sie WERDEN benutzt.
    2. “Selbst schuld” kann nur sein, wer sein resp. ihr Verhalten (noch) steuern kann – und das kann man von Suchtkranken und Abhängigen ja leider nicht (mehr) sagen….
    (Wer’s von sich selbst nicht glaubt, mache den Selbsttest auf OASIS = https : // www . onlinesucht – ambulanz . de / )
    Conclusio dennoch: Abstinenz und Boykott würden diesem und den anderen asozialen Netzwerken rasch den – mehr als verdienten – Garaus machen…

    • Das Argument könnte man immer anwenden: Wenn der Verbraucher nur “schlau” und “aufgeklärt” genug wäre, würde er diese Nudeln nicht kaufen, den Brotaufstrich meiden, jene Händler boykottieren etc. Das ist eine Möglichkeit. Aber es gibt auch die Möglichkeit, Regeln zu definieren – und die Einhaltung derselben einzufordern.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        “Regeln definieren” für den “richtigen” Umgang mit etwas, das nichts anderes ist als digitales Rauschgift mit Totalüberwachungsfunktion?, Ebenso gut könnte man , “Regeln” für den “richtigen” Umgang mit Heroin oder Crack oder der Stasi-Zentrale in jeder Hand- und Hosentasche fordern.
        Digitales Heroin und Stasi-Zentralen in Handtaschen sind eben keine Nudeln oder Brotaufstriche – das ist ein gefährlich verharmlosender Vergleich.

  3. anonymous am

    So ganz verstehe ich die Aufregung nicht. Das Datensammeln ist ja nicht neu. Was FB und Co. damit machen ist auch kein Geheimnis. Die Daten werden verkauft. Zur Erinnerung: Die GEZ hat schon vor Jahrzehnten Adresssätze an Quelle und Co. verkauft. Die meisten Menschen werden das gar nicht wissen.
    FB wird m.E. überbewertet. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis macht da kaum noch einer mit. Zu den “Milliarden Mitgliedern” gehören Millionen von Fake-Accounts.

    • Karteileichten gibt es immer. Laut Facebook gibt es aber zwei Milliarden monatliche Nutzer, also Menschen, die wenigstens ein, zwei Mal monatlich den Dienst nutzen. Außerdem haben wir die Werbeumsätze, die eine deutliche Sprache sprechen.

  4. “Wir User brauchen dringend Transparenz – und Mitspracherecht, was die Erhebung und Verwertung unserer Daten betrifft.”
    Wohl wahr – scheint tatsächlich aber doch kaum jemanden zu interessieren.
    Oder warum nutzen sonst so viele Windows10 (~28% Marktanteil) und/oder gehen mit dem Google-Chrome-Browser (~35% Marktanteil und Marktführer) online?
    Die sind, hinsichtlich ungerechtfertigter Datenschnüffelei und -sammelwut bzw. Profilbildung, nämlich keinen Deut besser als Facebook!

    • P.S.
      Warum, Herr Schieb, schreiben Sie hier nicht mal über einen “richtigen” Aufreger/Skandal, wie z. B. diesen hier:
      netzpolitik.org/2017/neue-ueberwachungsplaene-innenminister-will-hintertueren-in-digitalen-geraeten
      Dagegen wiederum, sind Facebook, Microsoft, Google & Co. die reinsten Chorknaben! :)

      • Ich schon! :)
        Siehe -z. B.- hier:
        edri.org/microsofts-new-small-print-how-your-personal-data-abused
        oder auch hier:
        arstechnica.com/information-technology/2015/08/even-when-told-not-to-windows-10-just-cant-stop-talking-to-microsoft
        und auch direkt von Microsoft:
        privacy.microsoft.com/de-de/privacystatement
        Daraus nur ein kleines Highlight:
        “… Da die für die interessenbezogene Werbung verwendeten Daten auch für andere Zwecke benötigt werden (einschließlich der Bereitstellung unserer Produkte, Analysen und der Betrugserkennung), wird durch ein ABMELDEN der interessenbezogenen Werbung das ERHEBEN dieser Daten NICHT BEENDET. …”.
        *lol*

  5. Jens Karsten am

    Und unter dem Artikel die Teile Buttons für Facebook, Twitter und Google+

    Nachrichten und Infos des WDR über WhatsApp (gehört zu facebook)

    Hallo WDR…. geht es noch?

    Ich wette es kommen wieder Ausreden des über Zwangsgelder finanzierten WDR.

    Seit doch mal Vorbild!

    • Die Buttons auf der WDR-Seite waren schon immer so angelegt, dass eben keine(!) Infos an Facebook und Co. gehen, bloß weil man die Webseite öffnen. Das hat der WDR schon sehr früh so gehandhabt und war damit durchaus Vorbild. Sich komplett aus Facebook etc. zurückzuziehen wäre eine mögliche Konsequenz, ist aber nicht die einzige, die denkbar ist.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        „…, aber nicht die einzige, die denkbar ist.“:
        Nein, sicher nicht, aber ganz gewiß die einzig moralisch und ethisch und sozial gebotene UND dem Auftrag des WDR als öffentlich-rechtliche (!) Anstalt einzig angemessene angesichts des Charakters von facebook als eines komplett ASOZIALEN Netzwerks – vom Dauer- und Komplettausspionieren und -überwachen über die Förderung von Cybermobbing bis zum nach wie vor! – Dulden von Haßmails und Fakennews!

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