Facebook eröffnet ein Löschzentrum in Essen

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Facebook eröffnet ein Löschzentrum in Essen

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Deutschland soll noch in diesem Jahr ein zweites Facebook-Löschzentrum bekommen. Neben den bald 700 Mitarbeitern in Berlin sollen 500 weitere Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen eingestellt werden. Dazu gehören auch mehr deutschsprachige Prüfer. Das hat Facebook gerade auf seiner Unternehmensseite bekanntgegeben.

Das Team soll von Essen aus arbeiten und im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Facebook will das neue Löschzentrum nicht selbst betreiben, sondern dafür mit dem Callcenter-Unternehmen CCC aus Wien zusammenarbeiten, das einen seiner Standorte in Essen hat.

In der Pressemitteilung zitiert Facebook auch Ministerpräsident Armin Laschet, laut dem damit künftig auch aus Nordrhein-Westfalen „ein wesentlicher Beitrag zur Netzsicherheit und zur Kommunikationskultur im Internet“ geleistet werde. Laschet habe in Gesprächen mit Facebook deutlich gemacht, dass das Ruhrgebiet der beste Ort sei, „mehrsprachige Fachkräfte mit hoher interkultureller Kompetenz zu finden“.

Facebook-Löschzentrum

Das Facebook-Löschzentrum der Bertelsmann-Tochter Arvato in Berlin: An diesem Standort sollen bis Ende des Jahres 700 Mitarbeiter arbeiten – die Zusammenarbeit mit Arvato will Facebook fortsetzen.

Die 500 Mitarbeiter bezeichnet Facebook als ersten Schritt. Sie sind Teil einer Maßnahme, die Mark Zuckerberg Anfang Mai angekündigt hatte: Statt der bisher rund 4.500 Menschen in den Löschzentren weltweit sollen sich in Zukunft 7.500 Mitarbeiter mit dem Löschen von Inhalten beschäftigen, die gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen – und in Deutschland bald auch vermehrt mit strafrechtlich relevanten Inhalten, so wie es das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Heiko Maas ab Herbst vorsieht.

Die Frage liegt nahe, ob der Vertrag mit CCC auch deshalb zustande kam, weil Facebook mit der Bertelsmann-Tochter Arvato unzufrieden ist. Doch da winkt Facebook ab: Das Arvato-Löschzentrum in Berlin bleibe bestehen. Zuletzt gab es immer wieder Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen dort, weshalb Facebook zuletzt erstmals Journalisten in die streng abgeschirmten Büros ließ – auch ich war dort.

Zum Thema Arbeitsbedingungen äußert sich deshalb auch ein Vertreter von CCC in der Ankündigung: „Durch regelmäßigen Austausch und Schulungen, intensive Kurse und weitere Unterstützung werden unsere Mitarbeiter gut auf ihre bevorstehende Aufgabe vorbereitet.“ Facebook selbst schreibt, es werde sicherstellen, „dass die Teams die notwendige Unterstützung erhalten, sei es durch Prozesse, die eine schnellere Eskalation bei schwierigen Entscheidungen ermöglichen oder die psychologische Betreuung und Unterstützung, die sie gegebenenfalls benötigen.“

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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