Facebook gegen Falschmeldungen – was plötzlich alles möglich ist

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Facebook gegen Falschmeldungen – was plötzlich alles möglich ist

Kommentare zum Artikel: 8

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dazu gehört in der Coronavirus-Pandemie, dass die Digitalkonzerne ihren Beitrag leisten: Netflix und YouTube drosseln die Videoqualität. Die Telekom liefert Bewegungsdaten ans Robert-Koch-Institut. Facebook wirbt mit seinen Maßnahmen gegen Falschmeldungen.

Gerade die Maßnahmen bei Facebook sind einen genaueren Blick wert, denn sie zeigen ein ernsthaftes Bemühen, Falschmeldungen über das Coronavirus einzudämmen.

Coronavirus-Hinweise

Facebook und Instagram räumen den Platz ganz oben im Newsfeed frei.

Werbung für Desinfektionsmittel, Covid-19-Testkits oder Schutzmasken sind verboten. Ganz oben im Newsfeed führen Links zur Weltgesundheitsorganisation oder zu lokalen Behörden. Auf einer eigenen Informationsseite trägt Facebook Inhalte ausschließlich seriöser und anerkannter Medienhäuser zusammen.

Auch, wer nach dem Begriff “Coronavirus” sucht, bekommt einen Hinweis darauf angezeigt, wo es verlässliche Informationen zu finden gibt. Falschmeldungen, die von der WHO oder Behörden gemeldet werden, werden zum Teil sogar gelöscht.

Selbst in WhatsApp wird Facebook aktiv

Sogar innerhalb von WhatsApp – wo die Chats verschlüsselt sind und nicht einmal Facebook als Anbieter mitlesen kann – geht das Unternehmen gegen Falschmeldungen vor: Es verschafft der Weltgesundheitsorganisation die Möglichkeit eines Newsletter-Systems, die vor einigen Monaten noch weltweit abgeschafft wurde.

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WhatsApp ruft auf einer eigenen Seite zum Coronavirus außerdem dazu auf, keine Nachrichten weiterzuleiten, von denen nicht sicher ist, ob sie stimmen. Und Facebook investiert eine Million US-Dollar in ein Förderprogramm für Faktenprüfer.

Mehr automatische Erkennung heißt auch: mehr Fehler

Bei all diesen Maßnahmen geschehen auch Fehler, zumal auch Facebook den Betrieb zurzeit auf Sparflamme fährt und viele im Homeoffice arbeiten. Man werde “verstärkt automatisierte Technologien einsetzen, um unzulässige Inhalte zu erkennen”, heißt es von Facebook – und tatsächlich arbeiten diese Technologien nicht fehlerfrei.

Einige Nutzermeldungen würden zurzeit außerdem nicht mehr geprüft. Und Einsprüche gegen zu Unrecht gelöschte Inhalte sind aktuell wirkungslos.

Trotzdem ist bemerkenswert, was Facebook da gelingt – denn unter den Maßnahmen befinden sich auch Punkte, die Kritiker von Facebook lange gefordert hatten. Oder wie es die Journalistin Nicole Diekmann treffend formuliert: “Entlarvend, wie viel vorher schon möglich gewesen wäre, als es noch nicht so klar um Leben und Tod ging wie jetzt.”

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

8 Kommentare

  1. Andreas Bohlus am

    Widerlich, wie hier der Zensur das Wort geredet wird- und das von jemandem, der mit Worten Geld und als vierte Macht im Staate genau das verhindern sollte. Schämen Sie sich nicht, Herr Horn?

  2. Schlimm, dass sich westliche Staaten anlässlich der Coronakrise in dieser Weise an China annähern, statt da, wo es mit der Bekämpfung der Seuche erfolgreich war! “Seriöse und anerkannte Medienhäuser” heißt: ein festgefügtes Kartell, das in eingen Punkten einer mehr oder minder strikten Agenda folgt. Mit Unterdrückung von Nachrichten, die nicht ins Konzept passen, ich erinnere nur an die Silvesterübergriffe Köln 2015/16, und auch an die Corona-Berichterstattung, wo lange durchweg öffentlich Verkehrsmittel für sicher und Gesichtsmasken für unsinnig erklärt wurden. Wahrscheinlich für einen “guten Zweck”, dass letztere der medizinischen Versorgung zur Verfügung stehen, aber trotzdem manipulative Falschaussage im Sinne einer vorgegebenen Agenda (die je nachdem als “Verantwortung” oder anderswo auch “Haltungsjournalismus” genannt wird). Ich habe lieber ein freies Facebook und Youtube, mit tausenden von Müllinhalten, wo einige wenige Infos drin sind, die vom Mainstream unterschlagen werden, als die Degeneration von Youtube und Google zu reinen Presseindizies und Paywall-Suchmaschinen!

    • Dennis Horn am

      @BBI: Ein “festgefügtes Kartell”, das einer “mehr oder minder strikten Agenda” folgt, würde Ihren Kommentar an dieser Stelle vermutlich löschen. ;) Hier bleibt er dagegen stehen, weil er gegen keine unserer Blogregeln verstößt. Für mich erübrigt sich allerdings eine Diskussion, weil ich nicht wüsste, wie ich mit jemandem zusammenkomme, der eine freie Medienlandschaft in die Nähe autokratischer Systeme rückt. Aber das ist ein anderes Thema.

  3. Da hat man wohl selbst im Hause Facebook Muffensausen bekommen. Es wäre schön, wenn Facebook seine Plattform ständig so sauber halten würde.

  4. B. Franke am

    Noch am 14. März verbreitete das Bundesgesundheitsministerium über Twitter:
    “Achtung Fake News – Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.”.
    Und nur acht bzw. neun Tage später, traf genau DAS ein! Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, gab es bundesweit (nicht nur in Heinsberg) schon eine Vielzahl Infizierter und auch Toter.
    Wem soll bzw. kann ich noch irgendetwas glauben?

    • Dennis Horn am

      @B. Franke: Ich neige dazu, den Begriff “Fake News” möglichst gar nicht zu verwenden, weil er durch die entwertet wurde, die ihn als Waffe benutzen, um missliebige Inhalte zu diskreditieren. Was in der Regel Thema ist, wenn es um “Fake News” geht, ist gezielte Desinformation. Davor hat auch das Bundesministerium für Gesundheit mit seinem Tweet (für alle als Kontext übrigens zu finden unter https://twitter.com/BMG_Bund/status/1238780849652465664) gewarnt.

      Den Tweet selbst würde ich nicht als solche, sondern eher als misslungene Kommunikation werten. Daraus nun die Frage zu stricken, wem man noch irgendetwas glauben solle oder könne, halte ich für schwierig.

      An sich führt diese Debatte aber weit weg vom Thema dieses Beitrags in Digitalistan – mit dem Verweis auf die Blogregeln fände ich es gut, wenn wir dabei bleiben könnten.

      • B. Franke am

        es wurde der BMG-Tweet abgesetzt – ein paar Tage später geschieht, was der Tweet noch als Fake-News/Falschmeldung abtat – ich stelle/stricke mir daraus eine Frage, die Sie für schwierig halten und mit einem Netiquettenhinweis beantworten – Sie werten das eher als misslungene Kommunikation – sehe ich jetzt auch so – schönen Dank.

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