Facebook ist nicht der einzige Datensünder

https://blog.wdr.de/digitalistan/facebook-ist-nicht-der-einzige-datensuender/

Facebook ist nicht der einzige Datensünder

Kommentare zum Artikel: 13

Dass Daten der Rohstoff des 21. Jahrhunderts sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Umso erstaunlicher, dass wir weitgehend tatenlos zusehen, wie sich einige wenige, zumal amerikanische Unternehmen so viele Daten besorgen wie sie nur können. Deshalb begrüße ich ausdrücklich die Maßnahmen des Bundeskartellamts, Facebook die rote Karte wegen der unkontrollierten Datensammelei zu zeigen. Das sei ein „Missbrauch der Marktmacht“, urteilt das Amt. Zweifellos. Am Dienstag (02.01.2018) hat die Behörde noch mal nachgelegt und Konsequenzen angedroht, wenn Facebook seine Praktiken nicht ändert.

FacebookDie Kartellbehörde nimmt Facebook genauer unter die Lupe

Auch Werbenetzwerke sammeln im großen Stil

Es geht nicht nur um die Daten, die Facebook im eigenen Dienst sammelt, sondern um die Daten, die außerhalb von Facebook, WhatsApp und Instagram gesammelt werden – auf Millionen Webseiten, die durch blaue Daumen mit Facebook verbundensind. Dabei fallen Daten an, ohne Zustimmung der Benutzer, ohne dass sie es überhaupt wissen. Deshalb ist es sehr interessant, wie die Sache in diesem Jahr weitergeht. Denn: Facebook ist in dieser Art der Datensammelwut nicht der einzige Sünder. Es gibt sehr viele. Vor allem Werbenetzwerke.

Werbenetzwerke setzen Cookies – und das ebenfalls auf Millionen von Webseiten. Sie nutzen diese Cookies nicht etwa nur dazu, sich zu merken, ob eine bestimmte Anzeige schon mal gezeigt wurde. Das könnte man ja noch verstehen und vielleicht auch verzeihen. Nein: Die Werbenetzwerke bekommen ebenso wie Facebook mit, auf welchen Webseiten sich ein User aufhält, wie lange er auf einzelnen Webseiten verweilt, welche Suchbegriffe er eingibt und vieles andere mehr. Nur deshalb bekommen wir Hotels in Paris angeboten, wenn wir uns irgendwo einen Reiseführer Paris angeschaut haben.

Mehr Transparenz erforderlich

Zwar können User durch Deaktivieren/Blocken von Cookies diese Macht ein wenig ausbremsen. Aber im Zweifel kann ein unerfahrener User gar nicht beurteilen, was er blocken müsste, um nicht beobachtet zu werden. Deshalb sind die Forderungen der Kartellbehörde genau richtig: Es braucht (a) die generelle Zustimmung des Users für das Datensammeln, (b) völlige Transparenz (was wurde dann gesammelt und welche Schlüsse werden daraus gezogen?) und (c) die Möglichkeit, alle oder ausgewählte Daten löschen zu lassen.

Das neue Jahr 2018 startet also vielversprechend – wenn man sich für Datenschutz engagiert. Und damit ist gemeint, dass jeder selbst bestimmen können soll, was andere über ihn oder sie wissen dürfen und was nicht.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Ich glaube, die schreiber hier wissen teilweise nicht so wirklich, was bei FB so abgeht? Darum läuft alles …
    Es geht nicht darum ob oder wer etwas postet und oder lecker findet.

    Eher, wer mit wem echte Daten austauscht. Ist derjenige authentisch? sprich eine reale Person (kein sogenannter Fake) weil derjenige FB Geld für werbeeinnahmen einspielt.

    Tools sind irrelevant, leider … Weil FB Tools besser sind. siehe das FB Pixel. Das sogar nicht user von FB trackt.

    da stellen hatespeech und andere dinge eher die ausnahme dar, die aber gut und gerne ablenkt. Vom eigentlichen Problem der kontrolle von FB.

    ob geklickt wird oder nicht spielt keine rolle. denn für FB zählen die social media Buttons auf einer web seite. da es die fast überall gibt, weiß FB auch fast alles. aber das ist ja dem allgemeinen FB user egal oder er/sie weiß es nicht.

    nochmals kurz .. es ist egal ob irgendwer eine FB account hat oder nicht, FB trackt auch die nicht user.

    das ist das Problem.

    die Augenwischerei du kannst ja deine privaten Einstellungen tätigen ist schön und gut, aber das oben genannte wird damit nicht aus den angeln gehoben.

    es gäbe noch so viel zu schreiben, aber irgendwie laufe ich gegen Mühlen. FB User sind in ihrer Welt denen ist es egal oder sie wissen es nicht.

  2. Reinhard Frielinghaus am

    Hallo Jörg S.
    Ich bin ein Fan von fb. Ich poste (wenn auch nicht täglich) in fb und schaue aber täglich rein. Und habe natürlich einen fb-Account von einem gewissen Jörg S. aboniert;-)
    Wenn fb so „schlimm“ ist – warum unterhalten Sie dann selber einen fb-Account? Ich trage z.Z. diverse Info´s zusammen, wie man sicher mit fb umgehen kann / soll. Geht es hier wirklich nur um Werbung? Wenn ich mal eine Woche nicht zu Hause bin habe ich im Briefkasten einen riesen Stapel Werbung. Und das nervt mich viel mehr. Bisher habe ich immer gesagt…….Jörg Schieb hat auch einen Account – also so schlimm kann fb nicht sein.

    • Diese Rhetorik ist bekannt. Ich sage nicht, dass Facebook „schlimm“ ist, sondern, dass die Spielregeln nicht in Ordnung sind. Ich setze mich dafür ein, dass mehr Transparenz und Mitbestimmung und auch Kontrolle erfolgt. Würde das einen Dienst, die man für gut befindet, nicht besser machen? Ich denke schon. Man kann für oder gegen Tempolimit sein – und trotzdem Auto fahren.

    • Hallo. Ja, es geht hier nur um Werbung was Sie Posten oder nicht ist egal. solange Sie im FB Universum online sind und spuren hinterlassen. Ist alles OK.

      Sie tragen diverse Infos zusammen, wie man sicher mit FB umgehen kann? Na dann bin ich mal sehr gespannt. FB geht mit Ihnen um und Sie werden nicht weiter gefragt.

      Sie sind immerhin das Datenobjekt. Es geht darum, was Sie posten liken, teilen… mit wem Sie befreundet sind . Welchen Status Sie haben, wieviel Geld Sie verdienen, welche Politische Ausrichtung haben, sogar welche Sexuelle Orientierung Sie haben und vieles mehr.

      Sie persönlich sind irrelevant, ich auch, aber egal. Es geht ums Geld, wie fast immer.

      Ich meine auch Sie Herr Reinhard Frielinghaus. Sie sind ’nur‘ das Mittel zum Zweck. Entschuldigen Sie bitte meinen Post. Aber der ist Ehrlich gemeint und auch Fakt. Sie dürfen mir auch gerne antworten.

      Ich würde mich freuen von Ihnen zu lesen.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Wie ja nun weiß Gott landauf, landab und seit Jahren und nicht nur, aber viele Male in Digitalistan verbreitet, ist es mit den Daten so ähnlich wie mit dem Müll oder mit dem Verkehr: Wenn zu viel davon da ist, kann es zuvörderst nur darum gehen, Müll, Verkehr oder eben auch Daten von vornherein zu VERMEIDEN – und zwar schon die Erzeugung, mindestens aber die Verbreitung bzw. die Zulassung der Verbreitung.
    Und, so gesehen, sind nicht dieses „Facebook“ und seine Spießgesellen und Komplicen in Gestalt der pestilenzartig sich ausbreitenden asozialen Netzwerke die wahren „Datensünder“ – sondern schlicht die sog. „Nutzer/innen“, also die, die GLAUBEN, NutzerInnen zu sein, in Wahrheit aber BENUTZTE sind, die mit abhängig und suchtkrank machenden Methoden dazu verlockt werden, immer mehr und immer neue Informationen über sich selbst preiszugeben…
    Darauf angesprochen, antworten viele, ja, sie wüßten das, aber sie könnten ja „nichts dagegen machen“, denn man (!) sei ja heutzutage auf die – von den Benutzten so genannten „sozialen“, in Wahrheit aber ASOZIALEN Medien „angewiesen“: „Ohne geht es ja gar nicht mehr!“
    Diese Aussage wird von den Betroffenen allerdings überhaupt nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, und die Betroffenen wagen es auch nicht, die ABSTINENZ einfach einmal auszuprobieren.
    Und zwar aus exakt denjenigen Ängsten heraus, die alle Suchtkranken haben, wenn man ihnen ansinnt, auf ihr Suchtmittel zu verzichten: Die Ängste vor einem tiefen schwarzen Loch – da kann man jede Alkoholikerin und jeden Crystal-Meth-Junkie fragen.
    Aus den genannten Gründen werden also wohl auf nicht absehbare Zeit weiterhin die intimsten Daten ins Netz posaunt und werden die Profitgier der Datenkraken befriedigen….
    Daran werden auch Gesetzgebung und Rechtsprechung ebensowenig ändern wie am Alkoholabusus….
    Das ist besonders bitter mit anzusehen für einen wie mich, der ohne alle diese digitalen Sucht- und Überwachungsmittel lebt, bestens zurechtkommt und ohne den Tunnelblick der Abhängigen die Realität der Abhängigkeit, der Überwachung und der Folgen wahrzunehmen vermag…

  4. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auf den Seiten des WDR die Möglichkeit, besagte blaue Daumen etc für Twitter, Facebook und Konsorten einfach mit einem Schiebeschalter zu deaktivieren.
    Wenn Euch doch schon auffällt, dass damit von allen Lesern Daten gesammelt werden, dann verstehe ich erst Recht nicht, warum Ihr diese Opt-Out-Funktion wieder entfernt habt.
    Witziger weise gibt es diese Like-Buttons ja sogar auf dieser Meldungsseite… Ohje…

    • Die eingebettete Grafik kommt vom WDR-Server. Das bedeutet: Facebook wird NICHT mit Daten versorge, bloß weil die Grafik angezeigt wird (wie auf Webseiten, die den Standard-Daumen von FB integrieren). Wenn man KLICKT, gibt es natürlich einen Datenfluss. Aber das ist jedem klar.

      • Gut, dass das Thema mal auf den Tisch kam, da habe ich wieder etwas gelernt. Das ist wirklich eine elegante Lösung. Vielen Dank also für Deine Rückmeldung und Euren Service !

  5. Wolfgang am

    Lieber Jörg!
    Dein Ruf verhallt (nahezu) ungehört im WWW.
    Frag doch mal die typischen User von Facebook und dem ganzen Social Network Krempel was mit ihren Daten geschieht? Die interessiert das gar nicht! Warum wohl gibt es in Deutschland und in vielen anderen Ländern dieser Welt keine Volkszählung mehr? Der Staat bekommt Alles freiwillig und noch viel detailierter frei Haus und ohne Kosten geliefert. Aber das scheint auch irgendwie die Meisten unter uns nicht zu interessieren. Ignoranz und Dummheit in beängistigender Kombination!

  6. Unterlässt es Whatsapp wenigstens inzwischen, auf die Adressbücher der Nutzer zuzugreifen? Denn so kommt Whatsapp an Daten von Usern, die dem nicht zugestimmt haben. Eigentlich macht sich auch jeder strafbar, der sein Adressbuch freigibt und vorher nicht die Erlaubnis der Menschen eingeholt hat, die im Adressbuch stehen.

  7. Die o. g. „Datensünder“ machen mir keine Angst – die sind mit entsprechenden Konfigurationen und Tools in den Griff zu bekommen bzw. nahezu gänzlich einzudämmen.
    Das Grauen überkommt mich aber, wenn ich sowas lese:
    „Die Industrie soll dem Staat exklusive Zugriffsrechte einräumen, etwa bei privaten Tablets und Computern, Smart-TVs oder digitalisierten Küchengeräten.“ (*)
    Dagegen hilft dann wohl auch keine sog. „Medienkompetenz“ mehr, sondern nur noch totale Internetabstinenz!? :(

    (*)Quelle:
    rnd-news.de/Exklusive-News/Meldungen/November-2017/De-Maiziere-will-Ausspaehen-von-Privat-Autos-Computern-und-Smart-TVs-ermoeglichen

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top