Facebook lässt uns als Thema nicht los

https://blog.wdr.de/digitalistan/facebook-laesst-uns-als-thema-nicht-los/

Facebook lässt uns als Thema nicht los

Kommentare zum Artikel: 2

Da muss Facebook jetzt durch, obwohl wir im Grunde genommen nun über die gesamte Branche und die Probleme von Datenzentralisierung und -auswertung im Gesamten diskutieren. Doch Facebook macht das besonders intensiv und besonders erfolgreich (wirtschaftlich) – und muss nicht zuletzt aufgrund des Cambridge-Analytica-Skandals nun als Beispiel herhalten. Nicht als Sündenbock, denn Facebook ist und bleibt ein Sünder. Es trifft also durchaus den Richtigen.

Facebook bereitet entscheidende Veränderungen vor; Rechte: dpa/Picture Alliance

Facebook bläst der Wind derzeit mächtig ins Gesicht

Auch Deutsche betroffen – und das ist gut so

Mittlerweile wissen wir, dass auch rund 310.000 Deutsche betroffen sind. Das ist zwar eine Schätzung und es ist auch nicht so tragisch wie bei den Amerikanern und Briten, deren Daten konkret genutzt wurden. Aber dennoch: Es sind deutsche User betroffen – und das ist fast gut so, damit die Politik mal wirklich in Bewegung kommt. Bundesjustizministerin Barley beklagt völlig zu Recht, dass es ein Unding ist, dass die Betroffenen bis heute(!) nicht von Facebook informiert wurden. Über drei Jahre später. Ein eindrucksvoller Beleg für die desolate Haltung und die Verantwortungslosigkeit von Mark Zuckerbergs Unternehmen.

Manche wie der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz fordern nun eine Entflechtung von Facebook. Also eine „Zerschlagung“ in Facebook, Instagram und Whatsapp – wenigstens. Denn dadurch würde der Datenstrom zumindest nicht noch weiter vorangetrieben. Klingt nach einer guten Idee, dürfte aber am Ende nicht allzu viel bringen. Wir haben ja gesehen, welche Datenmengen an App-Anbieter Dritter gelangen. Eine Entflechtung ist also nur in Kombination mit sehr strengen Vorschriften effektiv, welche Daten wann wie geteilt werden dürfen. Denn das ist die eigentliche Crux: Das wird viel zu lasch gehandhabt – und gar nicht kontrolliert.

Der Datenskandal um Facebook: Jörg Schieb im Tagesthemen-Interview

Datenethik nötig: Fünf Vorschläge gegen Datenmissbrauch

Das mit der Regulierung wird nicht so einfach sein. Es braucht eine Modernisierung des Wettbewerbs-, Fusions- und Kartellrechts unter anderem. Wir müssen uns auch Gedanken über ethische Fragen machen. Es braucht eine Art Datenethik. Yannek Haan hat hier fünf Vorschläge gegen Datenmissbrauch gemacht. Sehr gute Vorschläge, die sich die Politik insgesamt unbedingt in die Bücher schreiben sollte. Er fordert zum Beispiel ethtische Grenzen für Datenvorhersagen, denn manche Datenvorsagen sind gut (Wetter), andere nicht (Kreditfähigkeit). Ebenso sollte es individualisierte Auswertungen nur bei gesellschaftlichem Nutzen geben.

Genau! Das ist derzeit nicht der Fall: Wir alle zahlen – mit unseren Daten. Und ausschli8eßlich Facebook profitiert.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Es sollte nicht darum gehen, ob Facebook uns losläßt, sondern ob wir Facebook loslassen!
    Wenn wir DAS tun, ist es bald vorbei mit Facebook und seiner angeblichen Macht.
    Dafür streite ich nach wie vor.
    Vielleicht werden ja doch einige erreicht und steigen aus und bleiben dann auch konsequent und werden nicht rückfällig:
    Es gilt für die Online-, Smartphone- und „Social“-Media-Sucht nichts anderes als für die stoffgebundenen Süchte.

  2. „Wir alle zahlen – mit unseren Daten. Und ausschli8eßlich Facebook profitiert.“

    Halllooo? Das ist jetzt nicht ernst gemeint, oder?
    Unter Ihrem Artikel finde ich unter anderem einen FB-Teilen-Button. Wieso betreibt der WDR einen FB-Auftritt, ohne davon zu profitieren? Ist oben zitiertes Fazit naiv oder heuchlerisch?
    Der gebührenfinanzierte WDR ist leider nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Durch seine inhaltlichen Beiträge macht er die Saugnäpfe einer US-Datenkrake noch attraktiver und erweckt den Anschein, das sei OK so. Ich nenne das selbst verschuldete Unmündigkeit. Aufklärung tut not.
    Es gibt Alternativen zu FB, etwa Diaspora als verteiltes, auf freier/libre Software basierendes System seit 2010, auf dem sich lange nur scheinbar paranoide Spinner herumtrieben, aber wo sonst niemand war. Seit den Snowden-Enthüllungen in 2013 (erinnert sich noch jemand?) haben manche erkannt, dass die vermeintlich Paranoiden wohl doch eher IT-Experten sind. Aufklärung tut not.
    Wenn es sich jemand leisten kann, datenschutzfreundliche, eventuell akzeptable Alternativen zu US-Datenkraken zu bewerben und interessanter zu gestalten, dann doch wohl gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Wann finden wir Diaspora- oder GNU-Social-Buttons unter WDR-Angeboten? Das wäre sinnvoll angelegtes Geld.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top