Schach im Messenger – und das ist erst der Anfang

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Schach im Messenger – und das ist erst der Anfang

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Was für verrückte Dinge es gibt: Wusstet ihr, dass ihr im Messenger von Facebook Schach gegen eure Freunde spielen könnt? Gebt einfach mal statt einer Nachricht an einen eurer Freunde den Befehl @fbchess play ein – und schon zeigt der Messenger euch ein Schachspiel an, in dem ihr nun gegeneinander antreten könnt.

Leider ist das Spiel nur ein bisschen kompliziert zu bedienen. Ihr steuert die Figuren nämlich nicht per Fingerzeig, sondern in der im Schachspiel üblichen „algebraischen Notation“, die mal leicht verständlich und mal endlos kompliziert ist. Ein @fbchess e4 zum Beispiel rückt euren Bauern als Eröffnungszug auf Feld e4 vor, ein @fbchess cxd8S+ zieht den Bauern von Feld c7 auf Feld d8, verwandelt ihn in einen Springer und bietet Schach. Verstanden? Falls nicht, empfehle ich die Wikipedia zur Schachnotation.

Das Schachspiel ist übrigens nicht der einzige Befehl im Messenger. Weniger komplex ist der Befehl @dailycute, der euch einmal am Tag ein süßes Bildchen auswirft. Und ich glaube nicht, dass es bei diesen zwei Befehlen bleiben wird. Das ist erst der Anfang.

Schach im Messenger

Schach im Messenger: smarte Idee, komplizierte Umsetzung

Um zu erkennen, wohin die Reise geht, lohnt sich doch noch einmal ein Blick auf das soziale Netzwerk Peach, das Anfang Januar an nur einem Wochenende den kompletten Hype-Zyklus durchlaufen hat, von dem mittlerweile niemand mehr redet, das aber mit einer Funktion besonders geglänzt hat, nämlich den „magic words“: Kurzbefehlen, wie man sie ursprünglich aus dem Unternehmensmessenger Slack kennt und mit denen mehr möglich wird, als nur klassische Texte, Fotos oder Videos einzugeben.

Bei Peach lässt sich mit dem Befehl draw zum Beispiel etwas zeichnen und posten. Mit gif kann ich mich auf die Suche nach animierten GIFs machen. Mit song verhält sich Peach wie Shazam und identifiziert über das Mikrofon des Smartphones die Musik, die gerade zu hören ist. Wetterdaten, Kalender-Einträge, der aktuelle Aufenthaltsort – ein Blick auf die Liste aller Befehle zeigt, wie mächtig diese Idee werden kann.

Der Messenger als persönlicher Assistent

Die Kurzbefehle sind übrigens nur ein Teil der Pläne von Facebook. Der Messenger wird weiter aufgebohrt und zu einer Art persönlichem Assistenten für unseren Alltag. Über die App sollen wir Fahrten mit Uber buchen, Dinge einkaufen, mit Unternehmen kommunizieren, Reklamationen einreichen oder Liveticker bestellen können – mit dieser Funktion zum Beispiel sind in Deutschland schon die Kollegen der BILD aktiv.

Wisst ihr noch, wie genervt wir als Nutzer waren, als Facebook die Nachrichtenfunktion in eine eigene App ausgelagert hat? Mittlerweile ist klar, dass der Messenger, wie er jetzt aufgebaut ist, die klassische Facebook-App ganz einfach überfrachtet hätte. Die Strategie ist deutlich: Der Messenger wird zu einer eigenen Plattform. Facebook hat mit dieser App offenbar noch viel Großes vor – natürlich immer mit dem Hintergedanken, seine Nutzer noch stärker im walled garden einzuschließen, die Schotten zum offenen Netz weiter dicht zu machen und damit am Ende gutes Geld zu verdienen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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