Facebook nach dem Datenskandal – als wäre nichts passiert

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Facebook nach dem Datenskandal – als wäre nichts passiert

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Wie viele Nutzer werden nun davonlaufen? Wie viele Unternehmen werden Facebook den Rücken kehren? Wird das der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt? Das waren die großen Fragen nach dem Facebook-Datenskandal. Die Antworten darauf lauten: Es laufen kaum Nutzer davon. Nur eine gefühlte Handvoll an Unternehmen hat Facebook den Rücken gekehrt. Und das Fass scheint noch lange nicht voll.

Am eindrücklichsten zeigt das ein Blick auf den Aktienkurs von Facebook. Mit Beginn des Datenskandals vor genau zwei Monaten ging er von 150 Euro auf gut 120 Euro in den Keller. Facebook hat innerhalb von zehn Tagen rund 20 Prozent seines Wertes verloren. Mittlerweile ist der Aktienkurs wieder dort, wo er vor Beginn des Skandals war, und er kratzt zurzeit sogar an einem möglichen neuen Allzeithoch. Dem Unternehmen geht es offenbar hervorragend – fast schon, als wäre nichts passiert.

Es ist die alte Geschichte: Facebook wird unzählige Male totgeschrieben, Datenschützer äußern immer wieder ihre Bedenken, das Unternehmen verhält sich wie ein Elefant im digitalen Porzellanladen – und trotzdem kann ihm all das nichts anhaben. Die letzten Quartalszahlen haben sogar die Erwartungen übertroffen.

„Soziale Medien? Wie viel Macht Facebook wirklich hat“ – in Quarks geht Ranga Yogeshwar dieser Frage auf den Grund.

Wenn es also jemanden gibt, der die Probleme bei Facebook nicht klären wird, dann ist es der Markt. Zu stark der „Lock-in“-Effekt, der die Leute bei der Stange hält. Zu stark der Nutzen, den die gut 2,2 Milliarden aktiven Facebook-Mitglieder aus der Plattform ziehen. Und zu stark auch einfach die Tatsache, dass viele Nutzer Facebook den Rücken gar nicht kehren können – weil die Plattform zu einem wichtigen Pfeiler unserer Kommunikations- und Informationsinfrastruktur geworden ist.

Es ist eher die Politik, die für Facebook gefährlich bleibt – zumindest in der Theorie. Datenschutz-Grundverordnung und Netzwerkdurchsetzungsgesetz geben – bei aller Kritik an den Gesetzen selbst – einen Geschmack davon, was möglich ist. Die „Aussicht“ auf hohe Bußgelder und die Androhung weiterer Regulierung zwingen Facebook zu Zugeständnissen an die Nutzer. In vielen Ländern verfolgen Behörden weitere Regulierungspläne; auch hier in Digitalistan waren einige Ideen schon Thema.

Doch ob die Politik die Daumenschrauben wirklich weiter anzieht, ist fraglich. Nach der Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress ist es um Regulierungsfragen ruhiger geworden. Zuckerberg will nun auch vor EU-Parlamentariern aussagen – allerdings nicht in einer offenen Anhörung, sondern hinter verschlossenen Türen. Auch das riecht nicht danach, als müsse Facebook aktuell noch allzu harte Konsequenzen fürchten. Und so kommt Facebook nach dem größten Skandal seiner noch jungen Geschichte vielleicht doch noch mit einem blauen Auge davon – bei der Politik und bei den Nutzern.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

3 Kommentare

  1. Mark Zuckerberg lacht sich doch insgeheim kaputt. Alleine schon die Befragung in England und der Aufbau der Befragung. Das würde ich an seiner Stelle auch nicht ernst nehmen können. DSVGO hin oder her, ändern wird sich nichts und die Politiker werden es auch nicht ändern können. Wer seine Daten sichern möchte sollte sich besser von der modernen Technik fernhalten.

    • Dennis Horn am

      @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Wir haben Ihren Kommentar gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Blogregeln und vermeiden Sie Kommentare immer gleichen Inhalts.

  2. Ab einer gewissen „Größe“, kann man sich in Politik, Wirtschaft und im „VIP“-Umfeld (scheinbar immer noch) so ziemlich alles erlauben („Ist der Ruf erst ruiniert, …“).
    Die Nutzer scheint es nicht wirklich zu „kratzen“ (vgl. auch NSA, Meltdown, Spectre, aktuelle E-Mail-Verschlüsselung) und selbst neue Fehlleistungen finden kaum noch prominente Beachtung, wie z. B. diese hier:
    newscientist.com/article/2168713-huge-new-facebook-data-leak-exposed-intimate-details-of-3m-users
    Und zur erwähnten Erwartungshaltung an die Politik schreibe ich vielleicht mal was, wenn ich mehr Zeit und Lust habe. ;)

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