Facebook sollte zahlen – seine Nutzer

https://blog.wdr.de/digitalistan/facebook-sollte-zahlen-seine-nutzer/

Facebook sollte zahlen – seine Nutzer

Kommentare zum Artikel: 3

Der EU-Parlamentarier Jan-Philipp Albrecht hat sich vorgenommen, Facebook-Chef Mark Zuckerberg auch vor das EU-Parlament zu zitieren. Nahezu das gesamte EU-Parlament steht hinter diesem Vorschlag.

Anfangs dachte ich, es wäre albern, Zuckerberg persönlich nach Brüssel zu zitieren. Mittlerweile aber denke ich: Es ist eine sehr gute Idee. Vor allem, wenn einer wie Jan-Philipp Ulrich das Zepter in die Hand nimmt. Denn Albrecht ist im Thema – ihm haben wir zum Beispiel die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu verdanken, die am 25. Mai in Kraft tritt. Albrecht sollte die Befragung leiten.

Mark Zuckerberg sagt vor dem US-Kongress aus

Mark Zuckerberg sagt vor dem US-Kongress aus

Vor dem EU-Parlament andere Spielregeln

Angemessen wäre eine solche Anhörung in Brüssel. Der europäische Markt ist groß und interessant. Es sind auch 2,7 Millionen EU-Bürger vom Cambridgee-Skandal betroffen. Und es sind EU-Unternehmen involviert. Allerdings sollte es besser anders laufen als im US-Senat und im US-Kongress. Da hat Zuckerberg die Hälfte der Zeit damit verbracht, sich frei von zu befürchtenden Konsequenzen zu entschuldigen und persönlich die Verantwortung zu übernehmen. Auf Detailfragen hingegen ist er in der Regel nicht wirklich eingegangen. Auch hat er keine konkreten Veränderungen vorgestellt, die einen Sinneswandel erkennen ließen.

Das könnte man im EU-Parlament ganz anders machen. Einfache Bedingung: keine Krokodilstränen, kein “Es tut mir leid”, kein “Ich trage die Verantwortung”, sondern Tacheles. Man muss auch über das Geschäftsmodell reden. Zuckerberg hat ja verraten, dass man durchaus darüber nachgedacht habe, Facebook gebührenpflichtig zu machen. Allerdings: Das würde nur einen kleinen Teil der Probleme lösen. Es gäbe dann wohl keine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten Werbung mehr.

https://www.youtube.com/watch?v=ufiWrMpMwWw&t=49s

Zuckerberg sollte seine User entlohnen

Doch Daten sammeln, bis der Arzt kommt, das würde Facebook auch als gebührenpflichtiger Dienst. Um die Algorithmen zu füttern. Uns blieben also die bekannten Probleme erhalten: Fake-News, Manipulationsmöglichkeiten, Algorithmen, die das Dumme und Falsche nach oben pushen und wahre Meldungen kleinhalten. Nein Danke, das ist keine Lösung. All diese Unarten müssen Facebook – und auch allen anderen Netzwerken – dringend abgewöhnt werden.

Vielleicht wäre es eine Idee, wenn Facebook seine Nutzer bezahlt, sagen manche. Man bekommt ja auch bei Payback und Co. Treuepunkte, mit denen man einkaufen kann. Wenn Facebook sagen wir 25 bis 50 Prozent des Werbeumsatzes jeder angeschauten oder angeklickten Anzeige an seine User ausschüttet, dann wäre zumindest klar, was jeder einzelne User Wert ist. Es würde die Machtverhältnisse neu ordnen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Christian Spließ am

    Die Überschrift macht momentan keinen Sinn… “Facebook sollte eine Nutzer bezahlen” wäre sinnvoller als “Facebook sollte zahlen – seine Nutzer.”
    Ad Astra

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      In der Tat: Gutes Deutsch sieht wirklich anders aus!
      Zur Sprache des Artikels ist darüber hinaus anzumerken, daß einmal mehr die Frauen schlicht nicht vorkommen: Immerhin gibt es mindestens genau so viele NutzerINNEN wie Nutzer – und von asozialen Medien wie Facebook werden Frauen sogar überdurchschnittlich abhängig (vgl. die jüngste DAK-Studie bei dak.de).
      Im Übrigen hat Herrn Schiebs Idee wirklich manches für sich, und sein Artikel ist ein weiterer Beleg dafür, daß es sich in Wahrheit gar nicht um “Nutzerinnen und Nutzer” handelt, sondern um BENUTZTE, um Opfer,
      Und spätestens seit Ex-Mitarbeiter asozialer Netzwerke bekannt haben, daß es die bewußte Strategie dieser Netzwerke ist, Menschen in die Abhängigkeit zu treiben, muß man überlegen, ob die asozialen Medien und andere Datenkrakengangster nicht auch die Suchtkosten und Suchtfolgekosten tragen sollten – so, wie das auch hinsichtlich der Tabakindustrie überlegt wird.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Rechenaufgabe: 24 ⁄ 4 =


Top