Facebook sperrt Donald Trump weiter – das dürfte ein Nachspiel haben

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Facebook sperrt Donald Trump weiter – das dürfte ein Nachspiel haben

Kommentare zum Artikel: 10

Die sozialen Netzwerke – allen voran Facebook – haben es jahrelang wie ein Mantra heruntergebetet: Wir sind nur die Plattform. Wir bieten nur die Infrastruktur. Wir sind nicht für Inhalte verantwortlich. Diese Illusion findet in diesen Tagen ein Ende.

Erstaunlich ist vor allem die Konsequenz, die Facebook im Umgang mit Donald Trump zeigt: Während Twitter den Account des scheidenden US-Präsidenten wieder freigegeben hat, hält Facebook die Sperre aufrecht: “Wir glauben, dass die Risiken, dem Präsidenten zu erlauben, unseren Dienst […] weiter zu nutzen, einfach zu groß sind”, schreibt Mark Zuckerberg und kündigt eine mindestens zweiwöchige Sperre an.

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USA: Wie Medien die Gesellschaft spalten – WDR 5 Scala

Wenn es bei Donald Trump geht – warum nicht auch an anderer Stelle?

So richtig das ist, so wahrscheinlich ist auch, dass diese Entscheidung noch ein spannendes Nachspiel haben dürfte: eine Diskussion über Doppelstandards nämlich.

Wenn sich Facebook nach vielen Jahren, in denen es zur Agitation genutzt wurde, plötzlich dazu fähig sieht, die Hetze eines Donald Trumps nicht mehr zuzulassen: Mit welcher Begründung lässt es den Hass von Regierungspolitikern gegen Muslime in Indien online?

Wenn Twitter es schafft, die Tweets von Donald Trump monatelang mit Warnhinweisen zu versehen: Mit welcher Begründung darf China die Unterdrückung der Uiguren als “Ausrottung des Extremismus” bezeichnen, der “die Köpfe der uigurischen Frauen” emanzipiere und “die reproduktive Gesundheit” fördere?

Facebook und Co. haben die Büchse der Pandora geöffnet

Dazu kommen die vielen Nutzerinnen und Nutzer, die keinen Zugriff mehr auf ihre Accounts haben, weil die Löschteams der Plattformen sie zu Unrecht sperren – einige dieser Fälle sind bei Twitter unter dem Hashtag #twittersperrt dokumentiert.

Facebook und die anderen Plattformen haben mit ihren Maßnahmen gegen Donald Trump die Büchse der Pandora geöffnet. Edward Snowden bezeichnet diesen Schritt zu Recht als Wendepunkt im Kampf um die Kontrolle der Redefreiheit im digitalen Raum.

Gesellschaft und Politik sollten in diesen Kampf dringend einsteigen. Denn es gibt eine Vorstellung, die ähnlich schlimm ist wie die, Hass und Hetze in sozialen Medien freien Lauf zu lassen: dass Plattformen wie Facebook die Regeln darüber allein aufstellen.

(Ein Dankeschön für diesen Beitrag geht an Jochen Adler, der ein paar der Beispiele in Sachen Doppelstandards bei Facebook zusammengetragen hat.)

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

10 Kommentare

  1. Michael Justen am

    Zensur ohne Ende, aber CNN kann 4 Jahre Russiagate verbreiten oder Giftgas in Syrien in einem Rucksack erschnüffeln, oder zur Anheizung der Bevölkerung auf den Irakkrieg, die frei erfundene “Babys aus Inkubatoren gezerrt” Story rund um die Uhr ausstrahlen. Auch die chinesische Botschaft darf unkommentiert/zensiert die Sterilisation der Uyghur Frauen als Errungenschaft zur Verbesserung der Lebensumstände darstellen? Big Tech Milliardäre entscheiden jetzt wie man denken soll? Google und Apple haben sich fast Zeitgleich zur Bannung der Twitter Alternative Parler entschieden, die ja angeblich nur von “ultrarechten Nazigruppen” genutzt wird. Da sind sich auch die deutschen Medien einig.

        • Dennis Horn am

          @Realist/Besorger Bürger: Bitte halten Sie sich an die Blogregeln und bleiben Sie bei einer sachlichen Diskussion und beim Thema des Beitrags. Danke!

      • Das ist nicht das was ich unter Demokratie und/oder Meinungsfreiheit verstehe.
        Frage mich auch nicht groß, wer dahinter steckt

  2. Besorger Bürger am

    “So richtig das ist”

    Der WDR macht Propaganda für eine Fraktion der Amerikaner?

    WIR WOLLEN INFORMATIONEN UND KEINE PROPAGANDA, Ihr Systemmedien. Ihr seid bestimmt traurig das die DDR weg ist? Aber die kommt durch EUCH wieder.

    Lügenpresse

    • Dennis Horn am

      @Besorger Bürger: Sie befinden sich hier in einem Blog, in dem die Artikel die persönlichen Meinungen der Autoren wiedergeben und nicht die des WDR. Wenn Sie inhaltlich Kritik üben möchten, ist Ihnen das unbenommen. Ansonsten möchten wir Sie darum bitten, die Blogregeln zu beachten und sachlich zu diskutieren.

    • In solchen Artikeln wird leider nie berücksichtigt, dass das private Unternehmen sind, die natürlich so viel wie möglich verdienen wollen. Kombinieren Sie doch mal alle Aussagen des Artikels damit. Dann hat man ganz andere Ansätze, die Motivation von Facebook und co. Bzgl. Trump zu verstehen.

      • Dennis Horn am

        @Mordred: Es sind private Unternehmen, die gleichzeitig einen relevanten Teil unserer heutigen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur stellen. Deshalb gibt es für diese privaten Unternehmen auch heute schon Regulierungsbemühungen.

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