Facebook startet Chat-Apps für Kids

https://blog.wdr.de/digitalistan/facebook-startet-chat-apps-fuer-kids/

Facebook startet Chat-Apps für Kids

Kommentare zum Artikel: 5

Der liebe Nachwuchs: Er ist eine äußerst begehrte Zielgruppe bei den Onlinediensten. Alle Welt weiß, dass Kinder eine Menge Kaufentscheidungen fällen. Nicht unbedingt direkt, sondern eher indirekt: Sie sagen Mami, Papi, Oma, Opa und all den anderen, die sie gelegentlich mit Geschenken verwöhnen, was sie wollen. Und natürlich auch sonst. Und damit sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen, etwa etwas nicht zu wollen, werden die Kinder gerne mit Werbung traktiert. Im Privatfernsehen – und ganz besonders im Internet.

Facebook Messenger Kids: Die Chat-App für düe Kleinen; Rechte: Facebook

Facebook Messenger Kids: Die Chat-App für die Kleinen

Eltern haben die Kontrolle

Werbung ist jedoch keineswegs die einzige Gefahr, die Kindern im Netz droht. Es gibt auch verstörende Inhalte. Und Perverse, die es auf Kinder abgesehen haben. Viele Eltern verdrängen das gerne. Aber die Gefahr ist real. Wenn Eltern ehrlich sind, müssten sie sich eingestehen, dass nur eins sicher ist: Natürlich bekommen die Kleinen früher oder später Dinge zu sehen, die sie nicht sehen sollten. Sogar bei Youtube Kids, das eigentlich ausdrücklich für Kinder gemacht ist, gibt es Horrorvideos – und Werbung gibt es obendrein. Messenger und Chat-Apps sind besonders gefährlich, da man hier keine Filter aktivieren kann.

Deshalb hat Facebook in den USA nun den Facebook-Messenger Kids gestartet. Eine App, die den Kleinen das „sichere Chatten“ mit Freunden ermöglichen soll. Werbefrei, wie Facebook betont. Da müssen wir vermutlich dankbar sein, weil das in der Tat nicht selbstverständlich ist, wie das Beispiel Youtube Kids zeigt (hier bekommen die Kids immer wieder Werbespots gezeigt). Und noch etwas haben sich die bei Facebook ausgedacht: Die Kleinen dürfen nur mit Leuten chatten, die die Eltern freigegeben haben. Schulfreunde, Geschwister, Oma und Opa, Papa und Mama.

Erst mal nur in den USA: Facebook Messenger Kids; Rechte: Facebook

Erst mal nur in den USA: Facebook Messenger Kids

Ein riesiger Bluff

Klingt gut, oder? Jedenfalls besser, als wenn man die Kleinen unkontrolliert mit Whatsapp oder dem regulären Facebook-Messenger rumchatten lässt. So viel steht fest. Wer nun allerdings glaubt, Facebook habe plötzlich seine Verantwortung entdeckt, der täuscht sich. In den USA dürfen Kinder offiziell erst ab 13 Jahren einen Onlinedienst wie Facebook nutzen. In der Realität wird einfach beim Geburtsdatum geschummelt – fertig. Weil das so einfach möglich ist, droht Facebook derzeit mächtig Ärger mit der Verbraucherschutzbehörde FTC. Der neue Kids-Messenger soll das Problem lösen.

Kein Grund also, als Eltern zu frohlocken. Selbst wenn alle Versprechungen eingehalten werden, keine Werbung erscheint, die Gif-Animationen zum Chat kindgerecht sind und tatsächlich keine Nutzerdaten gesammelt werden, bleibt das Ganze natürlich eine Art Vorglühen für später. Die Kids werden erzogen: Zu Facebook-Bürgern. In meinen Augen nur ein riesiges Ablenkungsmanöver. Zum Glück gibt es den Messenger Kids erst mal nur in den USA. Aber sicher wird es nicht dabei bleiben.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Nun hier wird wortreich die Digitalisierung als Weltuntergang demonisiert. Ich mache diesen Frevel seit 1972 und lebe noch, zeitweise sogar 24 Stunden am Tag. Mich stört vielmehr die schleichende Enteignung der Bevölkerung durch die Vermieter. Auch wenn es Seiten gibt die H4-Bezieher verteufeln, 90 Prozent der Sozialtransfers landen beim Vermieter, übrig bleibt lediglich ein unzureichendes Taschengeld. In dem Sinne bekommen Vermieter H4. Und das stört mich mehr als das bei Smartphone-Transfer incl. Kopfhörer die Person unter Umständen überfahren wird…

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      „Und das stört mich mehr als das bei Smartphone-Transfer incl. Kopfhörer die Person unter Umständen überfahren wird…“
      Menschenverachtender und zynischer geht es kaum – und die vielen Rechtschreibfehler machen die Äußerungen von „Norbert“ auch nicht attraktiver…
      Seinen Angaben zu sich selbst zu Folge handelt es sich wohl um einen der immer mehr werdenden schwer Online- und Smartphonesuchtkranken einschließlich des Suchttunnelblicks…

  2. Die Heranzüchtung von digitalem Nutzvieh zu einer kritiklosen Nachfolgegeneration konsumgesteuerter Deppen hat doch schon hervorragend bei den erschreckend naiven Eltern dieser bemitleidenswerten „Kids“ funktioniert!
    Früh übt sich eben, wer ein guter „Dumbfuck“(*) werden will!
    Die Facebook-Aktionäre und Zuckerberg reiben sich die geldgeilen Griffel:
    „Hey Kids, gives us five!“.

    (*) zur Erläuterung:
    blog.wdr.de/digitalistan/weshalb-wir-mark-zuckerberg-nicht-trauen-koennen/#comment-7852

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Der Kommentar von C.Z. findet meine volle Zustimmung.
      Hinzufügen möchte ich noch, daß ich einigermaßen schockiert darüber bin, wie wenig die sog. „Verantwortlichen“ dagegen tun, daß gezielt schon Kinder regelrecht angefixt werden, auf daß sie nicht nur „digitales Nutzvieh“ werden, wie C.Z. zutreffend bemerkt, sondern SUCHTKRANKES digitales Nutzvieh, damit sie möglichst nie mehr vom Stoff wegkommen:
      Wo sind die Stimmen derjenigen „Verantwortlichen“, die sich seinerzeit zu Recht über die Machenschaften der Alkoholindustrie in puncto Alkopops aufregten und diesen ebenfalls zu Recht einen Riegel vorschoben?
      Wo sind Ansätze zu Jugendschutzregelungen entsprechend denen, die Jugendliche vor Tabak- und Alkoholabusus schützen helfen?
      Wann wird im Betäubungsmittelgesetz der Begriff des Betäubungsmittels um die nichtstoffgebundenen Suchtmittel erweitert?
      Wie kann es angehen, daß angeblich „gestandene“ Politikerinnen und Politiker nicht nur keine Suchtphoneverbote in Schulen fordern (und durchsetzen!), sondern im Gegenteil einer Totaldigitalisierung aller Lebensbereiche vom Kreißsaal bis zum Sarg das Wort reden?
      Liegt das vielleicht daran, daß sie, die es im Interesse des Schutzes unserer Kinder vielleicht mehrheitlich selbst infiziert sind, wie ja auch C.Z. andeutet?
      So, daß es eine weitere unheilige Komplicenschaft zwischen – hier: Digital- – Wirtschaft und Politik gibt wie sie schon hinsichtlich des alles vergiftenden Suchtmittels „Automobil“ existiert…?

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top