Facebook und das Merkel-Selfie

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Facebook und das Merkel-Selfie

Kommentare zum Artikel: 6

Nein, in der Haut von Anas Modamani möchte man ganz sicher nicht stecken. Der 19 Jahre alte Syrer hat seinerzeit stolz ein Selfie mit der Kanzlerin gemacht, das später als Sinnbild für die Willkommenskultur um die Welt ging. Zuerst als Selfie, dann als manipuliertes Bild. Da wurde Modamani unter anderem als Terrorist „verkleidet“, mit Sprengstoffgürtel um die Hüfte. Ihm wurden konkrete Anschläge zugeordnet. Klassischer Fall von Fake news. Weil diese Bilder insbesondere auf Facebook zu sehen sind, ist der Syrer nun gerichtlich dagegen vorgegangen.

Am Anfang war das Selfie mit Kanzlerin Merkel; Rechte: tagesschau.deDas Selfie mit Kanzlerin Merkel wurde häufig missbraucht

Welcher Aufwand ist Facebook zuzumuten?

Jetzt geht es mal wieder um die Frage, was Facebook (oder jedem anderen Social Media Dienst) an Aufwand zuzumuten ist, um so etwas zu verhindern – oder solche Bilder und News wenigstens wieder schnell aus dem Netz zu nehmen. Natürlich sind solche Fotos für den Betroffenen furchtbar. Politiker kennen solche Bildmanipulationen, da muss sich US-Präsident Trump nur den Spiegel-Titel dieser Woche anschauen. Doch Privatleute haben mehr Schutzrechte. Facebook zeigt – wie immer – sehr wenig Verständnis dafür und eine sehr zögerliche Haltung bei der Entfernung der Inhalte. Das Bild wurde nun in Deutschland gesperrt, im Rest der Welt nicht. Meinungsfreiheit und so.

Man könnte so argumentieren, wenn man in diesem Punkt konsequent wäre. Doch Facebook ist nicht konsequent. Bilder mit Nackten zum Beispiel haben kaum eine Chance in Facebook. Und nicht nur in den USA-Staaten im Bible Belt, wo man angesichts solcher Bilder vielleicht wirklich verschnupft reagiert, sondern weltweit. Die puritanischen Spielregeln werden global angewandt. Auch Pornografie und vor allem Kinderpornografie haben – letzteres zum Glück! – keine Chance im Netzwerk. Wird alles schnell enttarnt und blockiert. Es geht also!

Fake news sollen bei Facebook besser bekämpft werden; Rechte: dpa/Picture Alliance

Fake news sollen bei Facebook besser bekämpft werden

Filtern und Blockieren technisch kein Problem

Es wäre für Facebook technisch kein Problem, zumindest den erneuten Upload eines einmal als problematisch festgestellten Fotos zu verhindern. Man kann von jedem Foto einen Fingerprint (Fingerabdruck) erstellen. In variierter Auflösung, leicht verändert hochgeladen, würde das Foto blitzschnell zuverlässig erkannt und könnte zurückgewiesen werden. Bei Musik und Videos funktioniert das auch: Musiker und Videokünstler können ihre Werke schützen lassen. Versucht man sie bei YouTube oder Facebook hochzuladen, bekommt man einen Hinweis. Entweder klappt das mit der Verwendung gar nicht, oder der andere Künstler wird an den Werbeeinnahmen beteiligt – lässt sich alles einstellen.

Die Technik ist also da, in konkreten, begründeten Fällen etwas zu unternehmen. Es fehlt allerdings am Willen. Denn Facebook weiß ganz genau: Kooperiere ich in dem einen Land, etwas zu überwachen, blockieren oder zu sperren, werde ich das in anderen Ländern auch machen müssen. Deswegen wird das verhindert, so lange es geht. Aus der Sicht eines ausschließlich auf kommerzielle Interessen beschränkten Unternehmens mehr als nachvollziehbar. Denn der zu betreibende Aufwand kostet eine Menge Geld und drückt die Erträge.

Facebook wird mit seiner Verweigerungshaltung nicht mehr lange durchkommen. In Deutschland ist das bereits zu erkennen. Irgendwann wird Facebook anerkennen müssen, eben doch ein Medium zu sein – und die Verantwortung eines Mediums übernehmen müssen. Das bedeutet nicht, dass jede Forderung, die an Facebook herangetragen wird, in Ordnung ist. Oft wird Facebook auch zum Sündenbock gemacht. Es ist nämlich nicht immer alles so einfach, wie es scheint.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Suchen wir hier nach Schuldigen?
    So mögen wir doch bitte niemanden die Schuld geben nicht der Fräulein Merkel noch Facebook.
    Die können nichts dafür.So machen Sie nur ihren Job. Mehr nicht.

  2. Ich sehe das „Problem“ an ganz anderer Stelle. Und das können auch Facebook und Co. nicht lösen. Schnelles, zeitnahes Löschen von „Fakenews“ , strafbaren (oder länderspezifisch unerwünschten) Inhalten ist nur eine Seite der Medaille.
    Selbst wenn dies alles sofort erkannt und entfernt oder garnicht erst veröffentlicht würde…
    lässt sich allein durch die Platzierung ganz echter „News“ die Meinung von Menschen manipulieren.
    Positive Meldungen erscheinen bevorzugt am Anfang jeder Suche oder werden bevorzugt weitergegeben. Und negative Meldungen landen am Ende. Oder auch umgekehrt. Je nachdem welchen Gedanken, welchen Kandidaten, welche Weltanschauung man bevorzugt/ins rechte Licht rücken oder diffamieren möchte.

    Und bei der Bewertung was OK ist, gibts halt lokale Unterschiede.
    Die puritanischen US-Amerikaner verbrauchen zwar wahrscheinlich mehr Silikon für „Fake-Titten und -Ärsche“, als im Sanitärbereich…
    aber wehe man sieht Nippel. Oder überhaupt nackte Menschen. Das ist „gottlos“ und verwerflich.
    Und in anderen Kulturen sind Live-Übertragungen von Enthauptungen kein Problem. Während unbedeckte Haare von Frauen zur allseits beliebten Steinigung führen…

    Wer hat denn nun die Weisheit, die einzig wahre Lebenseinstellung mit Löffeln gefressen?

    Globalisierung?
    Ein wirkliches http://WWW...
    gibt es erst, wenn sich nicht ganze Staaten durch religiösen, nationalistischen oder „Führerwahn“ ausklinken.
    [ich will ja nicht bösartig sein…. aber mit den bösen Voraussagen hab ich eine Trefferquote, die ich nur einmal im Leben gern bei den Lottozahlen hätte]

    Wann lässt Adolf Erdogan durch seine selbsternannten Richter endlich Facebook, Twitter etc. sperren? ;-)

    FILTERN UND BLOCKIEREN

    sollte besser Jeder in seinem eigenen Kopf.
    Staatliche Vorgaben… egal ob von Kim Yong Il, Sick, Krank… Gott, Allah… oder sonstwem erlassen… haben auf dem Planet Erde 8.0 nix mehr verloren.
    Viele Menschen sind zu einem selbständigen, unabhängigen Denken nicht befähigt.
    [ich kenne selbst einige „Toastbrot-IQs“]
    Wer darf deren Meinung beeinflussen, manipulieren und steuern?
    Mainstream?

  3. „……..Meinungsfreiheit und so……..“

    Mehr ist Ihnen das Thema nicht wert?
    Jetzt sieht man deutlich, auf welche Art Deutschland 1933 in den Faschismus abgerutscht ist.
    Wobei „abgerutscht“ das falsche Wort ist, wenn man Leute wie Sie wie einen Berserker in Richtung Zensur schieben sieht.

    Ich hatte mal eine hohe Meinung von Ihnen.
    Und auch von anderen Journalisten und Medien.

    Lange her.

  4. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Ganz ehrlich? Mein Mitleid mit dem armen Facebook-Opfer hält sich in engen Grenzen.
    Denn Facebook bezieht seine Macht doch einzig und allein aus der Unzahl von sog. Nutzerinnen und Nutzern (die freilich nicht begreifen (wollen), daß sie weniger nutzen als vielmehr ihrerseits be- und ausgenutzt werden).
    Niemand ist gezwungen, Facebook oder eines der anderen asozialen Medien zu „nutzen“.
    Abhilfe schaffen würden BOYKOTT und ABSTINENZ.
    Denn Facebook wäre ganz schnell am Ende (und damit auch jedwede Macht), wenn nur genügend Menschen ihm endlich und endgültig den Rücken kehren würden.
    Daß sie es nicht tun, erklärt sich nicht zuletzt aus der immer weiter und schneller wachsenden Zahl von Internet- und Smartphone-Abhängigen und -Süchtigen.
    HIER müßten Eltern, Kitas, Schulen, Sportvereine und alle anderen Institutionen, die Einfluß auf Kinder und Jugendliche haben, dringend etwas tun.
    Stattdessen sogar als Politik zu fordern, Kinder und Jugendliche in Schulen NOCH früher mit Digital-Sucht anzustecken, ist nachgerade ein Verbrechen an den Kindern – da hat der Hirnforscher Manfred Spitzer („Cyberkrank!“) mehr als recht.
    Und die Suchtgefahr ist ja nicht die einzige, die virulent geworden ist und weiter wird:
    Die zweite ist die auch hier in Digitalistan z.B. auch verdienstvollerweise immer wieder von Herrn Schieb beschriebene Gefahr der Totalüberwachung.
    Deshalb tun BOYKOTT und ABSTINENZ bezüglich Suchtphone und asozialen Netzwerken noch mehr not!

    • Langsam lache ich mich krumm und schief. Unter dem „Namen“ SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG verbreitet jemand gebetsmühlenartig ständig das Gleiche. Und übersieht dabei etwas ganz Wichtiges. Betriebsblind?
      Wer sich SUCHTFREI nennt und ständig gegen die Nutzung des Internets referiert….
      sollte mal über das eigene Nutzungsverhalten nachdenken. Ganz „suchtfrei“ ist dieses nämlich auch nicht.
      Sonst würde SUCHTFREI endlich mal die Augen vom Monitor und die Finger von der Tastatur lassen ;-)

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Sehr geehrte/e Frau oder Herr Micha,
        Sie übersehen, daß ich an keiner Stelle gegen die Nutzung „des Internets“ angehe, sondern gegen die des Smartphones, weil dieses die Sucht- und Überwachungsgefahren gegenüber denen des stationären Internets noch um ein Vielfaches potenziert.
        Hinzuzufügen ist, daß man Online- und somit auch Smartphone-Süchtige natürlich nur via Internet überhaupt erreicht – in der wirklichen Wirklichkeit sind sie ja nicht (mehr) ansprechbar, wie jeder Mensch, der Bus und Bahn benutzt, leicht merken kann.
        Des Weiteren ist anzumerken, daß Fakten durch ihre Wiederholung nicht unwahrer werden.
        Freundliche Grüße
        SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG

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