Facebook Watch für alle – was wird jetzt aus dem Newsfeed?

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Facebook Watch für alle – was wird jetzt aus dem Newsfeed?

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Es ist die größte Neuheit seit Einführung des Newsfeeds vor zwölf Jahren: Facebook Watch geht morgen (30.08.2018) weltweit an den Start. Es handelt sich dabei um einen Dienst, der die Videos abonnierter Facebook-Seiten und weitere Empfehlungen anzeigt. In den USA unterstützt der Konzern mit viel Geld sogar die Produktion eigener Inhalte nur für Facebook Watch – von Serien über Shows bis zu Dokumentationen.

Facebook Watch ist ab morgen für Android-Nutzer verfügbar, in ein bis zwei Wochen unter iOS und später auch auf dem Desktop. Nach IGTV von Instagram ist der Start von Facebook Watch ein klares Signal: Der Konzern setzt immer stärker auf Videoinhalte – und wird so auch stärker zum Konkurrenten für YouTube.

Je stärker die Videoinhalte in den Mittelpunkt rücken, desto stärker geht es allerdings auch dem Newsfeed an den Kragen. Weltweit gesehen wird laut Facebook noch in diesem Jahr der Moment erreicht sein, in dem Nutzer über alle Dienste hinweg (also nicht nur in Facebook, sondern auch bei Instagram und WhatsApp) mehr Zeit damit verbringen, Stories anzugucken, als durch ihre Newsfeeds zu scrollen.

https://www.youtube.com/watch?v=U8HxxKgBw7A
Der Newsfeed – wie Facebook dich bei der Stange hält

Das hat Auswirkungen: Bei Instagram geht schon jetzt der Überblick über die Stories der verschiedenen Nutzer flöten. Weil so viele ihren Alltag in kurzen Clips festhalten, muss man im oberen Bereich der App lange scrollen, um bestimmte Nutzer zu finden. Möchte Instagram mehr Ordnung in die Stories bringen, müsste es der Funktion allerdings mehr Platz einräumen – und das kann nur zu Lasten des Newsfeeds gehen.

Und nun auch noch Facebook Watch. Egal, wie erfolgreich und zentral dieser Dienst am Ende einmal sein wird: Der Newsfeed, der uns mit seinen Algorithmen zwölf Jahre lang durchs Dickicht der sozialen Netzwerke geführt hat, wird unwichtiger. Und das trifft auch seine Begleiterscheinungen: Was wird aus Falschmeldungen, die bisher oft in Form von Links verteilt werden? Was wird aus hasserfüllten Kommentarspalten? Und auch das: Was wird aus den Reichweiten von Seiten, die nicht viel mit Videos zu tun haben, sondern mehr mit Text – darunter auch viele klassische Medienanbieter.

Der Newsfeed muss wohl Federn lassen. Und die Mechanik sozialer Netzwerke, an die wir uns nun über lange Zeit gewöhnt haben, könnte sich in den kommenden Jahren dadurch Stück für Stück ändern.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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