Facebook weiß, was Du gestern gemocht hast

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Facebook weiß, was Du gestern gemocht hast

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Als ich vor einigen Tagen einen Vortrag über das “AlterEgo im Netz” gehalten habe (Welche Daten erheben die großen Onlinedienste, wie gut kennen sie uns, welche Möglichkeiten habe ich darauf Einfluss zu nehmen?), staunten viele im Publikum nicht schlecht, zu erfahren, dass Facebook einem nicht nur dann über die Schulter schaut, wenn man Facebook, Instagram oder Whatsapp nutzt – sondern auch beim Surfen im Netz, und zwar überall dort, wo Facebook-Buttons für “Gefällt mir!” und “Teilen” auftauchen.

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Facebook bekommt eine Menge mit

Daten werden im Hintergrund übertragen

Der Grund sind die vielen kleinen blauen “f”s im Netz. Denn wer als Webseiten-Betreiber die berühmten Facebook-Buttons auf seiner Seite integriert, der liefert dem sozialen Netzwerk Daten frei Haus. Facebook bekommt mit, auf welchen Webseiten seine Mitglieder sonst noch surfen, welche Themen sie interessieren und was sie mögen. Wichtig zu wissen: Man muss keinen Button anklicken, um Mark Zuckerbergs Unternehmen mit all den Daten zu versorgen. Es reicht, dass die Buttons da sind.

Facebook will jetzt die Daten nutzen

Bislang hat Facebook diese Daten bestenfalls für interne Zwecke genutzt. Jede angesteuerte Webseite trägt zur Profilschärfung bei. Doch jetzt will Facebook die erworbenen Erkenntnisse auch nutzen: Facebook hat offiziell mitgeteilt, die ermittelten Vorlieben der Nutzer nun auch ganz konkret in Anzeigen zu nutzen, die künftig auf Facebook, Instagram oder in Mobile-Apps des Unternehmens erscheinen. Das Netzwerk verspricht natürlich relevantere Anzeigen – die Werbekunden versprechen sich bessere Zielgruppen.

Facebook Anzeige schalten; Rechte: WDR/Schieb
Jede Anzeige lässt sich an bestimmte Zielgrupoen richten – die Interessen entscheiden

User sollen Nutzung widersprechen können

Immerhin sollen Facebook-Nutzer die Möglichkeit bekommen, die Verwendung der durch die zusätzlich beim Surfen erhobenen Daten zu unterbinden. Wer also nicht möchte, dass sein Surfverhalten bei der Auswahl der Anzeigen eine Rolle spielt, muss künftig die entsprechende Option in den Privatsphäreeinstellungen deaktivieren.

Anzeigen im Facebook-Netzwerk dürften erst der Anfang sein. Werberiese Google hat vorgemacht, wie sich gutes Geld mit Werbung verdienen lässt. Auch Google kennt seine User sehr gut. Nicht nur, weil wir die Suchmaschine befragen, sondern auch, weil das Werbenetzwerk Google AdSense auf so vielen Webseiten präsent ist. Hier sammelt Google Informationen über die User – und wertet sie aus. Anzeigenkunden können schon lange ganz ähnlich präzise wie bei Facebook bestimmen, wen sie erreichen wollen. Auch auf Webseiten, die nicht von Google betrieben werden.

Und das dürfte der nächste große Schritt bei Facebook sein: Warum nicht direkt unter den “f”-Logos auf den Webseiten auch kleine Reklametafeln zeigen? Damit könnte Facebook noch mehr verdienen. Allerdings klappt das nur, wenn nicht allzuvlele Menschen – durch Werbung genervt – die neuen Werbeblocker benutzen, die es jetzt auch unter iOS9 ganz offiziell gibt.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Das schlimmste ist ja das Herr Schieb sich hier mit den eigenen Waffen schlägt, denn die Like und Twitter Buttons hier im Blog bauen nach meinen Recherchen überhaupt keine Verbindung zu den entsprechenden Diensten auf, solange sie nicht angeklickt werden. Das war vor Jahren mal so, bis Heise Online eine entsprechende Alternative bereitstellte. Seitdem geht von Google Analytics und dieser Twitter Bar an der Seite hier im Blog eine viel größere Gefahr aus.

    Aber solange der gute Herr Schieb mit seinem speudo Expertenwissen damit noch jemanden beeindrucken kann ist ja alles gut. Fakt ist dass das Thema schon vor einigen Jahren durch die Medien ging und heute kaum noch ein Problem ist.

    @WDR: Glückwunsch, Ihr habt das Captcha verbessert. Hätte ich nicht von euch erwartet.

    • Danke für diese wirklich freundlichen und schmeichelnden Worte. Layout und technisches Konzept hier stammen nicht von mir – und werden auch nicht durch mich betreut. Natürlich ist es nicht neu, dass Facebook auch über die Buttons Informationen sammelt – es wissen trotzdem nur die wenigstens. Das erlebe ich immer wieder auf Veranstaltungen. Und vor allem: Es gibt ja einen aktuellen Anlass, darüber zu berichten, da Facebook konkret mitgeteilt hat, diese Daten nun auch zu verwenden.

  2. Klaus Lohmann am

    Und wenn Medienunternehmen wie z.B. der WDR endlich mit der peinlichen Selbstbelügung aufhören, dass “Facebook zum modernen Leben dazugehöre”, würde der dusselige Like-Button auch von deren Online-Angebot verschwinden. Oder bezahlt FB den WDR, damit er dem Zuckerschneckchen die Userdaten frei Haus liefert?

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