Facebook will sich den „harten Fragen“ stellen

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Facebook will sich den „harten Fragen“ stellen

Kommentare zum Artikel: 7

Es war massiver öffentlicher Druck nötig. Seit dem Jahreswechsel aber ist es mindestens bemerkenswert, was bei Facebook passiert: Das öffentliche Eingeständnis, dass Desinformation im Netzwerk zum Problem geworden istauch staatlich gesteuerte Desinformation. Aufklärung der Nutzer. Öffnung gegenüber Journalisten. Und zuletzt eine ordentliche Aufstockung der Löschteams – auch wenn die Frage berechtigt ist, ob das so reicht.

Jetzt will sich Facebook zusätzlich den „harten Fragen“ aus Gesellschaft und Politik stellen: zu Terrorpropaganda, Accounts verstorbener Mitglieder, dem Vorgehen der hauseigenen Löschteams, den Maßnahmen gegen Desinformation, der Rolle sozialer Medien für die Demokratien, dem Vertrauen der Nutzer in den Datenschutz, der Sicherheit für junge Nutzer.

Facebook will zu diesen Themen in den kommenden Wochen im hauseigenen Blog konkrete Einblicke in die Maßnahmen und auch in die interne Debatte im Unternehmen geben – zum Start zum Thema Terrorpropaganda: „Wir erwarten nicht, dass jeder mit all den Entscheidungen, die wir treffen, einverstanden sind. Wir sind auch intern nicht immer alle einverstanden“, schreibt Facebook-Manager Elliot Schrage. „Wir lernen dazu und machen Dinge falsch. Aber wir glauben, dass wir weniger Fehler machen und sie schneller korrigieren können, wenn wir uns öffnen und verantwortungsvoller werden.“

Elliot Schrage

Facebook-Manager Elliot Schrage (rechts) will mit mehr Transparenz das Image seines Unternehmens korrigieren.

Damit werden die Debatten zu diesen Themen mit Sicherheit nicht zu Ende gehen. Es bleibt auch abzuwarten, wieviel PR-Getöse dahinter steckt – und wieviel tatsächlicher Wille, sich zu öffnen. Aber es ist gut zu sehen, dass Facebook öffentlich anerkennt, welche Verantwortung es mittlerweile trägt: „Die Entscheidungen, die wir bei Facebook treffen, beeinflussen, wie Menschen die Welt wahrnehmen“, schreibt Schrage im Facebook-Blog.

Zu dieser Einsicht gehört es auch, die eigene Haltung und das eigene Vorgehen transparent zu machen – und es ist gut, dass Facebook damit nun einen Anfang macht.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. Martin Däniken am

    Mir fiel das Monty Phython Dingen mit den Hochhausschiffen ein :
    „Crimson Permanent Insurance“
    -Ich weiss eine extrem analoge Vorstellung ;-)

  2. Lasst doch Facebook einfach sterben. Dann wäre das Internet sicher nicht mehr so böse. Da würde mir der Spass vergehen. Ich will keine personalisierte Werbung. Natürlich, ich muss mich ja auch nicht bei FB registrieren, weil .. es zwingt mich ja keiner. Was das Problem ist, ist das ich mich ja nicht mal anmelden muss, FB weiß ja fast trotzdem, wer ich bin. So etwas finde ich, geht gar nicht. Dann steht FB fast täglich mit negativen Schlagzeilen in den Medien. Ich weiß nicht, Daumen rauf ist das nicht. Datenschutz bei FB? Ist Heuchelei, weil das Geschäftsmodell ja gar nicht funktionieren würde, mit Datenschutz. Nur Schade das es viele Menschen gibt, denen das egal ist. Mir ist Tracking als Nichtmitglied jedenfalls nicht egal. Ja, etwas kann man sich dagegen schützen. Ich schütze mich gegen FB = Böses Internet.

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Tim ist uneingeschränkt zuzustimmen.
      Facebook soll einfach sterben – am besten durch Boykott und Abstinenz, wenn man es – angeblich – schon nicht verbieten kann, was freilich seltsam ist:
      Heroin und Crystal Meth sind ja schließlich auch verboten.
      Schüren von Haß im Netz, Cybermobbing UND Suchtmittelbereitstellung sind keine seriösen Geschäftsideen.

      • Heroin und Crystal sind aber deshalb verboten, weil sie bleibende physische und psychische Schäden hervorrufen. Dass sich bei manchen Menschen auch ein digitales Suchtmuster zu erkennen gibt, die denen von Drogen ähnelt, heißt aber noch lange nicht, dass dort auch bleibende Schäden entstehen. Ihre Analogie hinkt da ein wenig hinterher, und stichhaltige Argumente und Belege für Ihre Thesen lassen auch arg zu wünschen übrig, sofern Sie denn welche nennen.

        • B. Franke am

          @Kai G.:
          Lesen Sie bitte mal folgenden Artikel:
          spon.de/aeXPi
          Ganz falsch liegt der User „SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG“ m. E. nicht…

        • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

          Alle Argumente und Belege finden Sie bei diesen Autoren und deren folgenden Büchern:

           Cachelin, Joël Luc, Offliner – Die Gegenkultur der Digitalisierung, Bern 2015

           Diefenbach, Sarah; Ullrich, Daniel, Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern, München 2016

           Evers-Wölk, Michaela; Opielka, Michael, Neue elektronische Medien und Suchtverhalten, Forschungsbefunde und politische Handlungsoptionen zur Mediensucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsene, Baden-Baden 2016

           Keen, Andrew, Das digitale Debakel – Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können, München 2015-

           Markowetz, Alexander, Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone- Nutzung gefährlich ist; Mitarbeit: Ann-Kathrin Schwarz u. Jan F. Wielpütz, München 2015

           Welzer, Harald, Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit, Frankfurt a.M. 2016

           Spitzer, Manfred, Cyberkrank! – Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert, München 2015

           te Wildt, Bert, Digital Junkies – Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder, München 2015

          . . . und auf diesen Webseiten:

           Fachverband Medienabhängigkeit e.V. (mit zahlreichen weiteren Literaturnachweisen und Verlinkungen)

           HSO e.V. – Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht! (mit zahlreichen weiteren Literaturnachweisen und Verlinkungen)

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