Facebook will TV-Sender werden

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Facebook will TV-Sender werden

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Hinfallen. Aufstehen. Krönchen richten. Das ist offensichtlich das Motto vieler Prinzessinnen, sondern auch das von Facebook. Die wenigen Wochen des Trubels nach dem Cambridge-Analytica-Skandal scheinen weitgehend vorbei und vergessen. Das Unternehmen prescht derzeit wieder energisch nach vorne – mit neuen Ideen und Allmachtsphantasien. Wen stört es da schon groß, dass es schon wieder zu einem relevanten Datenschutzproblem gekommen ist: Rund 14 Millionen User sind Ende Mai Opfer einer Panne geworden. Postings, die nur für die Freunde gedacht waren, sind öffentlich zu sehen gewesen.

Facebook

Facebook prescht wieder nach vorne: Mehr Sendungen, Shows und Videos auf Facebook und Instagram

Keinen juckt die neueste Datenpanne

Kann ganz schön peinlich sein, für die Betroffenen. Für Facebook nicht so sehr. “Schwamm drüber!”, scheint die einhellige Meinung zu sein. Kaum jemand spricht über diese erneute Panne. Dabei belegt sie eindrucksvoll, dass man Facebook eben nicht trauen kann. Juckt aber kaum jemanden. Jedenfalls habe ich keine öffentliche Empörung um den erneuten Vertrauensbruch feststellen können.

Klar: Im Vergleich zum Cambridge-Analytica-Vorfall ist die jüngste Panne regelrecht niedlich. Wozu also aufregen? So haben durchaus auch Skandale ihre Vorteile für die Verantwortlichen. Die Leute denken (und sagen): Ist doch nicht so schlimm wie beim letzten Mal. Was soll’s… Warten wir einfach ab, bis was Schlimmeres passiert.

Facebook selbst will auch lieber über andere Dinge reden. So hat Mark Zuckerberg jetzt die vertiefende Kooperation mit Fernsehsendern wie ABC, CNN oder Fox News bekanntgegeben. Die Sender sollen nicht einfach ihre Inhalte bei Facebook online stellen, sondern eigene Sendeformate produzieren, die exklusiv bei Facebook Watch zu sehen sein werden. Dazu werden sogar in den USA prominente Anchor (TV-Gesichter) angeheuert, die das moderieren sollen. An jedem Werktag um 18.25 Uhr geht einer zum Beispiel auf Sendung.


Facebook Watch: Mark Zuckerberg baut einen eigenen Sender auf

Facebook will Kontrolle über Bewegtbilder

Die Strategie dahinter ist klar: Facebook will seine Userinnen und User noch länger in den eigenen Netzen halten. Dafür spricht auch, dass Instagram seine 60-Sekunden-Grenze für Videos aufhebt und künftig Videos von bis zu 60 Minuten erlaubt (was eine klare Kampfansage an YouTube ist). Die eigenen Sendeformate auf Facebook bedeuten aber nicht nur mehr “Viewing Time”, sondern auch mehr Kontrolle. Facebook will nicht nur überall mitverdienen, sondern am Ende auch die Kontrolle darüber haben, wer (erfolgreich) sendet und wer nicht.

Das sollten die Sender berücksichtigen, wenn sie in den Deal einwilligen und bereitwillig mitmachen. Auf Dauer dürfte sie die Kooperation teuer zu stehen kommen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Ich denke, dass Facebook mit seinen gigantischen Möglichkeiten sehr genau Inhalte an seine Nutzer ausspielen kann und so einen unglaublichen Wettbewerbsvorteil genießt.

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