Facebook will zuhören und lernen – mal wieder

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Facebook will zuhören und lernen – mal wieder

Kommentare zum Artikel: 8

„F steht für unsere Fehler. F steht für fehlendes Vertrauen. F steht für den Frust darüber, dass wir unserer Verantwortung nicht immer gerecht geworden sind. Dafür möchten wir uns entschuldigen.“ Mit diesen Worten beginnt ein Fernsehspot von Facebook, der in den kommenden Wochen zu sehen sein wird. Er ist Teil einer Imagekampagne unter dem Titel „Ein besseres Facebook“. Dazu gehören auch Anzeigen im Netz und in überregionalen Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen.

Zusätzlich trägt Facebook auf einer eigenen Website zusammen, was ab sofort besser laufen soll. Zu finden sind dort bisher Informationen über Maßnahmen im Datenschutz und im Bereich der sogenannten „Fake News“ – was übrigens beachtenswert ist, denn bisher sprach Facebook immer von „falschen Nachrichten“ und „false news“. Den (recht problematischen) Begriff „Fake News“ nutzt der Konzern jetzt zum ersten Mal selbst.

Und dann steht da diese eine Zeile: „Wir hören zu. Wir lernen. Und wir handeln.“ Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Mantra von Facebook schon gehört habe. Nach gefühlt jeder Negativschlagzeile heißt es, man höre zu und man lerne. Als ich die Zentrale in Menlo Park besucht habe und mit der Chefetage von Instagram über Schleichwerbung sprach, hieß es, man höre zu und man lerne. Und als der Datenskandal um Cambridge Analytica tobte, hieß es von Facebook-Vertretern, man höre zu und man lerne

Das ist der Spirit des Silicon-Valley-Start-ups: schnell nach vorne preschen und lieber später noch ein wenig korrigieren. „Move fast and break things“ und „Done is better than perfect“. Zwei dieser Sprüche, die Facebook in seiner Firmenzentrale auf Poster gedruckt und seinen Entwicklern ins Büro gehängt hat. Einfach mal machen, und wenn es Probleme gibt, dann kann man die Dinge nachträglich ja noch immer korrigieren.

Diese romantische Start-up-Rhetorik wird einem Weltkonzern wie Facebook aber nicht mehr gerecht – und erst recht nicht einem Konzern dieser Macht, der über Wohl und Wehe ganzer Demokratien mit entscheidet. Klar: Zuhören und lernen, das ist eine gute Sache. Und ein Konzern, der an der Speerspitze der digitalen Entwicklung steht, kann vermutlich tatsächlich nicht immer alle Konsequenzen seiner Ideen vorhersehen.

Als eins der größten Unternehmen der Welt steht Facebook aber in der Verantwortung, erst nachzudenken und dann zu handeln – und nicht anders herum. Dass der Konzern über die Konsequenzen des eigenen Handelns noch immer zu selten nachdenkt, zeigen unter anderem die Tests, die er im laufenden Betrieb anstellt: wenn er zum Beispiel testet, seriöse Inhalte zu verstecken, oder psychologische Experimente mit seinen Nutzern durchführt. Facebook hätte mittlerweile alle Möglichkeiten – vom Geld bis zu den dafür nötigen Denkern und Juristen – seine Schritte schon im Vorfeld genauer zu analysieren – und nicht erst im Anschluss zuhören und lernen zu müssen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

8 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Es verhält sich mit Facebook (und mit allen anderen asozialen Netzwerken) genau so wie mit dem Skorpion in der Fabel, der vom Frosch vor einem Feuer dadurch gerettet werden will, daß der ihn auf seinem Rücken über den rettenden Bach bringt. Der Frosch sagt, er würde es nur tun, wenn der Skorpion verspreche, ihn nicht zu stechen. Der Skorpion verspricht es, woraufhin der Frosch ihn aufsteigen läßt. Als sie in der Mitte des Baches sind, sticht der Skorpion zu. Im Sterben sagt der Frosch: „Aber du hast doch versprochen nicht zu stechen!“ Darauf der Skorpion: „Ja, aber ich KANN nicht anders: Ich bin ein Skorpion!“
    Genau so ist es mit Facebook und seinen Spießgesellen.
    Daraus folgt:
    1. Nur gar kein Facebook ist ein gutes Facebook.
    2. So lange es aber noch eines gibt, hilft nur dies: Abstinenz und Boykott (wodurch dann der Sumpf der asozialen Netzwerke irgendwann ausgetrocknet sein wird)

    • Dennis Horn am

      @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Facebook ist nicht allein ein soziales Netzwerk, sondern als Plattform ein wichtiger Pfeiler der modernen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur. Ich halte es für enorm wichtig, Regulierungsmöglichkeiten für Facebook zu diskutieren. Abstinenz und Boykott scheinen mir aber keine Lösung, auch weil sie für eine ganze Reihe von Nutzerinnen und Nutzern so einfach gar nicht möglich sind.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        „…auch weil sie für eine ganze Reihe von Nutzerinnen und Nutzern so einfach gar nicht möglich sind…“:
        Genau DAS meine ich ja: Viele Menschen haben sich bereits so tief in den Facebook-Sumpf hineinziehen lassen, daß es ihnen ohne Hilfe nicht mehr möglich ist, da herauszukommen.
        Um so wichtiger ist eben die ABSTINENZ – das einzige, was hilft, um aus einer Sucht wirklich auszusteigen.
        Und ich kann nur hoffen, daß Sie nicht recht haben mit Ihrer Wahrnehmung, die asozialen Netzwerke seien ein „wichtiger Pfeiler der modernen Kommunikations- und Infrastruktur“, oder, wenn doch, daß doch die Menschen wieder zurückfinden zu einer humanen Kommunikations- und Infrastruktur, die nicht dazu geschaffen worden ist, Menschen vorsätzlich süchtig zu machen und sie Tag und Nacht und rundherum zu überwachen, um ihnen Dinge aufzuschwatzen, die sie nicht brauchen – und die echte Kommunikation ist und nicht ein Instrument narzisstisch gestörter Selbstbeweihräucherung…
        Glauben Sie mir: Gebilde wie dieses Facebook und seine Spießgesellen sind nicht regulierbar – genau so wenig wie Crack oder Heroin!
        Ich jedenfalls werde auch weiterhin nicht mit solch‘ kranken und krankmachenden, sondern mit menschlich-gesunden Mitteln mit meinem Mitmenschen kommunizieren, und ein Suchtphone wird mir nach wie vor weder ins Haus noch gar in die Tasche kommen.
        Und: Wir werden mehr! :-) Es gibt also Hoffnung!

        • Dennis Horn am

          @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Über den Zusammenhang zu angeblichen Suchtgefahren, den Sie herstellen, diskutierten wir an anderen Stellen bereits mehrfach; darauf möchte ich nicht immer wieder eingehen.

          Die Nutzerzahlen von Facebook, Instagram und WhatsApp allerdings sprechen für sich. Dass es sich bei diesen Diensten also um einen wichtigen Pfeiler der modernen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur handelt, ist Fakt, keine „Wahrnehmung“.

          • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

            ERSTENS:
            Nein, diskutieren möchte auch ich die real existierende Suchtgefahr und deren zehntausendfache Verwirklichung nicht mehr. Denn da gibt es nichts zu diskutieren: Die Suchtgefahr ist nämlich längst mehrfach wissenschaftlich-seriös nachgewiesen (der von Ihnen geschmähte Prof. Spitzer ist inzwischen nur mehr einer unter ganz vielen), und ebenso ihre zehntausendfache Realisierung – dazu muß man nur sehenden Auges und hörenden Ohres Bahn, Bus oder Zug fahren oder Gehwege entlanggehen oder, wie ich, an einer Hochschule lehren und die Hunderte von Smartphone- und Facebook-Junkies vor sich sehen, die von der Vorlesung gar nichts mehr mitbekommen…

            ZWEITENS:
            Die Nutzerzahlen von Facebook, Instagram und WhatsApp als Beleg dafür heranziehen zu wollen, diese asozialen Netzwerke seien Pfeiler der modernen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur, ist nicht seriös.
            Denn wer das tut, verkennt, daß die angeblichen „Nutzer“ (von denen übrigens zum Einen mindestens die Hälfte NutzerINNEN sind und die man alle zusammen eher BENUTZTE nennen sollte) in Wahrheit ja gar nicht miteinander im echten und wahren Sinne dieses Wortes kommunizieren, sondern sich entweder in narzißtisch gestörter Weise selbst darstellen oder andere niedermachen („Cybermobbing“) oder Haßbotschaften verbreiten.
            Das aber ist keineswegs „Kommunikation“ (um zu verstehen, was wahre Kommunikation zwischen Menschen ist, lese man die Werke Erich Fromms und Paul Watzlawiks, um nur zwei zu nennen).
            Und um zum Kern des Themas zurückzukommen:
            Die Asozialität der genannten Nicht-Kommunikation ist in Facebook und den anderen asozialen Netzwerken eben genau so angelegt wie das Stechen im Skorpion.
            Und zudem angelegt ist in alledem fatalerweise auch noch die Totalüberwachung der sog. „Nutzer*innen“, die eben deshalb treffender „Benutzte“ heißen sollten.
            Damit immer noch nicht genug, tritt die Verblödung hinzu, die dadurch entsteht, daß die solchermaßen Benutzten lieber alles in ihren Suchtphones nachschauen statt selbst zu denken
            Die Strukturen der SUCHT, der ÜBERWACHUNG und der VERBLÖDUNG bekommen Sie eben nicht „reguliert“ oder „gebändigt“ – Sie schreiben ja in Ihrem obigen Artikel selbst von den psychologischen Experimenten, die das asoziale Netzerk Facebook mit den Benutzten anstellt (woran man merken kann, wie viel berechtigter dieser Begriff statt des irreführenden Wortes „Nutzer*in“ ist.)
            Ich denke, Sie haben den Roman „The Circle“ gelesen. Wenn Sie das getan haben, wissen Sie Bescheid.
            Wer es gelesen hat und dann immer noch bei Facebook, Instagram und deren Komplicen ist, hat seinen resp. ihren freien Willen längst eingebüßt…

          • Dennis Horn am

            @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Danke für die erneuten Ausführungen; wir haben die Diskussion an anderer Stelle aber wie schon geschrieben zur Genüge geführt. Bitte beachten Sie deshalb unsere Blogregeln. Wir möchten eine fruchtbare Diskussion für alle Nutzerinnen und Nutzer gewährleisten.

  2. fanfiction am

    I have read your article. it is very informative and helpful for me.I admire the valuable information you offer in your articles. Thanks for posting it, again!

    • Dennis Horn am

      @fanfiction: Thank you. But, please, do not use the comment section to do advertision for any commercial stuff – it is part of our blog policy. We removed the URL in your comment.

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