Facebooks Sündenfall namens Cambridge Analytica

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Facebooks Sündenfall namens Cambridge Analytica

Kommentare zum Artikel: 7

“Wir haben Facebook ausgenutzt, um Millionen von Nutzerprofilen ‘abzuernten'”, gesteht ein Mitarbeiter aus dem Umfeld des britischen Unternehmens Cambridge Analytica recherchierenden Journalisten des Observer. Cambridge Analytica ist ein Unternehmen, das auf Datenanalyse spezialisiert ist und im US-Wahlkampf 2016 Donald Trumps Wahlteam mit konkreten Daten über Wähler versorgt hat. Dazu hat das Unternehmen das Wahlverhalten und die politische Gesinnung nahezu aller Amerikaner ausgespäht und berechnet. So konnten die Wahlfelfer die Menschen gezielt andprechen, sowohl vor Ort bei Hausbesuchen als auch mit Werbebotschaften über Facebook. Viele Experten gehen davon aus, dass das die Wahl erheblich beeinflusst hat. Bewiesen ist das noch nicht.

Facebook

Facebook hat vor dem US-Wahlkampf Daten an Cambridge Analytica geliefert

Facebook schließt Cambridge Analytica aus – jetzt

Doch die Datensammelei und die gezielte Manipulation ist nun ans Tageslicht gekommen. 270.000 Nutzerprofile wurden direkt geknackt, mit Hilfe einer Fake-App namens “thisisyourdigitallife”, die von der Mediengruppe SCL entwickelt und von vielen Menschen freiwillig geladen wurde. Die App hat Einblicke in die eigenen Social-Media-Profile versprochen, diente aber nur dazu, die User auszuspähen. Durch die ausgelesenen Kontakte hat sich das Datenmaterial am Ende auf 50 Millionen Personen erweitert.

So viele wurden ausgespäht. Diese Daten wurden “illegal” von SCL an Cambridge Analytica weitergeleitet. Erst mit diesen Daten war die individuelle Ansprache jedes einzelnen durch das Trump-Team möglich – und die gezielte Meinungsbildung. Darum hat Facebook SCL, Cambridge Analytica und auch alle anderen beteiligten Player bei Facebook ausgeschlossen. Sie bekämen keine Daten mehr, schreibt Facebook empört in einem Blogpost.

Facebook geriert sich als “Opfer”. So, als sei man empört über die Datensammelei, die Datenweitergabe und die politischen Konsequenzen. Das ist natürlich Unfug: Facebook will ablenken. Mark Zuckerbergs Unternehmen ist in den USA enorm unter Druck. Der US-Senat beschäftigt sich mit der Frage, welche Auswirkungen Facebook auf den Ausgang der US-Wahl hatte. Es gibt die unzähligen geschalteten Anzeigen aus vermeintlich russischer Quelle und es gibt die gezielten Manipulationen von Cambridge Analytica. Sicher ist: Facebook hat enorm verdient am US-Wahlkampf, vor allem durch die Millionen geschalteter Anzeigen. Facebook hat viel zu viele Daten rausgerückt – und Facebook ist (mit) verantwortlich für die Stimmungslage in den USA.

Facebook wendet alle Tricks an, um seine User auszukundschaften

Facebook trägt die Verantwortung, will sich aber rauswinden

All das versucht Facebook, wie immer, zu dementieren. Doch das wird diesmal nicht gelingen. Facebook wusste bereits 2015 von dem Datenleck, das die Weitergabe der Daten an Cambridge Analytica ermöglichte. Facebook hat die betroffenen User nicht ausreichend informiert. Zwar wurde Cambridge Analytica aufgefordert, die abgegriffenen Daten zu löschen. Was bestätigt wurde, aber offensichtlich niemals geschehen ist, wie Recherchen der New York Times belegen.

Jetzt tut Facebook so, als wären SCL und Cambridge Analytica die Bad Guys. Sind sie auch, in jeder Hinsicht – und ganz sicher nicht nur, weil sie bei Facebook die Daten von Millionen Usern abgegriffen und missbraucht haben. Aber mal wieder versucht Facebook, von seiner eigenen Verantwortung abzulenken. Wieso ist es überhaupt möglich, dass so viele Daten von so vielen Nutzern einem anderen Unternehmen in die Hände fallen? Wieso darf Facebook selbst so viele Daten haben, die offensichtlich heikel sind?

Ich weiß nicht, wie viele Beispiele es noch bedarf, um endgültig festzustellen: Facebook handelt durch und durch amoralisch. Das Unternehmen denkt ausschließlich an seinen eigenen Nutzen, übernimmt nicht mal für nachgewiesene Fehler die Verantwortung und schon gar nicht für übergeordnete Interessen, etwa das Wohlergehen der Gesellschaft.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Klaus Lohmann am

    Es geht auch gar nicht um einen “Sündenfall”, sondern – wie Kollege Lobo nebenan bei SPON treffend analysiert – um *das Prinzip Facebook*. Diese Monster-Werbemaschine schert sich einen Dreck um deren Inhalte, sondern vermarktet stur schiere Datenmassen für asoziale Ziele und Manipulation.
    Wer also weiterhin dieses Prinzip mit dem Like-Pepperl auf seinen Webseiten fördert (und nichts anderes wird damit erzeugt), unterstützt ohne Zweifel genau diese ethische Abartigkeit.

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Im Anschluß an den Kommentar von Ralf Drekopf vom 18.3.18, 17:23 Uhr, dem nur zugestimmt werden kann:
    “Ich weiß nicht, wie viele Beispiele es noch bedarf, um endgültig festzustellen: Facebook handelt durch und durch amoralisch. ”
    Also: Wenn Sie und damit doch wohl der WDR das bereits wissen, und wenn doch nun obendrein seit langem öffentlich ist, daß asoziale Medien wie Facebook Menschen, insbesondere junge, bewußt in Abhängigkeit und Sucht treiben – wie kann es da sein, daß der WDR allen Ernstes immer noch Mitglied bei Facebook ist und, noch ärger, in jeder WDR-Sendung alle Zuschauenden vorsätzlich anstiften und verleiten will, ihm dorthin auch noch zu folgen??!!

    (Dasselbe gilt natürlich für den Umgang des WDR mit all’ den anderen asozialen Medien und Datenkrakengangstern wie diesem Google, Twitter und Komplicen)

  3. Ralf Drekopf am

    Ganz Ihrer Meinung Herr Schieb.

    Doch dann stelle ich mir die Frage (und dies schon sehr lange),
    warum dann direkt unter dem Artikel die üblichen Verdächtigen stehen.
    F B teilen
    Twittern
    Google + also Facebook von Google
    Geht der öffentlich rechtliche Rundfunk nicht mehr ohne diesen Mist? Ich teile Ihre Kritik. Die ist nicht neu, aber weiterhin berechtigt und richtig. Ich habe FB wenige Jahre genutzt und mich vor einigen JAHREN entschieden, davon Abstand zu nehmen. Aber egal welche Sendung ich in der ARD/ZDF/den Dritten, oder den diversen Spartenkanälen schaue, jedesmal gibt es zusätzliche Infos, Umfragen u.v.m nur via Facebook, Twitter und Co. Wie passt das zusammen?
    Es folgen wie in der Politik keine (vielleicht schmerzhaften) Entscheidungen und Konsequenzen?!
    Leider.

    MFG Ralf

  4. “Das Unternehmen denkt ausschließlich an seinen eigenen Nutzen, übernimmt nicht mal für nachgewiesene Fehler die Verantwortung und schon gar nicht für übergeordnete Interessen, etwa das Wohlergehen der Gesellschaft.”

    Ein Unternehmen mit ähnlichen Attributen findet sich auch in Deutschland: Volkswagen.
    Und trotzdem sprudeln bei FB und VW weiter die Umsätze.
    Folglich, scheint FB-Usern bzw. VW-Käufern ziemlich egal zu sein, dass sie verar*cht werden!?

    • Ich kann da nicht für den WDR sprechen. Ich kann nur sagen, dass das natürlich oft diskutiert wird. Ich stelle mir diese Frage natürlich auch selbst. Ich gebe wenig Persönliches in den SOM preis – nutze die Dienste aber, um die Leute zu erreichen. Abholen, wo sie sind. Es ist aber ganz sicher die Frage zu stellen, ob nicht längst der Punkt erreicht ist, sich konsequent zu verabschieden. Allerdings kritisieren wir auch die Regierung etc., ohne auszuwandern.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Darf man daraus schließen, daß Facebook in Ihrem Wertigkeitsranking bereits den Rang einer Regierung einnimmt…?

      • Diese Argumente sind unlogisch und in gewisser Weise feige. Ich muss nicht mit den Wölfen heulen um über Wölfe zu schreiben

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