Gesucht: Fake-Internet-Designer (m/w)

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Gesucht: Fake-Internet-Designer (m/w)

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Die sozialen Netzwerke heißen „STUTT-net“, „Nogbook“ oder „FriendBase“. Gegoogelt wird bei „Tracer“, „Ging“ oder „World Search“. Das ist die digitale Welt im Tatort – und nicht nur dort. Auch in anderen Filmen und Serien sieht alles, was auf Bildschirmen zu sehen ist, schwer nach Fake aus. Die Macher von „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ haben für Computer und Smartphones sogar ein komplettes Betriebssystem entworfen.

Selbst die großen Film- und Serienvorbilder aus den USA arbeiten so – zum Beispiel mit dem eigens entworfenen Betriebssystem für die Anti-Terror-Einheit „CTU“ aus „24“ oder in Filmen wie der Mission-Impossible-Reihe. Auch wenn es dabei inhaltlich nicht immer ganz sauber zugeht. In „Mission: Impossible – Rogue Nation“ zum Beispiel kopiert Ethan Hunt angeblich geheime Dateien. Deren Quellcode aber ist in Wirklichkeit ein Übungscode für Schüler, der hübsche Spiralen auf den Bildschirm zaubert.

Wenn ich zum Tatort twittere, rege ich mich über diese Dinge regelmäßig auf. Warum nutzen Kommissare nicht Google, Facebook und WhatsApp, wenn sie doch im Anschluss ihr Notebook zuklappen, das Präsidium verlassen und in Mercedes-Benz, Opel oder wie Thorsten Lannert in Stuttgart in ihren Porsche steigen? Durch Twitter geht regelmäßig ein Jubel, wenn Onlinedienste genannt werden, die es auch wirklich gibt.

Es gibt Gründe für die vielen Fake-Oberflächen. Die Lizenz- und Urheberrechte an Betriebssystemen, Software und Websites zum Beispiel, also auch an deren Optik. Der Verdacht der Schleichwerbung. Die Tatsache, dass sich Software oft nicht so verhält, wie man es bei den Dreharbeiten für die Dramaturgie so braucht – und ich weiß von meinen Digitalbeiträgen fürs WDR Fernsehen sehr gut, wovon ich spreche.

Eine Rolle spielt auch die Angst davor, dass ein Opfer zum Beispiel unter Windows gehackt wird und deshalb eine Klage von Microsoft ins Haus flattert. Oder einfach die Tatsache, dass die Großkonzerne aus dem Silicon Valley vielen Deutschen äußerst unsympathisch sind – und sie deren Auftauchen als kostenlose Werbung empfinden würden. Also ist es oft einfacher, grafische Oberflächen komplett neu zu bauen.

Weil heutzutage aber selbst digitale Laien die Fakes enttarnen können, werden Filme- und Serienmacher vorsichtiger und beschäftigen tatsächlich „Fake-Internet-Designer“. Dazu gehört der Kommunikationsdesigner Claus Mayr, den Hendrik Efert in Deutschlandradio Kultur vorstellt – und der mit seiner Arbeit tatsächlich versucht, selbst den Nerds unter den Zuschauern gerecht zu werden. Ein sehr hörenswerter Beitrag!

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

1 Kommentar

  1. Ich finds lustig wenn z.B. nach IP Adressen gesucht wird tauchen nicht alzu oft Fantasieadressen wie 956.842.145.673 auf die natürlich keine gültige IP-Adresse sind :)

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