Fake-Videos per Knopfdruck

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Fake-Videos per Knopfdruck

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Photoshop ist keine Software. Photoshop ist eine Haltung. Nämlich, dass Fotos nicht zum Zeitpunkt der Aufnahme entstehen, sondern im Computer. Mit Photoshop lassen sich bekanntlich Fotoaufnahmen nachträglich bis zur Schmerzgrenze bearbeiten und verändern.

Klar, auch früher hat man retuschiert: Hier mal einen Bereich dunkler gemacht, dort mal eine Farbe getuned. Aber das war’s. Heute geht kaum noch ein Foto unbearbeitet in die Öffentlichkeit. Nahezu jedes Foto ist Fake. Es gibt heute Tausende von Apps, mit denen jeder Smartphone-Knipser aus seinen Aufnahmen (vermeintliche) Meisterwerke machen kann. Die Realität bilden die Aufnahmen jedenfalls in der Regel eher nicht ab.

Bildbearbeitung ist heute keine große Sache mehr; Rechte: WDR/Schieb

Bildbearbeitung ist heute keine große Sache mehr

Fake total: Komplett im Computer erstellte Videos

Im Videobereich zeichnen sich ganz ähnliche Entwicklungen ab. Auch wer Videos dreht, kann heute mit Dutzenden von Apps Einfluss darauf nehmen. Mit Filtern und Effekten alles verändern. Na, fast alles. Selbst ob jemand lächelt oder nicht lässt sich heute mit Apps nachträglich retuschieren. Kein ein Spaß sein, aber auch alles auf den Kopf stellen. Doch nun ist es sogar möglich, mit wenig Aufwand die komplette Mimik und Gestik einer Person zu simulieren. Täuschend echt. Fake-Videos aus dem Computer.

Auf der Fachkonferenz Siggraph 2018 haben acht Forscher aus Deutschland, Frankreich und USA eine Software vorgestellt, die Videos erzeugt, in denen Promis wie Barack Obama oder Theresa May genau das sagen und mimisch ausdrücken, was die Macher der Software wollen. Es wird also nicht etwas die Hautfarbe optimiert, sondern das komplette Video entsteht im Rechner. Das klappt heute derart gut, dass man als Betrachter keinen Hinweis auf eine Fälschung mehr entdeckt.

https://www.youtube.com/watch?v=qc5P2bvfl44

Ausführliche Demo, was mit der neuen KI-Software möglich ist (Englisch)

Original oder Fälschung? Täuschend echt

Wau, die Möglichkeiten scheinen erstaunlich zu sein – und gehen weit über die bereits bekannte Software DeepFakes hinaus. Hier beschreiben die Macher detailliert (PDF), wie ihre Lösung funktioniert. KI-Software analysiert das Gesicht der Person, die im Fake-Video auftauchen soll. Später kann dann eine Art Schauspieler die Gesichtszüge vormachen – und die Software berechnet das Fake-Video: Kopfposition, Blickrichtung, Mimik: Wird alles täuschend echt imitiert. Sogar der Schatten im Hintergrund.

Das Tempo, in dem Video-Manipulationen derzeit weiterentwickelt werden, ist atemberaubend – und beängstigend. Wenn ich mir die Ergebnisse der neuen Video-Fake-Software anschaue, gruselt es mich. Weil wir Videos für authentisch halten – sie es aber immer seltener sind.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Ja, das ist in der Tat erschreckend. Jeder sollte eigentlich jede Information (Nachricht, Audio, Video, Foto) kritisch hinterfragen, bevor er darüber urteilt. Das müsste in den Schulen gelehrt werden, leider wird unter digitaler Bildung eher was anderes verstanden.
    Herr Schieb, nutzen Sie für Ihre Texte eine speech-to-text-Software? Wenn ich “wau” sehe, oder “Kein ein Spaß sein, aber…”, kommt mir so der Gedanke. Nur so, aus Neugier.

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