Wie Facebook uns noch mehr Werbung zeigen will

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Wie Facebook uns noch mehr Werbung zeigen will

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Facebook ist unaufhörlich auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Als nächstes wird der Facebook Messenger mit Werbung zugepflastert. In Thailand und Australien laufen seit einigen Wochen entsprechende Tests. Die Aufgabenstellung ist klar: Welche Werbeformate eignen sich für den Messenger, wo sollen die Anzeigen platziert werden und wie viel Werbung ertragen die Nutzer? Die ersten Ergebnisse der Tests liegen vor. Facebook hat angekündigt, den Facebook Messenger demnächst weltweit mit Werbung zu versorgen, auch bei uns in Deutschland.

FacebookFacebook sucht nach neuen Möglichkeiten, um Werbung präsentieren zu können

Messenger nervt künftig mit Werbung

Angeblich nutzen 1,2 Milliarden Menschen den Messenger-Dienst von Facebook. Kostenlos. Eine neue Quelle, die Mark Zuckerbergs Unternehmen da anzapfen kann. Die Werbemillionen dürften nur so sprudeln. Das ist auch dringend nötig, denn die Werbeflächen bei Facebook selbst sind ausgeschöpft: Mehr geht nicht, meldet Facebook selbst. Deshalb macht sich das Unternehmen Gedanken, wo sonst überall Werbung erscheinen kann.

Ich halt es nicht für besonders spaßig, wenn im Messenger Werbung aufpoppt. Werbung, die – wie bei Facebook üblich – all meine Daten im Hintergrund auswertet und die passenden Anzeigen raussucht. Das passiert sowieso. Aber wenn man bei einem sehr persönlichen Chat plötzlich Werbung präsentiert bekommt, wird es noch deutlicher, dass Facebook einen die ganze Zeit überwacht und beobachtet. Stress mit der Freundin? Schon erscheinen Anzeigen von Dating-Sites. Beim Plausch wird Paris erwähnt? Schwupps, die erste Angebote für Hotels in der Stadt der Liebe tauchen im Display auf. Spooky – aber keine Hexerei. Facebook kann so was.

Der Facebook Messenger wird künftig mit Anzeigen gefüllt; Rechte: Facebook

Der Facebook Messenger wird künftig mit Anzeigen gefüllt

Serien ziehen mehr User an

Doch es geht weiter. Facebook hat angekündigt, groß ins Seriengeschäft einzusteigen. Schon Ende des Sommers soll es losgehen, zumindest in den USA. Dann sind auf Facebook erste Serien zu sehen, die exklusiv bei Facebook laufen. Drei Millionen Dollar pro Folge werden ausgegeben – heute in den USA durchaus üblich für hochwertige Serienformate. Die Strategie ist leicht durchschaubar: So einem wie Zuckerberg geht es nicht darum, uns kulturell voranzubringen. Es geht darum, Leute anzuziehen, vor allem das junge Publikum (17 bis 35 Jahre), das derzeit verstärkt zu Snap und Co. wechselt.

Und wer eine Serie schaut, der ist lange im Netzwerk präsent. Eine Menge Möglichkeiten, Werbung zu schalten. Und nicht einfach nur Werbung. Endlich kann Facebook den Werbekunden sogar garantieren, was die Leute gerade bei Facebook anschauen, wenn die Werbung erscheint. Das Werbeumfeld ist klar: Die jeweilige Episode einer Serie. Ansonsten kann der Werbetreibende zwar genau festlegen, wen er mit seiner Werbung erreichen will, aber nicht, in welchem Umfeld, also was sich der User gerade anschaut (Diskussion über G20, private Timeline, Foto-Galerie der Freunde…).  Auch das wird Facebook deutlich mehr Werbeumsatz bescheren.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht – aber mir geht es mächtig auf die Nerven, dass Werbung wirklich in alle Bereiche unseres Lebens eindringt. Jetzt sogar im Messenger. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch WhatsApp für Werbeerlöse genutzt wird. Gut möglich, dass wir uns dann die gute als SMS zurückwünschen. Das war werbefreie Zone – und ist es immer noch!

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. Schon schade dass „Werbung“ stets als einziges Finanzierungsmodell einfällt.
    Es gibt übrigens einen wunderbaren Messenger, der auf den Namen Telegram hört 😎

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Grundsätzlich stimme ich P. Gedoehns (17.7. 1:53 h) zu.
    Und auch ich würde ja am liebsten sagen, daß es einer und eines jeden freie und eigene Entscheidung ist, bei diesem ASOZIALEN NETZWERK Mitglied zu sein oder nicht.
    Aber nach all meinen täglichen Wahrnehmungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf der Straße und auch im Hörsaal als Lehrender glaube ich, daß das zu einfach ist.
    Denn viele und immer mehr Menschen KÖNNEN nicht mehr aufhören, sind im medizinisch-psychologisch-psychiatrischen Sinne abhängig und suchtkrank.
    Auch offizielle Stellen wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung werden allmählich wach
    Facebook und seine Komplicen wissen nicht nur um die Abhängigkeit, sondern führen die Sucht auch systematisch und gezielt herbei, damit die Leute nicht mehr davon loskommen.
    Ein absolut PERFIDES System.
    Was nottut, ist Hilfe zum Ausstieg und ein gänzliches Aufwachen der Politik:
    Heroin und Crystal Meth sind ja schließlich auch und völlig zu Recht verboten.

    Einstweilen helfen aber vielleicht Seiten wie OASIS – https : // www . onlinesucht-ambulanz . de oder http : // www . aktiv – gegen – mediensucht . de/….

  3. Ich weiß nicht warum what’s app immer als einziger Messenger genannt wird. Ich bin mit threema sowas von zufrieden. Facebook kann man ja gerne haben ihne dann darüber zu Chatten. Man kann selbst viele Entscheidungen treffen, un das Leben besser zumachen. Und der Herr Gedoehns geht mir langsam auch auf den Zeiger. Soziale Netzwerke, sinnvoll genutzt, bringen. Iele Vorteile. Ich konnte so gut Kontakt zu anderen Menschen knüpfen und mih hat es im Leben sogar weiter gebracht.

  4. P. Gedoehns am

    Herr Zuckerberg kann nur Menschen mit Werbung nerven, die seine Produkte nutzen. Da ich weder bei seinem Facebook und Whatsapp, aber auch nicht bei Google, Yahoo oder sonstwo angemeldet bin, sehe ich der Sache bezogen auf meine Person gelassen entgegen. Da ich nie mit dem Rauchen angefangen habe, muss ich mir auch keine Sorgen machen, Kettenraucher zu werden.
    Allerdings beobachte ich schon seit längerer Zeit, wie sich sehr viele Menschen aller Altersklassen, Bildungsgrade und Einkommensverhältnisse von sogenannten sozialen Netzwerken abhängig machen lassen. Immer mehr Menschen in meinem Umfeld bemerken aber auch, dass diesbezüglich etwas aus dem Ruder läuft, denn sie beneiden mich immer öfter um meine Abstinenz zu den „sozialen“ Netzwerken und dem Smartphone.
    Ich kann nur jeden ermuntern, das derzeitige Geschehen um Smartphone, Facebook und allem was dazugehört, kritisch zu überdenken. Aus meiner Sicht lebt es sich ohne entspannter.

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