Marktmacht missbraucht: Fetter Strafzettel für Google

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Marktmacht missbraucht: Fetter Strafzettel für Google

Kommentare zum Artikel: 13

4,3 Milliarden Euro: Das ist schon ein richtig fetter Strafzettel, den Google da seit heute unter dem Scheibenwischer hängen hat. Die Strafzahlung ist fast doppelt so hoch wie die bislang höchste Strafe, die von der EU-Kommission verhängt wurde – 2017 war das, auch gegen Google (2,4 Milliarden Euro). Der Onlineriese aus dem Silicon Valley scheint also definitiv ein Wiederholungstäter zu sein.

Google Android Maskottchen; Rechte: dpa/Picture Alliance
Android ist ein freies Betriebssystem – aber trotzdem knüpft Google Bedingungen an den Einsatz

Marktmacht ausgenutzt: Zu viele Vorschriften

Aber worum geht es eigentlich? Google verschenkt sein mobiles Betriebssystem an Hardware-Hersteller. Jeder darf Android kostenlos nutzen und an seine Kunden verteilen. Kein Akt der Güte, sondern ein gutes Geschäft für Google. Denn so kann Google seine Dienste und Apps besser unters Volk bringen. Auf rund 86 Prozent aller verkauften Mobilgeräte war 2017 das Google-Betriebssystem Android installiert. Da kann man wohl mit Fug und Recht von einer gewissen Marktgröße sprechen. Ja, durchaus auch von einer Marktmacht.

Diese Macht hat Google genutzt, um seine Apps und Dienste zu pushen. Hersteller, die Android nutzen, müssen zum Beispiel auch den Google Play Store, den Suchdienst Google, den Chrome-Browser und einige andere Apps installieren. Löschen unmöglich. Auch ist es den Herstellern untersagt, einige Geräte mit und andere ohne die Google-Ausstattung auszuliefern. “Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung” nennt Google das. Knebelvertrag wäre auch eine mögliche Umschreibung.

Rekordstrafe gegen Google: Angemessen – und richtig

Rekordstrafe ist angemessen

Das Beispiel zeigt, wie verlockend es offensichtlich sein muss, seine Marktmacht auszunutzen – oder konkreter: zu missbrauchen. Denn eigentlich hätte Google es doch nicht nötig, seinen Suchdienst zu pushen. Der Chrome-Browser hingegen hat es zweifellos vor allem deshalb zum Marktführer gebracht, weil er eben in den vergangenen Jahren auf diese unlautere Art und Weise gepusht worden ist.

Gut, dass wir in Europa eine Wettbewerbskommission haben, die genau hinschaut. Denn in der Tat: Durch diese von Google angewandte Praxis werden die Gegebenheiten zementiert. Ein Hardwarehersteller kann nicht auf die Idee kommen, einen anderen Browser, eine andere Suchmaschine oder eine Start-up-App zu bevorzugen. Das hemmt den Wettbewerb nicht nur, das ruiniert ihn.

Die Rekordstrafe erscheint mir daher vollkommen angemessen. Sie soll abschreckend wirken. Noch wichtiger ist aber, dass Google seine Geschäftspraktiken ändern muss. Android wird vielfältiger, das Angebot – auch an Apps – bunter. Das ist gut so!

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. I typically don’t like large companies abusing their strength, however, the case of Google isn’t an abuse. The fact that something is default does no longer suggest everybody need to use it. human beings have picks, and they could use something they need on their phones, specially on Android.

  2. ingo st. am

    Windows 7,8 und 10 mobile gibt es noch und ist nicht abgeschaltet. WP10 wird zwar nicht weiterentwickelt, aber noch lange kein Grund zur Google-Krake zu wechseln. Es gibt sogar noch Neugeräte.

    Man möge sich an Fakten halten.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    1. Die wahre “Marktmacht” haben immer noch die Kundinnen und Kunden. Die sind sich dessen aber gar nicht bewußt, sie merken ja nicht einmal, daß sie keineswegs “Nutzerinnen und Nutzer” sind, sondern nur mehr BENUTZTE – Melkkühe für Datenkrakengangster wie diesem Google, wobei Nichmerken und Augegebeutetwerden dadurch erheblich erleichtert werden, daß die Leute schlicht suchtkrank gemacht werden.
    Wären sie es nämlich nicht, so würden sie schnell merken, daß wirklich kein Mensch auf der Welt “Mobilgeräte” wirklich braucht. Ich z.B. habe noch nie ein solches Suchtphone besessen und werde es auch für den Rest meines Lebens verweigern. Es fehlt mir dadurch – NICHTS! Im Gegenteil bin ich um ein Vielfaches freier als alle, die meinen, ein “Mobilgerät” zu “besitzen”, während sie in Wahrheit umgkehrt von ihm besessen und gelenkt werden…

  4. Apfelpit am

    Ich sage mal zu den Kommentaren von Elgoog, dass er/sie wahrscheinlich Recht behalten wird. Für Android-Nutzer wird das Urteil keine guten Folgen haben. Google wird den Teufel tun und nur auf 1€ Gewinn verzichten. Ich denke, die werden ein hervorragendes Premium-Android herausbringen, was die Smartphone-Hersteller auch gutes Geld kosten wird und infolge die Android-Welt verteuern wird, um die Verluste aus den “Monopol-Segment” abzufedern. Gleichsam wird Google die in Rede stehenden (Monopol-)Dienste so anbieten, wie die EU das verlangt, aber so unattraktiv gestalten und stiefmütterlich behandeln, dass jeder “freiwillig” das Premium-Android wählt. In diesem System werden dann auch alle (Monopol-)Dienste auftauchen, weil – welch ein Wunder – die Smartphone-Hersteller bei Integration dieser am Gewinn beteilig sein werden… Wo sind wir dann!? Richtig, beim Status Quo!
    Glaubt eigentlich irgendwer noch, dass durch Recht(-sprechung) und Gesetz etwas kundenfreundlicher wird und nicht schlechter und teurer. An alle diese Leute: Willkommen im Phantasialand! Das sagt Euch jemand, der 10 Jahre Behördenerfahrung hat!

  5. Bei Apple ist man versklavt, keine Frage, weil man dort ausschließlich Apps installieren kann, die der Konzern genehmigt (und kontrolliert). Aber das ist ein anderes Thema (das ich auch schon aufgegriffen habe). Hier nutzt ein Unternehmen seine Position aus, um andere Produkte zu pushen — das hat Microsoft früher auch mit Windows gemacht. Vermutlich würden die meisten Unternehmen und die meisten von uns genauso vorgehen, wenn man uns ließe – das heißt aber nicht, dass es richtig ist. :)

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      “Bei Apple ist man versklavt…”: Dazu gehören immer zwei…
      MIR z.B. wird es nie passieren, von Datenkrakengangstern und asozialen Medien “versklavt” zu werden…: Ich mache einfach nicht mit – und es fehlt mir nicht nur nichts, sondern ich bin gegenüber allen, die sich haben versklaven lassen, um ein Vielfaches FREIER! :-)

  6. M.S. Elgoog am

    So ein Quatsch!
    Die EU will sich mal wieder an den Erfolgen der Anderen bereichern.
    Microsoft wurde bereits gemolken, jetzt nimmt man sich (erneut) Google.

    Android ist kostenlos und dann darf der Hersteller ja wohl seine Produkte darin einbauen.
    Wer es nicht mag, soll es nicht nehmen. Fertig.
    Oder wechselt doch zur Konkurrenz, nach Apple. Ach Moment, die haben ja auch eigene Software fest integriert!
    Aufgepasst Apple, die EU wird sich bald melden!

    • Es wäre natürlich in der Tat schön, wenn Amazon, Facebook und Google auch tatsächlich mal Steuern zahlen hier. Aber das ist ein anderes Thema – und daran ist die Politik in der Tat mitschuld. Aber die Unterstellung, hier würden andere “gemolken”, ist einigermaßen lächerlich. Darum geht es der Wettbewerbskommission nicht. Es geht auch nicht darum, dass jemand etwas kostenlos verteilt und bestimmen möchte, was drin steckt. Man muss schon ein bisschen mitdenken: Es geht darum, die eine Position auszunutzen, um eine andere zu stärken. Auch wenn es kostenlos ist, ist da nicht alles erlaubt. Apple zwingt keine anderen Hersteller, ihr iOS mit bestimmten Diensten zu nehmen. Das lässt sich nicht vergleichen.

      • M.S. Elgoog am

        Das sehe ich dennoch anders als Sie Herr Schieb.
        Auch Google zwingt keinen Hersteller sein Betriebssystem auf, es wird verschenkt und freiwillig eingesetzt.
        Nur wer es auf seiner Hardware einsetzen möchte und damit (mit dem Geschenk von Google!) auch noch eigenes Geld verdienen möchte, hat sich halt an die Regeln von Google zu halten.
        Vielleicht sollte Google jetzt eine Lizenzversion von Android herausbringen, dann natürlich ohne Google-Dienste.
        Dann wird die Hardware teurer und kaum einer will sie haben.

        Ich bleibe bei meiner Meinung. Die EU will die Kuh melken!

        • Ich verstehe schon Ihren Punkt. Es bleibt aber dennoch eine Ausnutzung der Marktposition: Mit dem Größten und Stärksten Jungen legt sich keiner an, alle wollen mit ihm spielen. Keiner will ein anderes Spiel vorschlagen. Diese Regeln sollen nicht auch in die Wirtschaft gelten, darum kümmert sich die Wettbewerbskommission. Es wäre auch nicht anders, wenn Google dafür Geld verlangen würde (siehe Microsoft Fall bei Windows mit dem Internet Explorer). Wer 86% des Marktes “beherrscht”, ist Gate Keeper und darf nicht andere raus halten, zum eigenen Vorteil.

  7. Ich denke das Monopol ist Folge der bisherigen Entwicklung im Markt der mobilen Endgeräte. Nun ist es eigentlich schon zu spät, dagegen zu kämpfen. De Facto gibt es nur noch zwei Player (Android von Google und iOS von Apple), die so unterschiedlich sind (daher kaum Plattformwechsel der Nutzer), dass beide eigentlich jeweils über ein Monopol verfügen.
    Ist es bei Apple wirklich besser Herr Schieb? Ihre Meinung dazu würde mich interessieren!
    Jedenfalls fühlt man sich mit iOS (wie bei mir der Fall) auch ziemlich eingesperrt und zur Benutzung der Apple Apps und Dienste “gezwungen”.

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