Fortnite-Entwickler macht Dampf – und will Steam-Konkurrent werden

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Fortnite-Entwickler macht Dampf – und will Steam-Konkurrent werden

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Wer PC-Spieler ist, ist Steam-Spieler. Und es wird Zeit, dass sich das wieder ändert. Denn in seinen 15 Jahren hat sich Steam von einer praktische Kopierschutzmaßnahme zur wichtigsten Vertriebsplattform für digitale Games gemausert – und zum Quasi-Monopolisten.

Konkurrenten gibt es, das polnische Gog etwa oder die Fundgrube für Indie-Spiele Itch.io. Auch einzelne Spielefirmen wie Electronic Arts präsentieren ihre Games exklusiv auf eigenen Plattformen. Doch an die Marktmacht Steams kommen sie alle nicht annähernd heran.

Es ist ja auch so wunderbar bequem. Spiel kaufen, runterladen, Updates kommen automatisch, das Spiel ist immer aktuell. Wer das nicht will, muss trotzdem: Auch ein im Laden gekauftes PC-Spiel muss oft genug via Steam aktiviert werden. Mehr als hundert Millionen Spieler haben sich also ihren Account eingerichtet. Und sie können aus einer schier unendlichen Menge von Games wählen. 2017 sind jeden Tag durchschnittlich 20 neue Titel auf Steam aufgetaucht, der Umsatz lag bei 4,3 Milliarden Euro. Steam ist der PC-Gigant.

Fortnite-Entwickler startet Epic Games Store

Und jetzt taucht plötzlich die Softwarefirma Epic Games auf und haut ihre eigene Plattform für digitale Spiele ins Netz: den Epic Games Store. Bisher gibt es hier nur 16 Spiele, immerhin ein paar exklusive Titel, dazu kommt noch der Playstation-Klassiker „Journey“ und natürlich ist Epics unvermeidlichen Riesenerfolg „Fortnite“ von Anfang an im Line-Up. Das sind alles keine Gründe, sich im Epic Games Store ein Konto einzurichten. Noch nicht.

Denn Epic will nächstes Jahr richtig Dampf machen, laufend sollen neue PC-Spiele ins Sortiment aufgenommen werden. Vor allem aber macht Epic den Spieleentwicklern ein großzügiges Angebot: Von jedem verkauften Spiel kassiert die Plattform nur zwölf Prozent, 88 Prozent gehen an die Entwickler. Steam hingegen gönnt sich einen Anteil von circa 30 Prozent – und langt damit in etwa so kräftig zu wie Apple bei iTunes oder Nintendo, Microsoft und Sony auf ihren Konsolen. Das heißt: Epic lohnt sich für Spieleentwickler.

Coffee Stain springt als erster Entwickler ab

Der erste Entwickler hat bereits die Veröffentlichung seines Spiels „Satisfactory“ auf Steam abgeblasen. Es soll exklusiv im Epic Games Store erscheinen. Eine ganz bewusste Entscheidung, kein Versehen. Erklärt der Community Manager des Entwickler-Studios Coffee Stain.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=8&v=obZqJVSMbkc

Das Studio Coffee Stain erklärt den Wechsel zum Epic Game Store.

Diesem Beispiel werden weitere Entwickler folgen. Den fetten Dampfer Steam macht das noch nicht nervös, doch er wird seinen Kurs korrigieren müssen. Und tatsächlich: Besonders erfolgreiche Spiele zahlen inzwischen einen kleineren Anteil an Steam.

Kleine Entwickler, die diesen Rabatt nötig hätten, profitieren davon natürlich nicht – und werden sich eine Alternative suchen. Bis die Nutzerbasis von 100 Millionen Spielern geknackt ist, wird es noch sehr lange dauern, wenn sie überhaupt erreicht werden kann. Doch der erste Schritt ist getan: Epic ist offen.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. Gerade nicht so übermäßig IT-affine Menschen lieben Monopole in der IT: ein Betriebssysten, ein Browser, eine Textverarbeitung – Konkurrenz stört und verwirrt da nur. Ähnlich sieht es mit der digitalen Spielebibliothek aus: Theoretisch belebt Konkurrenz das Geschäft, praktisch ärgert man sich darüber, dass die eigene Spielesammlung plötzlich über ein halbes Dutzend Plattformen verteilt ist (neben Steam, GOG und Origin mindestens noch Uplay, Humble Bunde und Bethesdas eigene Plattform) und dass längst nicht alle Clients derart reibungslos funktionieren und einen derartigen Mehrwert bieten (und das tut Steam über das reine DRM hinaus in der Tat) wie Steam.

    Jede Plattform über die bereits existierenden hinaus, die nach wie vor nicht DRM-frei ist (was bislang ja leider nur bei GOG der Fall ist), halte ich für komplett überflüssig.

    • Thomas Ruscher am

      Stimmt natürlich, Steam ist einfach und bequem. Ich selbst benutze es auch bevorzugt, schon weil ich in der Regel keine Lust habe, mich auf anderen Plattformen anzumelden, wenn ich es nicht muss. Auf der anderen Seite hat Steam einige Nachteile: Unübersichtlichkeit zum Beispiel, wer keine Lust auf ein großes Spiel hat, wird durch Stöbern nur schwerlich eine Alternative im unübersichtlichen Steam-Store finden. Übrigens hat sich gerade schon der nächste Steam-Konkurrent angekündigt: “Robot Cache” will das Weiterverkaufen von Spielen erlauben, was auch ein Alleinstellungsmerkmal für so einen digitalen Shop ist. Wie das funktioniert, dürfte nächstes Jahr spannend werden.

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