Für Influencer ist jetzt einfach alles “Werbung”

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Für Influencer ist jetzt einfach alles “Werbung”

Kommentare zum Artikel: 6

Instagram ist kein so leichtes Pflaster mehr. Das war einmal anders: Influencer konnten dort jahrelang gutes Geld mit Produktplatzierungen verdienen. Dabei wurde aber Schleichwerbung zum Problem. Vor allem vom Verband Sozialer Wettbewerb hagelte es Abmahnungen, weil Werbebeiträge nicht als solche gekennzeichnet waren.

Eine wirklich eindeutige Regel dafür gibt es nicht. Nur eine Daumenregel: Durchschnittlich informierte Nutzer des jeweiligen Netzwerks müssen Werbung auf den ersten Blick als solche erkennen. Reicht da ein Hashtag “#ad”? Vermutlich nicht. Tut es ein Hashtag “#werbung”, der aber erst erscheint, wenn man auf “mehr” klickt? Man weiß es nicht genau. Sollte man einfach vor jedes Foto “Anzeige” schreiben? Das wäre die ganz sichere Variante, zu der mir Medienanwalt Carsten Ulbricht im Interview geraten hat.

Dazu kommt, dass es nicht nur Probleme bei tatsächlicher Produktplatzierung gibt – sondern auch, wenn Produkte im Spiel sind, für die gar kein Geld geflossen ist: Das Landgericht Berlin wertet auch Markierungen bei Instagram als Werbung – auch wenn dafür kein Geld geflossen ist. Das sei noch immer “eine geschäftliche Handlung zur Förderung fremden Wettbewerbs”, wie es im Urteil heißt.

https://www.youtube.com/watch?v=lQnPvGXDLeA
Das Influencer-Business im Silicon Valley – und ein Blick hinter die Kulissen von Instagram

Weil unter Influencern nun eine große Unsicherheit herrscht, wie sie den oft teuren Abmahnungen entgehen können, greifen viele nicht nur auf die ganz sichere Variante zurück, sondern auf die, sagen wir: drölfzigfach überaus extremst sichere Variante. Sie kennzeichnen einfach wahllos alles als “Werbung”. Bei einigen steht nun über jedem Posting “Werbung”, auch wenn darin gar keine Produkte zu sehen sind. Bei anderen “Werbung, unbezahlt”, bei wieder anderen “Werbung, weil Personennennung” – selbst wenn sie nur befreundete Influencer verlinken.

So führen die Ängste, die sich unter Influencern breit gemacht haben, dazu, dass ein wichtiger Plan gar nicht mehr aufgeht: nämlich Schleichwerbung zu vermeiden. Denn wenn einfach alles “Werbung” ist, kann ich als Nutzer auch nicht mehr unterscheiden, wofür denn nun tatsächlich Geld geflossen ist und wofür nicht.

Es ist dasselbe wie mit den Warnhinweisen vor Cookies oder der Schwemme an Datenschutzhinweisen, die es seit der DSGVO gibt: Zu viel davon führt nicht etwa dazu, dass wir als Nutzer nun besser informiert sind. Zu viel davon führt vor allem dazu, dass wir beginnen, diese Hinweise zu ignorieren. Sie werden zum Nervfaktor. Zur leidigen Begleiterscheinung im Internet. Und führen ganz bestimmt nicht zu mehr Klarheit.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

6 Kommentare

  1. Der Cookiehinweis verdeckt teilweise sogar die Links für Datenschutz und Impressum.

    Welches Aktenzeichen hat das Urteil des Landgerichtes Berlin? Würde mir das gerne durchlesen.

  2. Klaus Lohmann am

    (Ergänzung: …und was nicht aus Füllwörtern besteht und überdies irgendeinen Sinn ergibt??)

    • Dennis Horn am

      @Klaus Lohmann: Stars und ihre Fans gab es schon immer. Ich neige nicht dazu, das, was Stars produzieren und bedeuten, pauschal als sinnlos zu bewerten.

  3. Klaus Lohmann am

    Ähm, gibt es denn überhaupt bei irgendeinem dieser “Influencer” etwas, was *nicht* Werbung ist???

    • @Klaus:
      eigentlich alles wofür kein Geld, keine Ware und keine andere Gegenleistung geflossen ist. Stichwort: paid media
      Alles was ohne Geld “beworben” wird, nennt man “persönliche Empfehlung”. So wie wenn ich dir das Restaurant um die Ecke empfehle.

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