Games wie “Sea of Solitude” sollen mehr als nur Spaß machen

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Games wie “Sea of Solitude” sollen mehr als nur Spaß machen

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Wenn ich den Begriff Serious Game lese, gruselt es mich immer ein wenig. Staubtrockene Computerspiele mit erhobenem Zeigefinger tauchen vor meinem Auge auf. Zu Unrecht, denn es gibt Ausnahmen. Aber Lernspiele dienen eben in erster Linie dem Lernen. Und erst danach dem Spiel.

Dass es auch anders geht, beweist gerade ein Indiegame aus Deutschland: “Sea of Solitude” vom Berliner Studio Jo-Mei Games erzählt die Geschichte der jungen Kay. Als schwarzes Monster mit rotglühenden Augen erkundet sie eine im Meer halb versunkene Stadt. Sie flieht vor ihren inneren und äußeren Dämonen und setzt sich mit Einsamkeit und psychischen Krankheiten auseinander.

https://www.youtube.com/watch?v=3EDcrwDCYqo

Trailer zu “Sea of Solitude”.

Das Spiel ermöglicht Einblicke, wie psychische Krankheiten entstehen können und wie sie sich auf Betroffene auswirken. Die Szenen im Spiel sind teilweise autobiografische Geschichten von Gamedesignerin Cornelia Geppert und ihrem Jo-Mei-Team. Harter Stoff, bis hin zu suizidalen Gedanken.

Die Botschaft: Es ist ok, nicht ok zu sein. Und beim Spielen habe ich mich selbst oft alles andere als ok gefühlt.

Bitte mehr Spiele wie “Sea of Solitude”

“Sea of Solitude” ist nicht das erste Computerspiel, dass sich mit ernsten Themen auseinandersetzt, ohne gleich ein Serious Game sein zu wollen. “Gris” hat voriges Jahr künstlerisch anspruchsvoll Depressionen thematisiert. Und das Action-Adventure “Hellblade: Senua’s Sacrifice” macht gleich mehrere psychische Krankheiten nachvollziehbar.

Professorin Christiane Eichenberg erklärt, wie psychische Krankheiten in Games dargestellt werden.

Diese Games dienen nicht mehr nur der Unterhaltung, sondern auch und ganz ohne erhobenen Zeigefinger der Aufklärung. Und die ist gerade im Medium Computerspiel wichtig.

Die Untersuchung Gaming With Stigma hat kürzlich 100 Spiele mit psychischen Krankheiten untersucht: 96 dieser Spiele stellen die Krankheiten komplett negativ und unheilbar dar. Es gibt also gewaltigen Nachholbedarf, zum Beispiel eine Depression im Computerspiel realistisch darzustellen. Oder zumindest so, dass Betroffene nicht stigmatisiert werden.

“Sea of Solitude” ist dabei, ein Erfolg zu werden, vielleicht sogar ein Aushängeschild für Computerspiele “Made in Germany”. Das ist auch der medialen Unterstützung vom Computerspiel-Riesen Electronic Arts zuzuschreiben.

Und es zeigt: Wir Spieler wollen auch solche Games. Spiele, die nicht nur eine epische Heldengeschichte erzählen, die nicht nur Spaß machen und nett unterhalten, sondern alle Möglichkeiten des Mediums nutzen. Bitte mehr davon.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. MrBluelight am

    Schade, nur bei Origin (=DRM) zu kaufen. Wenn es mal ohne DRM erscheint, werd ichs mir mal ansehen. Aber DRM ist ja Money for nothing …

    • Thomas Ruscher am

      Stimmt, für den PC gibt es “Sea of Solitude” ausschließlich über Origin von Electronic Arts. Konsolenbesitzer können noch auf die Version für Playstation 4 oder die XBox One zurück greifen, aber das ändert letztlich nichts am DRM-Problem.

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