Gamescom 2018: Larry Laffer ist zurück – und platzt in die #metoo-Welt

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Gamescom 2018: Larry Laffer ist zurück – und platzt in die #metoo-Welt

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Die Spieleschmiede Sierra war in den 80ern eine Legende. Sie hat das erste Grafikadventure überhaupt veröffentlicht. Von ihr stammten berühmte Spielereihen wie “King’s Quest”. Und sie hat die Cheftaste berühmt gemacht – mit der man Spiele verbergen kann, wenn der Chef das Büro betritt. Das Spiel, das diese Funktion nötig gemacht hatte, hieß “Leisure Suite Larry”.

Larry Laffer gehörte zu den Adventurehelden der 80er und 90er. Ein lüsterner Mittvierziger, der nach Liebe sucht, aber mit sexistischen Anmachversuchen und stupidem Ferkelhumor immer wieder daran scheitert, bei den attraktiven und erfolgreichen Frauen um ihn herum zu landen.

Nun schreiben wir das Jahr 2018 – und Larry Laffer ist zurück. Das Spiel stammt von Assemble Entertainment aus Wiesbaden. Es wird am 7. November für Windows und macOS erscheinen, und auf der Gamescom konnte ich mir die ersten Spielminuten von “Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don’t Dry” geben.

https://www.youtube.com/watch?v=lnoUampscus
Die ersten Spielminuten aus “Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don’t Dry”

Das Jahr 2018 stellt Larry – eine Figur, die in Zeiten von #metoo völlig fehl am Platz wirkt – vor Herausforderungen: An den Frauen im Spiel prallen seine Flirtversuche wie selbstverständlich ab. Die Hipsterin mit Dutt, Filzmantel und Lammfellstiefeln unterhält sich nicht etwa mit Larry – sondern mit ihrem Smartphone. Oder wie er es nennt: ihrer “leuchtenden Box”. Vom Craft Beer wird Larry schlecht. Und die Chefassistentin des Prune-Konzerns stellt ihm nur ein Date in Aussicht, wenn Larry vorher 90 Punkte in der Datingapp “Timber” gesammelt hat.

Der erste Eindruck: Der neue Larry Laffer (mit der Synchronstimme von Barney Stinson aus “How I Met Your Mother”) nimmt sich mit seinem Humor zurück. Er ist auch sympathischer als damals. Das Jahr 2018 – wie auch immer er dorthin gekommen ist – lässt ihn eher verwirrt und bemitleidenswert wirken. Direkte Kommentare zur #metoo-Debatte sparen sich die Macher von “Wet Dreams Don’t Dry”. Sie setzen aber auf weniger Leisure-Suit-Larry-Humor – und mehr auf die Puzzleaspekte des Spiels.

Mehr als zehn Stunden soll man mit dem neuen Larry Laffer verbringen können. Zur Legende wie zu Zeiten von Sierra wird es Spiel natürlich eher nicht. Für Retrofans dürfte es aber ein Vergnügen werden: Die Geschichte ist liebevoll gezeichnet, man merkt, dass ein adventureerfahrenes Team dahintersteckt, und auch 2018 “funktioniert” Larry Laffer – vielleicht auch genau, weil sich das Spiel ein Statement zur heutigen Zeit spart.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

2 Kommentare

  1. Da freu ich mich auch schon richtig drauf . Ich kenne noch den ersten Teil aus meiner Jugend und bin nun gespannt wie der neue so ist .

    Gruß Markus

    • Dennis Horn am

      @Markus: Dann viel Spaß beim Ausprobieren – und noch ein Hinweis: Wir möchten nicht, dass unser Blog für die Bewerbung kommerzieller Angebote genutzt wird. Den Link in Ihrem Kommentar haben wir gelöscht. Danke für die Beachtung der Blogregeln und Ihr Verständnis.

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