Glücksspiel hat in Games für Kinder nichts verloren

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Glücksspiel hat in Games für Kinder nichts verloren

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Glücksspiel hat nichts in den Händen von Kindern verloren. Und trotzdem gehört Glücksspiel für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag: In Form von Spieleapps wie “Coin Master”. Es wird allerhöchste Zeit, dass diese Abzocke unmöglich gemacht wird.

Die USK reagiert

Denn diese Apps sehen süß aus, scheinen kindertauglich, sind am Ende aber nicht mehr als Einarmige Banditen, die so viel Taschengeld wie möglich schlucken wollen. Und endlich geht die USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, einen ersten Schritt in die richtige Richtung: “Glücksspiel” wird ein entscheidendes Kriterium für die Alterseinstufung von Spielen.

Klar: Minderjährigen ist Glücksspiel, bei denen Geld oder geldwerte Preise gewonnen werden können, untersagt. Aber bei Coin Master und Co. geht es nicht um Geld, es geht lediglich um kleine Vorteile im Spiel. Darum ist hier nur die Rede von “glücksspielähnlichen” Mechanismen.

Spätestens Jan Böhmermann hat auf “Coin Master” aufmerksam gemacht.

Aber ganz ehrlich: Ob ein Kind sein Geld verschleudert, weil es Geld gewinnen kann oder ein paar Punkte im Spiel, ist völlig egal. Diese Spielmechaniken machen Lust auf Glücksspiel. Also: Weg damit, bitte!

“Lootboxen” gehören verboten

Schön wäre es. Aber so löblich der grundsätzliche Gedanke der USK auch ist, der Schritt geht nicht weit genug. Denn bei der neuen Regelung geht es nun um den “Spielinhalt Glücksspiel”, aber nicht etwa um die umstrittenen “Lootboxen”.

In diesen kostenpflichtigen Beutekisten stecken Bonusinhalte für ein Spiel. Man bezahlt sie, ohne zu wissen, was man bekommt. So wie bei den Sammelkarten für Fußball-Stickeralben. Beim Fußballgame “Fifa” ist dann zum Beispiel ein besonders toller und seltener Fußballer in der Lootbox – vielleicht aber auch nur ein Langweiler. Klingt nach Glücksspiel, oder?

Szenen aus dem App-Game "Coin Master". Bild: WDR/ Thomas Ruscher“Coin Master” sieht süß aus und richtet sich offenbar an junge Spielerinnen und Spieler.

Wenn wir Kinder und Jugendliche ernsthaft vor Glücksspiel schützen wollen, müssen wir handeln. Die USK kann nur Altersempfehlungen abgeben. Gefragt sind also die Landesmedienanstalten, die eh schon immer wieder Lootbox-Verbote prüfen, sowie der Gesetzgeber. Wir brauchen nicht nur Netzsperren für den Jugendschutz. Wir brauchen auch Sperren auch für Abzocker-Apps.

Denn vor der USK-Entscheidung liegt das empfohlene Alter für “Coin Master” bei 16 Jahren im Google Play Store, bei 17 Jahren im App-Store. Als ob es Jugendliche jemals interessiert hätte, dass ein Spiel nicht die passende Altersfreigabe hat.

Voriges Jahr wurden in Deutschland 1,8 Milliarden Euro eingenommen mit In-App-Käufen, auch mit Lootboxen und Glücksspielmechaniken. Trotzdem: Aber der Jugendschutz muss uns mehr wert sein.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

7 Kommentare

  1. Pappa Fortuna am

    Der Anwender ist dafür verantwortlich was er zulässt oder nicht; auf seinem eigenen Handy, auf den Geräten vom Nachwuchs unter 18 oder hier im Blog. Wir brauchen daher keine Netzsperren
    – „für den Jugendschutz“ oder
    – gegen Vermittlung von Prostituierten in Israel
    Vielleicht sind meine Kinder schon früher reif als die USK schätzt,
    vielleicht mache ich mal Urlaub in Haifa.
    (@v9bet, echt witzige Aktion und gut getroffen)
    Netzsperren gegen Abzocker wären nur gegen echte Betrüger angebracht. Der Vergleich mit „Sammelkarten für Fußball-Stickeralben“ ist eigentlich gelungen, mit Wundertüten habe auch ich mal „Geld verschleudert“. Der Zufall macht Spiele interessant, Spiele müssen irgendwie bezahlt werden und ich sehe schon einen gewaltigen Unterschied zwischen dem Verkauf von Wundertüten und jugendgefährdenden Glücksspiel. „Coin Master“ kenne ich zwar nicht aber diese Geschichte hier sieht ziemlich konstruiert aus. Jetzt muss ich mich aber wieder mit Drachen prügeln in Guildwars 2 (USK 12 Jahre); die Schwarzlöwen-Truhen dort sind auch „Lootboxen mit Glücksspielmechaniken“ und andere Spiele werden ähnliche Mechaniken haben.

  2. Old Gamer am

    Ich kann Thomas Ruscher hier nur voll zustimmen. In Spielhallen gibt es nicht umsonst “Zutritt nur ab 18”. Das kann und darf bei Computerspielen nicht anders sein.
    Glücksspiel ist nicht jugendgefährdend wie (zu viel) Sex oder Gewalt. Dafür aber suchterzeugend.
    Noch eine Chance, und noch eine, und noch eine… Und plötzlich ist das Taschengeld weg. Was jetzt?
    Und ich stimme auch zu, dass Lootboxen in die gleiche Kategorie gehören. Da gehen andere Länder auch schon erheblich strenger gegen vor.
    Eigentlich gehört dergleichen sowieso komplett abgeschafft. Aber der Zug ist wohl abgefahren. Die Zeiten von “Ich bezahle beim Kauf ein mal für ein Spiel und kann es dann uneingeschränkt spielen” sind einfach vorbei.

  3. So nervig und finanziell schädlich Lootboxen und an Kinder gerichtetes Glücksspiel auch sind: Netzsperren durch den Staat und ein “Jugendschutz”, der sich gegen alle richtet, sind eine grundsätzliche Bedrohung der in den letzten 25 Jahren gewonnenen digitalen Freiheitsrechte!

    Wie kann man sich nur als Doom-Fan bezeichnen und solchen Zensurdreck befürworten?!? Das ist genau die Haltung, mit der Bundesprüfstelle und andere Zensoren in den 1990ern Doom und Konsorten verfolgten und in Spielen für Absurditäten, wie grünes Blut und Roboter statt Menschen, sorgten. Der Staat muss aus der Netzinfrastruktur draußen bleiben, alles andere ist ein chinesisches Internet kapitalistischer Prägung! Bei Pornos haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass es auch bei effektiv völlig freiem Zugang allenfalls geringe Schwierigkeiten gibt, die hinter denen dickmachender Genussmittel zurück stehen, dass der bewahrpädagogische “Jugendschutz” in dem Bereich völlig unnötig ist, dass es sowas wie “jugendgefährdende Medien” nicht gibt!

    Der größte Schaden von Lootboxen und “pay to win” ist, dass sie Computerspiele an sich zerstören, dass man nicht mehr einmal ein Spiel kauft, oder meinetwegen ein Online-Abo, und dann Spaß hat, sondern dass es einem immer wieder an den Geldbeutel geht, dass diese Spiele langwierig und frustrierend gestaltet sind, um Spieler zum Geldausgeben zu bringen. Es sind in erster Linie schlechte Spiele, keine Gefährdung, die staatliche Angriffe auf Grundrechte rechtfertigen könnte!

  4. Derartige Vorschläge sind das Anfang vom Ende der Spielebranche. Das sind maßlose und durch nichts gerechtfertigte Eingriffe. Wie ja schon selber erwähnt, waren schon die Panini-Sammelbilder Glücksspiel und sie wurden nicht verboten. Im Grunde ist nahezu jedes Spiel irgendwie auch Glücksspiel. Der Raidpass bei Pokemon Go kostet 1 Euro. Ob das Pokémon am Ende drin, ist vom Zufall und damit vom Glück abhängig – soll man deswegen auch hier 18+ machen? Dieser dauernde Schrei nach immer mehr Regulierung ist eine hochgradige Gefahr für die Freiheit im Netz – oft ohne jeden konkreten Anlass, so ist etwa Coinmaster kein bei Jugendlichen beliebtes Spiel. Vielleicht sollte man mal jungen Menschen mehr verantwortungsvolles Verhalten zutrauen anstelle dauernd nach Verboten zu schreien. Ich fürchte ja, dass bis zum Jahr 2040 durch Forderungen wie diese jede Freiheit zerstört ist: Algorithmen erkennen automatisch Inhalte und lassen nur noch Beiträge zu, die bin einer Netzmedienanstalt zugelassen werden. Und Smartphones erkennen automatisch das Alter der Nutzer, wer unter 16 ist, wird von Messenger-Programmen automatisch ausgeschlossen und hat nur sehr beschränkt Zugriff auf Games. Wollen wir wirklich in so einer Zukunft leben, die im Ergebnis uns in die Vergangenheit zurück wirft?

    • Da wird ein real existierendes Ärgernis genutzt, das im Übrigen auch Computerspiele enorm verschlechtert, um nach dem autoritären Unterdrückungsstaat und Rückkehr zum “Jugendschutz” zu rufen, der seit je her nur Vorwand zur allgemeinen Zensur war; eine wirkliche Gefährdung durch Pornos, Horrorfilme, “Killerspiele” und andere Sex- und fiktive Gewaltdarstellungen hat es nie gegeben! Der WDR hat mehrere Leute, die solche Schoten ablassen. Das klingt wie: ich hab als Jugendlicher Doom gespielt, als es indiziert, aber überall als Kopie erhältlich war, und heute, wo Spiele nur noch zentral über Steam & Co laufen, wo man ganz einfach wirkungsvoll zensieren kann, soll wieder die eiserne Faust staatlicher Zucht- und Ordnung-Vorgaben herrschen.

      Gegen Abzocke gibt es ein viel besseres Mittel: Keine Geschäftsfähigkeit von Minderjährigen, alles über Lastschrift, Kreditkarte usw. ist rechtlich ungültig und kann verweigert bzw. zurück geholt werden! Da braucht es kein chinesisches Internet, wie es die Schandfiguren von NRW immer wieder wollten: früher Jürgen Büssow, jetzt Tobias Schmid.

      Die ganze klassische Internet-Infrastruktur, Google, Youtube & Co, ist seit etwa 2016 weitgehend unbrauchbar geworden: Google ist zum Presseindex der Mainstreammedien und zur Paywall-Suchmaschine degeneriert, auf Youtube werden Produktionen klassischer Medien gepusht und die klassischen Graswurzel-Youtuber zurück gedrängt und bekommen viel weniger Werbeeinnahmen. Es fehlt wirklich sowas wie früher die Piratenpartei, die der Obrigkeit die Grenzen aufzeigt!

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