Google kommt zu Dir nach Hause

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Google kommt zu Dir nach Hause

Kommentare zum Artikel: 6

Eins können amerikanische Unternehmen wirklich hervorragend: Die Leute begeistern – vor allem auf Trade Shows und Hauskonferenzen. Gestern Abend (18.05.2016) hat Google  die jährlich stattfindende Entwicklerkonferenz Google I/O gestartet. Tausende Entwickler sind ins kalifornische Moutain View gepilgert, um sich von Top-Managern und Chef-Entwicklern des Google-Konzerns erklären zu lassen, wohin die Reise geht, wie aus Sicht des mächtigen Konzerns die Zukunft aussieht. Google hat neue Geräte und Technologien angekündigt, mit denen Konkurrenten wie Facebook, Amazon, WhatsApp, Microsoft und viele andere frontal angegangen werden. Von Bescheidenheit keine Spur auf der Google I/O – eher von ungehemmten Expansionsdrang.

Google Home; Rechte: GoogleEher Lautsprecher oder Wanze? Das liegt im Auge des Betrachters

Google Home: Lautsprecher mit Spracherkennung

Neueste Hardware aus dem Google-Imperium ist Google Home. Ein Apparat, mit dem Google am liebsten in jedem Privathaushalt vertreten wäre. Google Home ist ein WLAN-Lautsprecher, so ähnlich wie die von Sonos und anderen Herstellern. Man kann per WLAN Musik auf den Lautsprecher schicken und so Radio hören oder Musik aus seinen Playlisten abspielen. Praktische Sache – und sozusagen der Köder für uns, denn so was wollen viele haben. Doch Google ist nicht wirklich daran interessiert, Lautsprecher zu bauen. Googles Home-Box soll deutlich mehr können: Sie kann auch Sprachbefehle empfangen, die Heizung oder Beleuchtung steuern (mit Geräten des von Google gekauften Herstellers Nest), sie kann uns mit aktuellen Verkehrsinformationen versorgen, eine Einkaufliste erstellen oder verwalten, den Kalender verwalten oder bei Bedarf einen Tisch im Restaurant reservieren.

Google Home soll den Sprachassistenten Google Now nach Hause holen. Wir sollen also nicht nur am Smartphone mit unserem Assistenten reden können, sondern jederzeit. Ohne einen Knopf drücken zu müssen, denn Google Home hört natürlich immer mit. Dasselbe Konzept gibt es bei Amazon Echo. Auch Amazons Box steht in der Wohnung und lauscht: Man kann Musik abspielen lassen, Filme starten und vieles andere mehr. Google Home soll mehr können. Vor allem soll der Google Assistent flexibler auf Fragen reagieren. Ein „Wie heißt noch mal der Regisseur von Harry&Sally?“ wird künftig beantwortet – und auch eine nachgeschobene Frage wie: „Und welche Filme hat er noch gedreht?“

https://www.youtube.com/watch?v=p5DVeDWtA5U

Google will seinen Assistenten Googe Now aufbohren

Alle Onlinekonzerne motzen gerade ihre digitalen Assistenten auf. Apple sein Siri, Microsoft sein Cortana, Amazon sein Echo – und Google sein Google Now respektive Google Assistent und Google Home. Es wird allerdings noch bis Ende des Jahres dauern, bis Google Home tatsächlich auf den Markt kommen soll. Ob auch bei uns, wurde auf der Keynote der Google I/O nicht verraten. Man kann aber davon ausgehen, dass zuerst mal nur der US-Markt bedient wird – und später dann vielleicht auch andere Länder beliefert werden.

Konkurrenz für WhatsApp und Facebook Messenger

Aber auch den rasant wachsenden Markt der Messenger-Apps lässt Google nicht links liegen. Mit Allo hat Google eine neue Messenger-App angekündigt, die glasklar WhatsApp und dem Facebook-Messenger Konkurrenz machen soll. Klar: Warum der Konkurrenz diesen attraktiven Markt kampflos überlassen? Es ist allerdings erstaunlich, welche Features sich die Ingenieure da ausdenken. Bei Allo kann man emotionale Äußerungen in unterschiedlicher Größe versenden. Ein kleines oder ein großes Smiley? Bin ich nur ein bisschen traurig oder so richtig? Nicht auszuschließen, dass die User so etwas tatsächlich goutieren. Praktischer finde ich da schon, dass es vorgefertige Schnellantworten gibt. Standardantworten für Standardsituationen – das erspart Tipparbeit. Die eingebaute Text- und Bilderkennung von Google soll dabei helfen, die passenden Antworten auszuwählen.

Ähnlich wie Microsoft und Facebook will Google seinen Messenger auch mit Robotern ausstatten. Allo kann auch mit dem Assistenten Google Now Kontakt aufnahmen. Das bedeutet: Man kann auch aus Allo heraus Tische in Restaurants buchen, den Kalender pflegen oder sich Fragen beantworten lassen. Dank einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, wie sie WhatsApp gerade erst eingeführt hat, sind die Chats gut abgesichert. Muss man allerdings explizit einschalten.

Die Neuvorstellungen von Google sind interessant, denn sie bringen Bewegung in den Markt. Facebook wird unter Druck gesetzt, Amazon ebenfalls – und ein bisschen auch WhatsApp (also wieder Facebook). Google entfernt sich immer weiter von seinem ursprünglichen Produkt, der Suchmaschine, und wird zum Wir-lösen-alles-Anbieter. Allerdings auch zum Wir-wissen-alles-über-Dich-Konzern. Denn das ist die zwangsweise Folge, wenn wir all die Dienste von Google intensiv nutzen.

https://www.youtube.com/watch?v=UWsVULwVr5E

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Nun, nach all den Kommentaren mal eine Gegenüberstellung. Ich habe ein Smartphone. Und bin stolz darauf es zu haben! Es lässt mich mit Freunden und Familie per Internet fast kostenfrei in Kontakt bleiben, hilft mir in unbekannten Stadtteilen (Navi), und erlaubt mir die Fahrzeit in der S-Bahn sinnvoll zu nutzen (private und dienstliche emails lesen und beantworten). Auf langen Fahrten/Flügen sorgt es für Musik.
    Das von meinen Vorrednern angeprangerte ‚Sucht-Phone‘ ist kein Problem des Geräts, sondern des Nutzers und, ganz simpel, der Etikette.
    Ganz einfach: Wenn ich in einem Meeting bin, ist mein Gerät leise und in der Hosentasche, der perönliche Kontakt geht vor. Bei einem Date ebenso, persönlich geht vor. Genauso empfinde ich es als unhöflich, wenn man Verhalten mir gegenüber zeigt, wo ich mir persönlich Zeit nehme und sie mit jemandem verbringe, der-/diejenige aber es dann als wichtiger erachtet sich mit dem Handy zu beschäftigen, während ich ‚Löcher in die Luft‘ gucke. Aus meiner Sicht ist dies ein Zeichen, dass die Zeit, die ich mit jemandem verbringe, nicht wertgeschätzt wird. Weiterhin, nachts wird bei mir geschlafen und nicht telefoniert, daher ist das Gerät dann ganz aus. Und der Internetrouter gleich mit (ich empfehle jedem mal nachzumessen, wieviel Strom so ein Teil frisst)!
    Kurzum, Technologie hat Chancen und Risiken, aber Angst ist KEIN guter Berater. Und die Aufhebung von Etikette und Jahrhunderte alter Höflichkeitsgebote mit der Technologie als Ausrede ist ebenfalls nicht angebracht.

  2. Detlef Schneider am

    Hallo,

    Ich frage mich, wer stellt sich sich so ein Ton-Spion freiwillig in die Wohnung? Mir könnte man das Dingen schenken, ich würde es nicht haben wollen! An meinem Laptop habe ich sogar das eingebaute Mikrofon überklebt, weil man ja schon öfter mal davon gehört hat, das auch solche Dinge gerne mal angezapft werden.

    Wenn ich was wissen möchte, dann tippe ich es in die Tastatur, möglichst nicht bei G…..!

    Gruß

  3. Widerstand_ist_Pflicht! am

    (Google wird) „Allerdings auch zum Wir-wissen-alles-über-Dich-Konzern. Denn das ist die zwangsweise Folge, wenn wir all die Dienste von Google intensiv nutzen.“
    Sehr richtig! Genau so ist es!
    Und genau deswegen kommt Google zu MIR nach Haus unter Garantie NICHT – weder heute noch in Zukunft.
    Und aus denselben Gründen wird mir auch NIE ein Smartphone ins Haus kommen.
    Alles Dinge, die wirklich NIEMAND wirklich „braucht“, die uns aber Stück für Stück unserer Privatsphäre und unserer Freiheit berauben und immer mehr von uns obendrein schwer suchtkrank werden lassen.
    Die Lösung ist ganz einfach:
    Laßt alle die Finger davon und werdet oder bleibt schlicht abstinent!
    Buchtips dazu gefällig?
    Harald Welzer, Die smarte Diktatur. – Der Angriff auf unsere Freiheit
    Manfred Spitzer, Cyberkrank!, Wie das digitale Leben unsere Gesundheit runiniert
    Andrew Keene, Das digitale Debakel, Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können
    Bert te Wildt, Digital Junkies, Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder

    • Schokokuss71 am

      Ich gebe zu, ich habe ein Smartphone, aber ich fürchte mich vor dem Ding dermaßen, das es die meiste Zeit aus ist und nur mit einer Prepaid-Karte betrieben wird. Es war ein Geschenk und dient nur dazu alle zwei Monate mit dem Schenker per What´sApp in Kontakt zu bleiben. Ansonsten habe ich ein acht Jahre altes Prepaid-Handy in der Handtasche, dass ebenfalls meistens aus ist und wirklich nur für den Notfall ist. Allerdings dann, da es kaum noch Telefonzellen gibt, finde ich Handys schon praktisch.

      • Widerstand_ist_Pflicht! am

        Vielen Dank für diese Antwort – und übrigens auch für den Kommentar von Detlef Schneider! :-)
        Sie beide belegen, daß ich mit meinen Bedenken doch nicht alleine dastehe, und daß es im Übrigen auch nicht stimmt, wenn gesagt wird, Angst sei kein guter Ratgeber:
        Doch, das ist er!
        Angst ist eben nicht stets irrational und hat in der gesamten Menschheitsgeschichte dauernd Menschen und Gruppen von Menschen vor schlimmen Schäden bewahrt, da Angst die Funktion hat, vor GEFAHREN zu WARNEN!
        Das Smart- oder besser: SUCHTphone zu fürchten, besteht aller Anlaß, ebenso wie vor den macht- und profitgierigen Kraken Google, Facebook und ihren Spießgesellen (ich verweise nochmals auf die Bücher von te Wildt, Spitzer, Welzer und Keen).
        Und ich freue mich zu sehen und zu lesen, daß offenbar doch noch einige – wenige? – Menschen noch nicht von der Droge Digitalisierung und von deren regelrechter Vergottung so berauscht und eingeschüchtert sind, daß sie nichts mehr wahrnehmen als das SUCHTphone-Display, deren Inhalt sie allen Ernstes für die Wirklichkeit halten.
        Weiter so: Habt ANGST und leistet WIDERSTAND durch ABSTINENZ und AUSSTEIGEN und durch PRÄVENTION, besonders bei unseren Kindern!
        Tip zum Schluß: Geht alle mal auf die Seite des Fachverbands Medienabhängigkeit – zu finden mit den diskreten Suchmaschinen DuckDuckGo oder Ixquick!

        • Detlef Schneider am

          Hallo, ich glaube schon, das es genug von denen gibt, die genauso denken, wie wir. Nur sind wir leider eine Minderheit von Menschen, die sich nicht hinters Licht führen lassen. Oder anders gesagt, noch eine gesunde Septische Einstellung haben haben.

          Früher in den 70ern hatte man uns Kinder gewarnt, nicht bei fremden in ein Auto zu steigen, so sehe ich das heute auch mit diversen Diensten. Mein Smartphone hat auch kein Go..le, sondern läuft mit Firefox-OS. Das wird nun leider nicht mehr weiter vertrieben.

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