Google macht Schluss mit Schnüffel-Werbung – demnächst

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Google macht Schluss mit Schnüffel-Werbung – demnächst

Kommentare zum Artikel: 19

Wir kennen das Phänomen alle: Wir suchen nach einer besonderen Lampe und schauen uns das gute Stück in einem Onlineshop an – und in den nächsten Tagen sehen wir die Lampe andauernd überall. Auf Webseiten. Im News-Bereich. Im Artikel über Gesundheitslatschen. Immer und immer wieder erscheint die Lampe. So lange, bis wir schwach werden und zuschlagen. Dann verschwindet die Werbung wie von Geisterhand gesteuert – und wir bekommen Werbung für Leuchtkörper präsentiert.

So ist das Internet: Es kennt uns besser als wir selbst. Vor allem die Werbenetzwerke. Allen voran Google und Facebook. Die Netzwerke beobachten uns ununterbrochen. Das erledigen sie über sogenannte „Tracker“, die uns überall beobachten. Selbst in Apps stecken solche Tracker: Obwohl keine Werbung erscheint, tracken sie uns trotzdem. Etwa unseren Aufenthaltsort.

Privatsphäre: Nimmt im Web eine immer größeren Stellenwert ein; Rechte: WDR/Schieb

Privatsphäre: Nimmt im Web eine immer größeren Stellenwert ein

User wollen zunehmend mehr Privatsphäre

Eine aufdringliche Art und Weise, uns User auszuspionieren – finden immer mehr „User“.

Selbst die Politik ist mitunter am Ende ihrer Geduld und kündigt Maßnahmen gegen diese Form des Ausspähens an. Früher oder später dürfte diese Masche der dreisten Rund-um-die-Uhr-Überwachung daher ein Ende haben. Spätestens dann müssten sich Google, Facebook und andere Werbenetzwerke nach anderen Methoden umschauen.

Google hat deshalb entschieden: Keine personalisierte Werbung mehr. Nicht sofort, aber ab nächstem Jahr. Begrüßenswert, denn wenn das mit Abstand größte Werbenetzwerk auf diese Form der Werbung verzichtet, kommen alle anderen unter Druck. Dass Google damit allerdings nicht sofort aufhört, sondern erst nächstes Jahr, zeigt aber auch, dass es keine moralische Entscheidung ist, sondern eine durch und durch wirtschaftliche.

Das Werbenetzwerk wird neu aufgestellt: Interessensgruppen statt individuelle Werbung, Rechte: WDR/Schieb

Das Werbenetzwerk wird neu aufgestellt: Interessensgruppen statt individuelle Werbung

Immer mehr wirksame Werkzeuge gegen Tracker

Denn es gibt immer bessere Werkzeuge, sich gegen die sogenannten „Third Party Cookies“ zu wehren. So werden Cookies genannt, die von Werbenetzwerken zwecks Beobachtung verteilt werden. Selbst Google Chrome – der populärste Browser überhaupt – achtet immer mehr auf Privatsphäre.

Und dann ist da noch Apple: Die neuen Betriebssysteme, die in wenigen Tagen kommen, machen Trackern das Leben schwer: User werden sehen, welche Tracker wo aktiv sind und können sie auch abschalten. Das sorgt für mehr Transparenz und Privatsphäre – und setzt die Werbebranche mächtig unter Druck.

Google hat jetzt genug Zeit, neue Werbemethoden auf den Weg zu bringen. Nutzerinnen und Nutzer werden künftig in Interessensgruppen unterteilt: Wer interessiert sich für Fremdsprachen, für Reisen, für eBikes, für Hightech – und bietet diese dann als Zielgruppen für Werbung an. Das ist nicht mehr so passgenau wie früher, aber es dürfte reichen – und ist auf jeden Fall sehr viel datenfreundlicher.

Jetzt dürfen wir gespannt sein, was Facebook macht – der mit Abstand hemmungsloseste Datenschnüffler. Bislang wehrt sich Facebook, etwa gegen die Ambitionen von Apple. Wenn nun auch Google auf die richtige Seite wandert, wird es für Facebook eng.

Tracker überwachen uns bei allem, was wir tun

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

19 Kommentare

  1. Nun, es geht ja nicht nur um Suchen auf Google — die Tracker gibt es wahrlich an mehr Stellen, eben über das Werbenetzwerk AdWords/AdSense.

  2. Ich sehe das ganze Thema doch eher skeptisch. Befasst habe ich mit der Thematik nie so richtig intensiv muss ich ehrlich gestehen, mir wurden zu der Thematik durch die Netflix Doku „The Social Dilemma“ eigentlich er so richtig die Augen geöffnet. Grundsätzlich ist es natürlich ein Schritt in die richtige Richtung, andererseits haben die Plattformen über Jahre hinweg bereits Daten gesammelt die ja nicht einfach verschwinden.

  3. Ein interessantes Mosaiksteinchen.

    Die im Artikel erwähnte Kategorisierung soll durch den Browser erreicht werden.
    Dieser wertet, rein lokal, z.B. „besuchte URLs“ aus und berechnet die Kategorisierung. Diese wird dann natürlich schon an Google gesandt, damit die passende Werbung ausgespielt werden kann.

    Die naheliegende Vermutung: Das geht nur mit dem Browser-Chrome, welchen ja Google selbst entwickelt. Kein Problem, da Google ja auch im Prinzip das Browser-Monopol innehat.

    So wird eine Verknüpfung von verschiedenen monopolistischen Schlüsselfeldern Browser und Werbung ausgenutzt.

    „Macht nichts“ denken so manche, doch es gibt im Prinzip nur noch drei Browser-Engines und die von Firefox befindet sich schon in gefährlicher Abhängigkeit zu Google. Offener Wettbewerb sieht anders aus und wie man sieht ist Google willens und in der Lage seine Schlüsselpositionen zu nutzen.

    Quelle: Netzpolitik.org „Warum Google Cookie-Tracking abschafft“

  4. Ich bin da recht skeptisch was die Datensammelei angeht. Denn schließlich wird mit zielgerichteter Werbung Geld verdient. Je spezifischer ein User targetiert werden kann, umso mehr Geld lässt sich verdienen. Es kann durchaus sein, dass Google zurückrudert oder viele Advertiser auf andere Plattformen ausweichen.

  5. Backbord am

    Da darf man ja gespannt sein. Insgesamt muss man aber sagen, dass das aus aktueller Sicht nach Einnahmenverlusten klingt. Andererseits hat man eine Menge anderer Möglichkeiten. Die großen Kategorien dürften teilweise vielleicht sogar vielversprechender sein, weil sie potenziell mehr unbekannte Objekte enthalten. Google wird das schon genug getestet haben, sonst würde man es nicht nehmen.
    Und schlussendlich auch die Beitragserkennung. Denn AdSense scannt die Beiträge ja auch und findet anhand der Informationen so heraus, welche Anzeige zum Inhalt passt.
    Für Nutzer, die die personalisierte Werbung bereits ausgestellt haben, wie z.B. mich, dürfte sich aber kaum etwas ändern.

  6. John Doe am

    Überraschung! Ein neuer Tracker auf dieser Seite.
    Da schaue ich zu Spaß mal an was mein Tracker-Blocker Ghostery mir auf dieser Seite meldet und neben alten Bekannten wie INFOnline und Webtrekk unter Website-Ananlytics sehe noch noch noch einen neuen Tracker, wdr.de unter Nicht Identifiziert.
    Das kommt hier aber höchst ungünstig zusammen.
    Ein paar erklärende Worte wären da hilfreich.
    Zum Thema:
    Facebook und Google nutze ich nicht sondern Metager als Suchmaschine. Da gibt es zwar auch Werbung in Form von Partnershops nach Ergebnis der anonymisierten Suchanfragen und nicht aufgrund von Nutzerprofilen die dann auch die Reihenfolge der Ergebnisse beeinflusst. So entkommt man Filterblasen bei Produktsuche und politischen Themen.
    Das Versprechen von Google höre ich wohl, allein …
    Wenn ein Kleptomane mir verspricht nicht mehr zu klauen halte ich trotzdem Abstand und die Hand auf der Brieftasche.

  7. Carsten Mohr am

    Also, wenn Google keine persönliche Werbung mehr machen möchte, heißt ja nicht, dass sie weniger Daten sammeln. Wahrscheinlich zeigte sich, dass man mit dieser Art Werbung den Nutzer nur verärgert. Ich kaufe eine Lampe und bekomme trotzdem tagelang noch Lampenwerbung, mit unter für das selbe Model, gezeigt. DAS ist nervig.
    Aber, google und co. sind schon klasse, wenn man was sucht. Kein Vergleich zu der Situation vor 35 Jahren, wo man in Bibliotheken latschen mußte und Bücher mit dem Ausgabedatum noch weit vor seinem eigenen Geburtstag als Information State of the Art ansehen mußte.
    Abwägen. Ich würde für ein werbe-/trackingfreies Google auch 5,- im Monat bezahlen. Und manchmal suche ich sogar gezielt nach Produkten und ersten Preisangeboten. Warum auch nicht?

    • Wenn das so nervt, dann würde ich mal einen Browser-Wechsel empfehlen:
      Z.B. „Firefox ESR“ mit 4 Add-Ons und ein paar Anpassungen in der about:config genügt. Wenn’s denn unbedingt Chrome sein muss, dann einfach mal „Ungoogled Chromium“ ausprobieren (gibt’s beide auch „portabel“). „Iridum“ als Chrome-Ersatz ist bzw. war auch mal gut, aber -mangels hinterherhinkenden Securityupdates- nicht mehr zu empfehlen.

      • Carsten Mohr am

        Nein, ein Verhindern des Trackings kann man natürlich hinbekommen. Thor und diverse Proxy nutzen, schon kann einem alles egal sein. Es geht mir bei dem Gedanken eher um eine allgemein gültige Lösung, die für alle Vorteile brächte.
        Du hast recht, wenn es um Adblocker und Co. geht, keine Frage. Mittel und Wege gibt es viele.

    • Google entscheidet sich gewiss nicht gegen Tracker, weil jemand genervt sein könnte – sondern, weil die Politik dieses Thema demnächst angeht. Und doch: Es werden dann selbstverständlich weniger Daten erhoben. Weil weniger Daten reichen.

  8. Übersetzt aus dem o.g. Google-Blogeintrag:
    „Stattdessen werden unsere Web-Produkte von datenschutzfreundlichen APIs angetrieben, die individuelles Tracking verhindern und dennoch Ergebnisse für Werbetreibende und Publisher liefern.“
    Das dürfte sehr spannend werden, wie sie das -ohne große Umsatzeinbußen- tatsächlich umsetzen bzw. den Werbepartnern glaubhaft vermitteln wollen.
    Dann sollte bald unter „adssettings.google/authenticated“ auf dem eigenen Google-Konto eigentlich nichts mehr erscheinen!?
    Und noch ist es ja nicht mehr, als nur eine Absichtserklärung, ein Versprechen – „demnächst“ eben. Das kennen wir ja z.B. aus der Politik zur Genüge. ;)

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