Google Pixel: Der (neugierige) Butler in der Hosentasche

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Google Pixel: Der (neugierige) Butler in der Hosentasche

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Jetzt ist es also da, das vor einigen Tagen angekündigte Google Pixel, das erste komplett vom Onlineriesen Google erdachte, konzipierte und gebaute Luxus-Smartphone. Ich habe mir mal ein Gerät zum Test besorgt, weil ich wissen wollte, wie sich Google das ideale Android-Smartphone vorstellt.

Denn darum geht es schließlich: Wenn Google selbst nicht das aus seiner Sicht ideale Smartphone baut, wer dann? Deswegen lohnt ein genauerer Blick auf das Pixel. Wer die Schachtel mit dem innenliegenden Handy aufmacht, sieht auch gleich, worum es Google geht. Denn auf dem nigelnagelneuen Stück Hardware klebt ein Zettel, der auf einen (virtuellen) Button zeigt und einem sagt: Drücke hier so oft wie möglich drauf, denn hier verbirgt sich der neue Google Assistant – und der soll und will Dir helfen.

 

Google hat zwei neue Modelle in unterschiedlicher Farbe und Speicherausstattung vorgestellt

Das Google Pixel: Es kommt mehr auf die Software als auf die Hardware an

Kamera und Fingerabdruck-Sensor

Eigentlich ist das herausragende Merkmal des Pixel – das nicht umsonst diesen Namen trägt – die eingebaute Kamera. Angeblich die beste Smartphone-Kamera am Markt, haben zumindest die Profitester von dxomark herausgefunden. In der Tat lassen sich mit der Kamera gute Aufnahmen machen, selbst bei schlechten Sichtverhältnissen. Auch wenn die eigenen Aufnahmen natürlich nicht mal ansatzweise so brillant werden wie in der Werbung. Was jedoch in der Regel am „Bediener“ liegt: Für gute Aufnahmen braucht es nun mal einen guten Fotografen – und gutes Licht.

Was mir gefällt: Beim Google Pixel ist der Fingerabdruck-Sensor auf der Rückseite des Gerätes. Das ist ein guter Ort dafür, weil man dann beim Halten das Smartphone freischalten kann – mit dem Zeigefinger. Man muss keine extra Bewegung machen. Das haben andere Smartphones durchaus auch. Apple hingegen setzt auf einen Fingerabdruck-Sensor auf der Frontseite, was auf den ersten Blick praktischer zu sein scheint, es im Alltag aber nicht ist.

Wichtigste Funktion ist der Assistant

Die entscheidenden Neuheiten und Besonderheiten sind aus meiner Sicht aber nicht die technischen Faktoren. Es ist das Innenleben, das Konzept. Der erwähnte Aufkleber auf dem Gerät macht es deutlich: Google will uns mit der Nase auf den Assistenten stoßen. Das ist die Kernfunktion des neuen Google-Handys. Wir sollen möglichst häufig den Assistenten nutzen, ihm Fragen stellen, über ihn Termine abwickeln, Kontakte knüpfen etc. Das klappt leidlich. Einfachere Anfragen können Assistenten wie Siri, Cortana und eben Google Assistant mittlerweile verarbeiten – wenn wir uns den Geräten anpassen.

Doch schon etwas komplexere Anfragen wie „Richte eine neue WhatsApp-Gruppe mit folgenden Kontakten ein“ funktioniert nicht. Irgendwann wird es aber funktionieren, und dann werden wir die Assistenten noch mehr benutzen. Davon profitieren Google, Apple, Microsoft und Co., denn sie lernen uns durch die intensive Nutzung immer besser kennen. Sie wissen nicht nur, wonach wir suchen, was uns interessiert, sondern auch wann und wo. Es kommt der lückenlosen Überwachung sehr nahe. Mit dem Unterschied allerdings, dass wir es zulassen und freudig mitmachen, weil wir einen Service bekommen, den wir gerne nutzen wollen.

Das ist ja auch in Ordnung. Nicht in Ordnung ist, dass wir nicht wissen, was im Hintergrund abläuft. Welche Daten erhoben und gespeichert und welche Schlüsse daraus gezogen werden. Hier ist eindeutig der Gesetzgeber gefordert: Das darf so nicht sein und erst recht nicht so bleiben. Wir müssen jederzeit Klarheit darüber haben, welche Daten erhoben werden – und Einfluss darauf haben, welche bei einem Anbieter bleiben dürfen. Wir müssen es uns verdeutlichen: Die Daten gehören uns.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. „Wir müssen es uns verdeutlichen: Die Daten gehören uns.“

    Wir leben im Zeitalter des Überwachungskapitalismus (Zuboff). Datenschatzbedingungen haben den Zweck, dass wir den Verzicht auf unsere Daten und unsere Privatsphäre erklären. „Unsere“ Daten gibt es dann nicht mehr, sie werden als kostenlose Rohstoffe für Vorhersageprodukte auf Märkten, an denen wir weder Kunden noch Anbieter sind, ausgebeutet.

    In diesen Fällen hilf nur Verzicht. prism-break.org listet Alternativen.

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