Google will weniger Werbung

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Google will weniger Werbung

Kommentare zum Artikel: 7

Womit verdient der Onlinekonzern Google am meisten Geld? Mit (a) Smartphones, (b) Werbung oder (c) Musikstreaming? Richtig: (b) – Werbung. Das machen die ganz erfolgreich, die Jungs und Mädels von Google, das mit der Werbung. So erfolgreich, dass traditionelle werbefinanzierte Medien in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Das wissen wir alles. Und jetzt das: Google kündigt an, weniger Werbung zuzulassen.

Zwölf nervende Werbeformate werden unterdrückt; Rechte: CFBA

Zwölf nervende Werbeformate werden unterdrückt

Chrome mit eingebautem Werbefilter

Gemeint ist der Google-Browser Chrome, der ab 15. Februar über einen eingebauten Werbefilter verfügen wird, so ähnlich wie der umstrittene, aber durchaus populäre AdBlocker. Insgesamt zwölf besonders nervige Werbeformate soll der in Chrome integrierte Filter dann unterdrücken. Als besonders nervig werden zum Beispiel Pop-ups verstanden, die von den meisten Browsern sowieso schon unterdrückt werden, aber auch Overlay-Werbung oder selbst startende Videos mit Sound.

Vor einiger Zeit hat sich Google mit anderen Größen der Industrie (etwa Microsoft), aber auch mit Verlagen wie Washington Post oder Axel Springer zusammengetan und die Initiative Coalition for Better Ads (CFBA) gegründet. Hier wurde untersucht, welche Werbeformate die User als störend und aufdringlich empfinden und welche eher akzeptiert werden. Die Ergebnisse dieser aufwendigen Studie sind nun in den Werbefilter von Google Chrome eingeflossen.

https://vimeo.com/254997495

„Gute“ Werbung wird zugelassen

Obwohl man also den Eindruck hat, dass sich Google ins eigene Fleisch schneidet, wenn serienmäßig ein Werbefilter an Bord ist, stimmt genau das Gegenteil: Wenn ein eingebauter Filter dafür sorgt, dass besonders aufdringliche Werbung erst gar nicht erscheint, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Betroffene nicht zu einem deutlich konsequenteren Blocker wie dem AdBlocker greifen, der alle Werbung blockiert. Der in Chrome integrierte Filter hingegen lässt „gute“ Werbung durch.

Man muss Google zugute halten, dass der Konzern die besonders laute und aufdringliche Werbung in der Tat gar nicht akzeptiert und verteilt. Wenn nun weniger Menschen durch Werbung genervt sind und alles blocken, wird insgesamt mehr Werbung sichtbar. Gut für Google – gut für die Verlage. Wir werden sehen, ob die Rechnung aufgeht.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Gut so, muss ich sagen. Werbung ist notwendig und sie ermöglicht viele nützliche Dienste die kostenlos dargeboten werden – Google hat z.B. eine ganze Suite an kostenloser Business-Software im Angebot, wie Sheets, Docs, Email, Suche, Chat/Konferenz etc. Wenn ich diese nutze fühle ich mich meist nicht von Werbung belästigt, sie ist meist dezent und m. M. n. klar gekennzeichnet (auch wenn Verbraucherverbände bemänglen, nicht klar genug).

    Es war seit den 90ern so dass es Werbung im Netz (und auch anderswo) gab. Im Fernsehen erinnere ich mich noch an die Zeit in der ein Spielfilm von einer – max zwei – Werbeblöcken unterbrochen wurde. Heute ist es so dass man keine Spielfilme mehr im Fernsehen sieht, es sind eher Dauerschleifen ein- und desselben Werbeblocks, die von wenigen Spielfilmfetzen laufend unterbrochen werden. Mal ehrlich, was soll das?
    Im Internet und in Apps waren und sind es Werbebanner die ja noch ok sind – aber dass ich einen Teil meiner Lebenszeit verschwenden muss, um mir zwangsweise regelmäßig ein halb- bis einminütiges Video anschauen zu MÜSSEN (mit Vorspulknopf deaktiviert), ist schon eine neue Dimension der Belästigung.

    Große Konzerne wie Google, unter anderen, haben großes Potential Standards zu setzen. Sollte diese Initiative tatsächlich fruchten, wäre dies aus Nutzersicht durchaus zu begrüßen.
    Denn seien wir mal ehrlich – würde ich ein Produkt eher kaufen, wenn ich mir darüber ein Video zwangsweise ansehen MUSS? Ich sage nein, es sorgt eher dafür dass ich vor Wut die Wände auf und ab laufen könnte und mir die Laune eher danach ist das Produkt zu boykottieren.

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      „…um mir zwangsweise regelmäßig ein halb- bis einminütiges Video anschauen zu MÜSSEN…“:
      Nein, Sie „müssen“ gar nichts: Wenn Sie aufhören würden, die Produkte der Datenkrakengangsterfirmen wie Google und der asozialen Netzwerke zu nutzen, würden Sie weder mit Werbung behelligt noch überwacht:
      Kein Mensch „braucht“ diese Pestilenz, nur wird das nicht gesehen, weil die Leute reihenweise süchtig gemacht werden und folglich am Suchttunnelblick, sprich: äußerst eingeschränkter Realitätswahrnehmung leiden.
      Die Ängste, die ich wahrnehme, wenn ich anrege, die Leute sollten doch ihre Suchtphones wegwerfen und die asozialen Netzwerke verlassen, sind genau die Ängste, die Süchtige vor dem schwarzen Loch haben, in das sie ohne Suchtmittel zu fallen fürchten…
      Ich bin unternehmerisch-selbstständig-freiberuflich tätig, habe noch nie eines der asozialen Netzwerke benutzt und boykottiere diese und sämtliche Google-Produkte einschließlich der Suchmaschine und lebe ohne Smarphone – und was soll ich Ihnen sagen?
      Mein Geschäft blüht und gedeiht und ich lebe ingesamt ruhiger und zufriedener und zudem um ein Vielfaches weniger überwacht als mit dieser ganzen Pestilenz! :-))

  2. Eckart Roloff am

    Es ist unfassbar, dass Jörg Schieb sich erst jetzt (9. 2. 2018) relativ deutlich von „Facebook, Twitter und Co.“ distanziert – seit Jahren weist er ständig auf diese angeblich sozialen Medien hin. Ich verstehe auch nicht, warum der WDR ebenso wie viele andere Sender und Redaktionen immer wieder auf diese Foren hinweisen und um Reaktionen flehen. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, seine Meinung loszuwerden.
    Eckart Roloff, Journalist, Bonn

    • Hallo, danke für die Reaktion. Wenn Sie sich hier auf Digitalistan meine Beiträge anschauen, werden Sie nahezu ausschließlich kritische Beiträge finden – und solche, die den Leser befähigen, kritisch mit den Angeboten umzugehen. Wir berichten über diese Medien, weil sie zur Lebenswirklichkeit der meisten Menschen gehören. Wir bevormunden nicht. Natürlich muss man sich immer die Frage stellen, welche Konsequenzen man aus den Erkenntnissen zieht. Auch darüber mache ich mir Gedanken. Ich nute die SOM zum Beispiel nahezu überhaupt nicht, um Einblicke in mein Privatleben zu geben.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Lieber Herr Schieb,
        auch ich habe ja schon anerkennend Ihr zunehmend kritische Haltung gegenüber den Datenkrakengangstern und asozialen Netzwerken hervorgehoben und begrüße es sehr, daß Sie bei dieser Haltung bleiben.
        Um so unverständlicher und widersprüchlicher ist es freilich – insofern muß ich Herrn Roloff recht geben -, daß ein an sich kritischer und seriöser, zudem öffentlich-rechtlicher Sender wie der WDR allen Ernstes immer noch Accounts bei den schlimmsten asozialen Netzwerken wie diesem Facebook unterhält:
        Das ist so, als warne man berechtigterweise vor den Gefahren des Alkohols, während man selbst gerade das zehnte Kölsch des Abends trinkt…

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Meiner Meinung nach darf man Datenkrakengangsterunternehmen wie Google in keiner Weise unterstützen, und die asozialen Netzwerke wie dieses „Facebook“ und seine Spießgesellen erst recht nicht, zumal hier zur Werbe-Pest auch Überwachungs- und Suchtgefahr treten: BOYKOTT UND ABSTINENZ tun not und könnten den Sumpf par la longue austrocknen: Denn wer schaltet denn teure Werbung, wenn er/sie weiß, daß sie immer weniger Leute erreicht?
    Und mittlerweile gibt es mehrere Suchmaschinen, die Google sehr gut ersetzen, aber keine Daten sammeln und auch keine Werbung streuen – beispielhaft seien genannt ixquick.com und duckduckgo.com – beide gelten als sog. diskrete Suchmaschinen, die auch werbemäßig sehr zurückhaltend sind.
    Man kann natürlich auch gleich den Torbrowser nehmen…

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