Hack, Hack – Wahlen weg?

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Hack, Hack – Wahlen weg?

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Bundesinnenminister Horst Seehofer hat jetzt einen Ausbau des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angekündigt. Das Personal soll verdoppelt werden – von 1200 auf 2400 Mitarbeiter. Und das ist gut und richtig so, denn viel zu lange wurden die potenziellen Gefahren durch Cyberangriffe massiv unterschätzt. Nicht nur in der Politik – aber vor allem dort.

Horst Seehofer und seine Manschaft; Rechte: WDR/Schieb

Horst Seehofer und seine Mannschaft: Wer wer soll uns vor Cyberangriffen bewahren?

Personal des BSI soll sich verdoppeln

Auch wenn jetzt der Wille da ist, das BSI – eine durchaus solide Behörde, die gute Arbeit leistet! – personell aufzustocken: Reichen kann das noch längst nicht. Und es wird, mit Verlaub, auch nicht einfach, so viele fähige Fachkräfte zu finden, die sich in die steifen Strukturen einer Behörde integrieren lassen – und die im Vergleich zu freien Industrie dann doch eher bescheidenen Gehälter zu akzeptieren.

Ganz zu schweigen davon, dass der Markt leergefegt ist. Es müsste – und auch das ist eine politische Aufgabe! – auch viel mehr dafür getan werden, dass in Deutschland ausgebildet, geforscht und entwickelt wird. Gerade bei Technikthemen ist eine enge Zusammenarbeit aus Forschung und Wirtschaft wichtig, in den USA ist sie selbstverständlich. Es braucht dringend mehr Kompetenz in so vielen Bereichen, ob KI, Cyberabwehr und IT-Sicherheit – oder generell in Informatik.

Hacker greifen für Bezahlung so ziemlich jedes Ziel an; Rechte: WDR/Schieb

Hacker sitzen überall auf der Welt

Schutz vor Cyberangriffen fängt bei der (Aus-)Bildung an

Dafür ist Horst Seehofer nicht verantwortlich – aber andere aus der Regierung. Insbesondere von der Staatssekretärin für Digitalisierung Dorothee Bär hätte ich deutlich mehr erwartet: Konkrete Konzepte und Forderungen, wie sich Deutschland im IT-Bereich entwickeln lässt. Und nicht nur im Games-Bereich, der Dorothee Bär tatsächlich am Herzen liegt.

Die Folgen dieser Nachlässigkeit erkennen wir nun. Seit Wochen und Monaten gibt es quasi ununterbrochen Angriffe auf Behörden, Institutionen, Einrichtungen und sogar Kliniken. Und die Verantwortlichen wissen nicht einmal, wie viele Angriffe es sind – weil es keine Meldepflicht gibt. Die Politik ist also blind, was große Bereiche der konkreten Cyberbedrohung anbelangt – und unternimmt deswegen auch nichts. Oder zumindest viel zu wenig.

Manipulation der Wahlen befürchtet

Horst Seehofer hat auch eine weitere potenzielle Bedrohung ausgemacht: mögliche Versuche, die Wahlen zu beeinflussen. Das Risiko ist absolut da – das wissen wir aus den Erfahrungen mit den US-Wahlen. Immerhin haben wir (noch) keine Wahlautomaten, hier sind keine nennenswerten Manipulationen zu erwarten. Wohl aber bei der indirekten Wahlmanipulation: Durch Agitation, Desinformation, Deep-Fakes und andere unlautere Eingriffe, die ein Stimmungsbild kippen können.

Erst Deep-Fake-Videos, die Annalena Baerbock durch den Kakao ziehen, gibt es bereits.

Horst Seehofer hat aber nur gewarnt – und keine konkreten Maßnahmen aufgezeigt. Wäre auch viel zu spät, zwei Monate vor der Wahl. Hierzu hätte sich das Innenministerium zweifellos schon sehr viel früher Gedanken machen müssen.

https://vimeo.com/575403049

Erste Deepfake-Videos ausgetaucht – und Ransomware-Angriffe an der Tagesordnung

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Hacker können keine Leichen im Keller ausgraben wenn da nicht so viele Leichen liegen würden. Wir haben jede Menge dicke Fehlentwicklungen angesammelt und erst damit ist unsere Politik verwundbar. „Agitation“ und „Desinformation“ der eigenen Medien ist vielfach so plump wie in Ländern ohne Pressefreiheit und dann passt irgendwann nichts mehr zusammen.
    Unsere Wahlen sind nicht „weg“ durch Agitation aus dem Ausland aber man kann aus dem Ausland den Finger in die Wunde legen, so wie wir das im Ausland nicht anders machen. Das „Stimmungsbild“ kann man nicht aus dem Nichts kippen aber ohnehin zweifelhafte Propaganda kann man durchaus ins Rutschen bringen. Deep-Fake-Irgendwas spielt im echten Leben so gut wie gar keine Rolle.

  2. Das Baerbock-Video stammt ursprünglich aus 2018 und ist sogar vom ÖR (ZDF-Comedy-Kanal auf YT, v=36_wXnCus7A, 1,1 Mio Views). Ihr zitiertes Video, ist sogar ganz deutlich als Deep-Fake-SATIRE gekennzeichnet und zieht A. Baerbock mitnichten durch den Kakao; das ist einfach nur eine halbwegs witzige Abwandlung des ÖR-/ZDF-Videos. Aber schon klar: Satire darf nur der WDR (Umwelt-Ferkelchen) und die taz (Polizei auf den Müll). ;) Davon abgesehen, hat die Protagonistin in den letzten Wochen derart viele, reale! (Baer-)Böcke geschossen (und diese immerhin überwiegend eingestanden), dass es tatsächlicher Deep-Fakes eigentlich gar nicht bedarf.
    Wieviele Wahlen haben die Russen, Chinesen, Nord-Koreaner oder wer auch immer „uns“ denn tatsächlich schon verhagelt? Bislang keine einzige, richtig? Bei den Amis, hat’s letzlich nur Trump himself versucht – erfolglos, von Anfang an; selbst eigene Parteigenossen haben sich davon distanziert – also lächerlichst gescheitert!
    Panik schüren und verbreiten, scheint das Motto – Jahr für Jahr und Wahl für Wahl auf’s Neue. Die Demokratie steht tatsächlich aber immer noch!

    • „Wieviele Wahlen haben … “uns” denn tatsächlich schon verhagelt? “

      Das Problem ist das man die Einflussnahme und Manipulation nicht 100% messen kann. Hier eine clever gefälschte Nachricht, dort ein „lustiges“ Video, das ganze über viele Jahre und etwas gedrängter vor den Wahlen. Wieviele Wähler wurden jetzt davon beeinflusst ? Und es müssen noch nicht einmal viele sein, wie die knappe Wahl von Mr. Trump vor ein paar Jahren zeigte.

      Und die Demontage einer Demokratie passiert auch nicht über Nacht, sondern stetig. Nur ein Beispiel, wenn stetige Beeinflussung über Jahre zu mehr und mehr Polarisierung führt und der Wille zum Konsens sinkt, dann ist auch die Demokratie in Gefahr, welche vom Konsens lebt.

      Von daher sind Bedenken, aus meiner Sicht, absolut berechtigt.

    • Ich weiss, dass das Origonal-Video ein ZDF Sketch ist. Auch völlig in Ordnung. Und ich persönlich finde auch die Fake-Variante (Urheber kenne ich nicht) witzig. Das ist doch auch alles gar kein Problem. Ich wollte nur ein Deep-Fake-Video erwähnen, das bereits im Umlauf ist. Völlig ungefährlich, weil ja hier niemand Realität oder Fiktion durcheinander bringt. Aber eben ein Beispiel, was heute geht — neben dem viel zitierten und gesehen Obama-Fake-Video. Ganz so harmlos wie Sie sehe ich die Sache mit den Deep-Fakes generell nämlich nicht.

    • Und noch ein Wort: Von „Panik schüren“ kann wohl keine Rede sein, was die Realität der Cyberangriffe anbelangt – und darum dreht es sich in meinem Beitrag ja in erster Linie. Die Angriffe nehmen zu, werden immer erfolgreicher und haben längst Ausfälle zur Folge, in Kliniken, Behörden, Verwaltung. Ich finde, es ist eine Banalisierung, das zu ignorieren. Als Bürger haben wir doch mit Recht die Erwartung, dass die Regierung uns vor solchen Angriffen schützt. Ich möchte nicht in der Uniklinik liegen, wenn gerade wieder ein Cyberangriff durchgeführt wird.

    • @ Matt:
      Amerika war auch schon unter Bush und Obama zutiefst gespalten; Trump hat das nur ausgenutzt, verstärkt, aber gewiss nicht verursacht.
      Die „Polarisierung“, speziell in Deutschland, findet ihre Ursache in der gefährlichen Entwicklung (und Ignoranz) der „Arm-Reich-Schere“ (die inzwischen sogar die sog. Mittelschicht erreicht), was auch für die zunehmende Verrohung innerhalb der Gesellschaft zutrifft.
      Die „stetige Beeinflussung“ kann nur bei denen erfolgreich funktionieren, die dafür empfänglich sind oder es schon immer waren. Wann oder warum wird wer dafür empfänglich, wäre zu beantworten? Job verloren, pleite, seelisch labil, naiv, missverstanden, von Wahlversprechen enttäuscht, Corona-Opfer … – die Liste ist höchst individuell und vermutlich mehrere Ellenlang. Jedoch werden Anti-Baerbock-Videos, überzeugte Grüne ebenso wenig vom Wahlentscheid abhalten, wie Anti-Weidel-Videos die AfD-Wählerschaft. Es geht, wenn überhaupt, um die sog. „Unentschlossenen“ oder „Nichtwähler“. Beide Gruppen stehen -gerade jetzt wieder- unter populistischem Dauerbeschuss: von den Parteien selbst (WahlKAMPF = WerbeparolenKAMPF = immer! populistisch), von manchen, extrem parteiischen Medienschaffenden, von den sog. Rändern und -im Nebenkriegsschaupplatz- von Dritten mit unterschiedlichen Interessen („Hack, Hack – Wahlen weg?“). Alle! Vorgenannten benanspruchen die Deutungshoheit für sich und beherrschen die entsprechende Klaviatur der Manipulation, um „Unentschlossene/Nichtwähler“ auf ihre jeweilige Art zu „überzeugen“ und die übrigen Mitstreiter zu diskreditieren … und es funktioniert ziemlich gut. Dabei wäre es für „Unentschlossene/Nichtwähler“ einfach, wenngleich ziemlich zeitaufwendig, die Wahlprogramme (und deren Erfüllungen der Vergangenheit) zu lesen, zu vergleichen, den Wahl-o-maten anzuwerfen oder vielleicht auch mal die lange Liste der amtierenden GroKo-Versprechen mit den erreichten IST-Zuständen zu vergleichen und sich ein e i g e n e s Bild zu machen. Einfach? Ja! Aber passiert es? Eher weniger; scheinbar, sogar unabhängig vom IQ!
      Wenn unter einer Regierung der „Mitte“, linke, rechte (und auch religiöse) Ränder bis zu einer Radikalität erstarken, wie lange nicht mehr, sollte das für eine funktionierende Demokratie nicht das! (Alarm-)Signal sein, dass die Mitte zum grundsätzlichen Überdenken ihrer Schwerpunkte anregen sollte? Und das passiert … eher nicht („Weiter so!“)! Der Begriff „Demokratie“ ist viel zu wertvoll, als dass man ihn derart inflationär/populistisch verwenden sollte, wie es immer wieder (und vor Wahlen ganz besonders) geschieht. Das stumpft dann eher ab und man wird vielleicht schnell des Wortes überdrüssig und vielleicht sogar zu einem weiteren Opfer irgendeines o.g. Populismusorchester.
      Demokratie muss erarbeitet und vorgelebt! werden, jeden Tag! Nur den Begriff gebetsmühlenartig zu repetieren schafft noch lange kein politisches Vertrauen. So auch Ihr „Demokratie in Gefahr!“. Hört und liest man -inflationär- von Doxing-Attacke bis Ransomware, von Facebook über TikTok bis Youtube. Aber z.B. nicht bei einem schlecht frisierten (zum Kavaliersdeliktchen und Ausrutscher herabgestuften) Lebenslauf für das immerhin höchste! Amt in dieser „demokratischen“ Republik, das bereits im Vorfeld -eigentlich- ein ebensolches Höchstmaß an Integrität und Glaub- sowie Vertrauenswürdigkeit voraussetzt bzw. voraussetzen sollte – eigentlich!
      @ Jörg Schieb1:
      „Erste“ Deep-Fake-Videos, die Annalena Baerbock DURCH DEN KAKAOO ZIEHEN, gibt es bereits.“
      passt m.E. irgendwie nicht zu
      „Völlig ungefährlich, weil ja hier niemand Realität oder Fiktion durcheinander bringt.“. ;)
      @ Jörg Schieb2:
      Diese Angriffe (Uni-Klinik, Bitterfeld etc.), die leider geschehen, verurteile ich auch auf’s Schärfste und würde ich auch niemals bagatellisieren/“banalisieren“ wollen. Mein „Panik schüren“ bezog sich auf den Titel „Hack, Hack – Wahlen weg?“, was hierzulande tatsächlich noch nie geschehen ist.

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