Hacker sagen IS den Kampf an

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Hacker sagen IS den Kampf an

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Der britische Premier David Cameron will für mehrere Millionen Pfund ein nationales Cyber-Abwehrzentrum beim technischen Nachrichtendienst GCHQ aufbauen, um endlich wirksam gegen die Terrororganisation IS vorgehen zu können. Die Bundesregierung spendiert ihren Sicherheitsbehörden 500 neue Stellen, um sie für den Kampf gegen den IS-Terror zu ertüchtigen. Der französische Präsident mobilisiert gar seine gesamte Luftwaffe gegen den IS und will auch noch einen Flugzeugträger an die syrische Küste schicken.

Unterdessen haben die Hacktivisten der Anonymous-Gruppe dargelegt, wie sie den IS bekämpfen wollen. Anonymous braucht dafür weder Vorratsdatenspeicherung noch teure Überwachungssoftware. Anonymous greift den IS da an, wo es weht tut.

Und das ist zunächst einmal beim Geld. Der Anonymous-Ableger Ghostsec will die Bitcoin-Konten des IS hacken und so die Dschihadisten in die Insolvenz treiben. Das hat Aussicht auf Erfolg.

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Denn Kalaschnikows und Sprengstoffgürtel für Attentate kosten Geld. Der IS hat da im wesentlichen drei Einnahmequellen: Geld aus illegalem Ölhandel, erpresstes Lösegeld und Einkünfte aus dem Menschenhandel. Überweisungen und Bargeldaustausch sind dabei eine riskante Sache. Deshalb haben die IS-Kommandeure schon früh auf Bitcoin gesetzt, um die Zahlungswege zu verschleiern.

Diese Bitcoin-Struktur des IS wollen die Ghostsec-Hacker jetzt zerstören. Eine andere Anonymous-Gruppe will die Propaganda-Tätigkeit des IS im Internet lahmlegen. Videoserver und Kommandoserver zur Steuerung der Propaganda-Bots lassen sich mit Überlastangriffen recht unaufwändig stören.
Bildrechte: WDR/Welchering
Die Hack-Ankündigung der Anonymous-Gruppe darf nicht die einzige Antwort der Zivilgesellschaft auf den IS-Terror sein
Eine dritte Gruppe kümmert sich um die geheimen IS-Kanäle in Messengerdiensten wie Telegram. Sie wollen den Sicherheitsbehörden soviel Informationen geben, damit diese solche IS-Kanäle schließen können. Der britische Nachrichtendienst GCHQ erwartet hier allerdings mehr Kooperation. Nur so könne man im Kampf gegen den IS erfolgreich sein.

Doch jedwede Kooperation mit Sicherheitsbehörden ist für die Anonymous-Aktiven ein Ding der Unmöglichkeit. Die meisten haben schon erhebliches Bauchweh, Behörden Informationen über Messenger-Kanäle zukommen zu lassen, über die Attentate wie die von Paris zumindest vorbereitet werden.

Sicherheitsbehörden haben teilweise versagt

Was Anonymous in Sachen Playstation-Netzwerk unternehmen wird, ist noch nicht ausgemacht. Dass die Sicherheitsbehörden hier nicht in der Lage waren, Attentatsvorbereitungen in konspirativen Chat-Räumen des Playstation-Netzwerks zu verhindern, erbost die Hacktivisten. Ob sie selbst dort tätig werden sollen, ist noch nicht ausdiskutiert.

Auf jeden Fall macht die jetzige Ankündigung der Anonymous-Aktiven eines klar: Die Sicherheitsbehörden in Westeuropa und vor allen Dingen Frankreich sind bisher nicht in der Lage, gegen die digital hochgerüsteten IS-Terroristen wirksam vorzugehen.

Die ausgeklügelten Kommunikationskonzepte erlauben den Terroristen Attentatsvorbereitungen, von denen die Sicherheitsbehörden regelmäßig erst im Nachhinein erfahren. Dabei hat es ausreichend Hinweise – auch von Anonymous-Aktiven – nach dem Terrorangriff auf die Redaktion von Charlie Hebdo gegeben, wie die IT-Infrastruktur der IS-Terroristen aussieht und wie Attentatsvorbereitungen durch gezielte Angriffe auf diese IT-Infrastruktur der Terroristen verhindert werden können.
https://www.youtube.com/watch?v=3AyN8J3MS3c
Allein: Allen voran die französischen Sicherheitsbehörden haben die fundierten Hinweise der Hacktivisten ignoriert. Jetzt wollen Anonymous-Mitglieder selbst aktiv werden. Sie werden vermutlich nicht nur in der Netzgemeinde auf ein gewisses Verständnis treffen, warum sie den Sicherheitsbehörden hier nichts mehr zutrauen. Und die Sicherheitsbehörden machen weiter, in gewohnter Arroganz.

Wenn es aber außer den geplanten Anonymous-Angriffen auf die IT-Infrastruktur des IS keine wirkungsvolle Antwort der Zivilgesellschaft auf den Terror des IS gibt, haben die Terroristen eines ihrer Ziele erreicht.

Über den Autor

Peter Welchering arbeit seit 1983 für Radio, Fernsehen und Print (u.a. Deutschlandradio, ZDF, verschiedene ARD-Sender, FAZ) und hat verschiedene Lehraufträge an Journalistenschulen in Deutschland und anderen Ländern. Online ist Welchering seit 1983.

7 Kommentare

  1. gute Sache. Sollte auch von den Medien mehr unterstützt werden.
    Was Ich nicht verstehe ist, ob denn die Geheimdienste , vor allem NSA, die Attentate nicht hätten verhindern können???

  2. … ich glaube im Gegensatz zu einigen Schwätzern – vor allem auch in den oberen Etagen der Regierungsstellen -, dass A. hier mehr Wirkung erzielen könnte als alle hilflosen Versuche, die sich bisher von offiziellen Stellen zeigen. Allein der Blick auf DE: Wir haben nicht mal genug Polizei- und Soldatenpersonal, die Ausrüstung ist mangelhaft, die Verwaltungen da oben merken erst immer nach einem halben Jahr und unendlichem Hin -und Her-Gerede, was sich abspielt, und selbst dann haben sie keine Handlungskonzepte vorzuweisen – von Voraussicht und vorbereiteter Handlungsfähigkeit sowieso keine Spur! Derweil lachen sich die IS über unsere Hilflosigkeit und Ängstlichkeit kaputt. Denen kommen alle Verharmlosungen (nein, mit dem Islam hat das gar nichts zu tun … Ironie off) entgegen. Die Kommunikationswege zu unterbrechen, ist jedenfalls aus meiner Sicht im Moment wohl der einzige Weg, denen auch nur ein wenig beizukommen. Bomben auf bereits leer stehende “IS-Kommandozentralen” in Syrien helfen da aus meiner Sicht wenig. Haha, die sind schon längst an anderer Stelle aktiv, im Gegensatz zu uns sind die nämlich ziemlich clever. Man könnte sogar überlegen, mal eine Zeit das GPS abzuschalten, dann finden die nicht mehr, wo sie ihre Bombe ablegen sollten. Aber das würde bedeuten, dass sich einige der Einwohner hier auch verlaufen würden, das eigene Hirn einzuschalten, ist schließlich ein bisschen anstrengend.

  3. Ehrlich gesagt kann ich den Hype um diesen Haufen Computerkids nicht verstehen.
    Sogar beim Mailabrufen springen die einem mit ihren albernen Masken mitten ins Gesicht.

    Wenn die irgendwas hätten bewegen können, hätten sie besser den Irakkrieg verhindert oder sich um Snowdens Zukunft gesorgt.

    Aber das hier erinnert mehr an eine Mischung aus Jules Verne und Pumuckl.

  4. Robert Brors am

    Was ich mich frage:”Warum denn erst jetzt?” Die Arroganz und damit einhergehende Dummheit, der offiziellen Behörden sind ja nun wirklich nichts Neues.

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