Haste mal ‘n Handy? Google Pay und Co.

https://blog.wdr.de/digitalistan/haste-mal-n-handy-google-pay-und-co/

Haste mal ‘n Handy? Google Pay und Co.

Kommentare zum Artikel: 9

Wir Deutschen sind Gewohnheitstiere. Das gilt vor allem für die Art und Weise, wie wir bezahlen. Bargeld ist die erste Wahl. Das kann man sich unters Kopfkissen legen. Man hat immer im Blick, wie viel noch ausgegeben werden kann. Und jeder herausgegebene Schein schmerzt – das erhöht die Wachsamkeit und fördert die Sparsamkeit. Ach ja: Datensparsam ist Bargeld natürlich auch noch.

Mit Google Pay bezahlen; Rechte: Google/Hoederath

Google Pay erlaubt das Bezahlen mit dem Smartphone

Google Pay in Deutschland gestartet

Alles richtig. Aber nicht modern. Während in anderen Ländern kräftig die Kreditkarte gezückt wird, rümpfen hierzulande selbst in In-Lokalen die Kellner arrogant die Nase und verlangen allen Ernstes Barzahlung. In China hingegen sind AliPay und WeChat die favorisierten Zahlmethoden. Smartphone herauskramen, QR-Code scannen – fertig. Betrag gebucht. Selbst die Suppe auf dem Wochenmarkt können Chinesen auf diese Weise begleichen. Oder sich mit WeChat sogar gegenseitig Geld schicken.

Wir Deutschen belächeln solche Entwicklungen eher – oder betrachten sie bestenfalls mit einiger gewissen Neugierde. Eine Begeisterung für neue Zahlmethoden stellt sich nicht so schnell ein. Genau aus diesem Grund wird das nun in Deutschland gestartete Bezahlsystem Google Pay auch nicht zum Senkrechtstarter werden. Deutschland ist das 19. Land, in dem Google Pay angeboten wird.

https://vimeo.com/277251100

Google Pay funktioniert in Laden, im Onlineshop und in Apps

Höhe Einstiegshürden für Google Pay

Mit Google Pay kann man im Laden zahlen – sofern dort Google Pay akzeptiert wird. Oder im Onlineshop. Oder in der App. Allerdings sind die Hürden denkbar hoch, da mitmachen zu können. Die wenigen Deutschen, die überhaupt motiviert genug sind, so etwas auszuprobieren, brauchen dann ein Android-Gerät mit Lolipop (Version 5), eine Kreditkarte sowie ein Konto bei einer der vier Banken, die mitmachen (Commerzbank, comdirect, N26 oder Wirecard).

Ein erdrutschartiger Erfolg wird Google Pay also nicht werden. Konkurrent Apple hat sich mit Apple Pay bislang nicht mal auf den deutschen Markt gewagt. Die Chinesen nutzen wenigstens ein chinesisches Bezahlsystem. Ist wirklich die Frage, ob es klug ist, ein amerikanisches Bezahlsystem wie Google Pay oder Apple Pay zum Durchbruch zu verhelfen. US-Firmen haben ohnehin schon genug Einfluss auf unseren Alltag. Wollen wir ihnen auch noch die Hoheit über den Geldverkehr erlauben?

Es muss ja nicht unbedingt Bargeld sein, liebe Deutsche. Aber Megakonzerne wie Google oder Apple muss man in der Tat auch nicht unbedingt ins Portemonnaie gucken lassen. Hier ist Skepsis angebracht.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. I have got a Google Pixel 2 XL and yes, GOOGLE Pay as well. I use it to transfer funds easily to my friends and clients whenever it is needed. Anyways, such an interesting read this is, thanks :D

  2. I’m not basing America. And I did not say a word that I would rather see WeChat or AlibaPay here in D. However, preference would be given to German / European companies that “service” such sensitive areas.

  3. ich habe auch ein Handy, auch ein subventioniertes, aber ich benutze es zum telefonieren und auch NUR zum telefonieren. Mails und Internet sind tabu.
    Und schon gar nicht zum bezahlen. Das soll jetzt ein amerikanisches Unternehmen bez. Bank übernehmen? Was ist denn wenn etwas schief läuft? Allein die Vorstellung macht mir Angst.
    Ich möchte für mein Geld ein deutsches Unternehmen oder eine Bank. Mittlerweile geht das bezahlen mit einer deutschen Karte im Supermarkt ohne Probleme.
    Ich weiß nicht warum wir Deutsche immer nach Amerika schielen müssen und allen Mist übernehmen.

  4. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Man hat nicht nur die Stasi in der Hosentasche, sondern auch sozusagen den “einarmigen Banditen”, wie dies sehr präzise und treffend Alexander Markowetz in seinem Buch “Digitaler Burnout” beschreibt.
    Deswegen gilt für mich und sollte “eigentlich” für alle Menschen gelten, die Wert auf ihre Privatsphäre, Intimsphäre, Freiheit, auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und die Abwesenheit von Sucht in ihrem Leben legen:
    Hände weg von allem, das auch nur von weitem nach Smartphone aussieht oder riecht!
    Und Hände weg von allem, das es möglich macht, ausgeforscht zu werden – von “Paybackkarten” bis zu Online-Bezahlystemen!

  5. Bei aller liebe lasse ich mir lieber von amerikanischen Konzernen in die Geldbörse schauen, als von chinesischen Firmen. Man sollte mal über den Tellerrand hinausschauen, z. B. nach Amerika. Dort werden Firmen wie Huawei und ZTE mit Auflagen/ Beschränkungen belegt, da das potentielle Risiko gesehen wird, diese könnten, als Handlanger der undemokratischen chinesischen Regierung, die staatliche Sicherheit gefährden. Uns Deutschen ist das herzlich egal, Hauptsache wir bekommen ein günstiges Handy. Stasi in der Hosentasche!
    Wir bashen nur zu gerne Amerika, dessen Regierung und die Konzerne dort, ohne zu beachten, dass wir ohne dieses Land verraten und verkauft wären, ja wahrscheinlich sogar nicht mehr existent.

    • “Stasi in der Hosentasche!”?
      Stimmt! Es ist allerdings völlig egal, ob es sich um ein amerikanisches, asiatisches, billiges oder exklusives Gerät mit Statussymbolcharakter handelt.
      Siehe dazu z. B.
      privacy-handbuch.de/handbuch_78.htm
      oder auch hier
      privacy-handbuch.de/handbuch_70a.htm
      und natürlich (auch für Uralt-“Handys”!) gilt immer noch
      de.wikipedia.org/wiki/Stille_SMS

      Ergo:
      Mit nahezu j e d e m (!) Gerät tragen Sie die “Stasi in der Hosentasche!” mit sich herum! ;)

      Und die Begehrlichkeiten, in der Hosentasche allgegenwärtig horchend zu sein, werden immer größer; siehe z. B. aktuell hier
      com-magazin.de/news/datenschutz/innenministerium-fordert-ausspaeh-befugnisse-1548772.html
      Herrn Schiebs Aufruf zur Datensparsamkeit, halte ich für berechtigt; ganz besonders dann, wenn es sich um Geldangelegenheiten handelt!

    • Ich bashe nicht Amerika. Und ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich lieber WeChat oder AlibaPay hier in D sehen würde. Zu bevorzugen wären aber deutsche/europäische Unternehmen, die derart sensible Bereiche “bedienen”.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top